Weihnachtsfeier – oder die Abgründe der Kollegen

Dass mit der besinnlichen Vorweihnachtszeit hatte ich mir ja echt mal wieder ganz anders vorgestellt, vor allem im Büro. Ganz gemütlich wollte ich die zwei letzten Arbeitswochen ausklingen lassen. Früh morgens mal ganz gechillt im Hühnerstall vorbeischauen, mich der Ablage widmen, mit den Kollegen quatschen und jetzt hat wieder gar nix geklappt, weil so viel zu tun ist. Und die mangelnde Motivation zu arbeiten, ist auch nicht gerade hilfreich. Und eigentlich wollte ich euch schon letzter Woche von unserer betrieblichen Weihnachtsfeier erzählen…

Ich weiß nicht, ich stehe ja so gar nicht auf Weihnachtsfeiern. Aber dieses Mal hatte ich mich entschlossen, mal wieder mitzumachen, weil ich eigentlich die Idee mit dem ‚Äppelwoi-Express‘ (ich glaube in echt schreibt der sich noch mit ‚ß‘) durch Frankfurt zu zuckeln, ganz drollig fand – und ich noch nie mit dem Teil gefahren bin. Drollig war es dann aber leider ganz und gar nicht, sondern kalt und ungemütlich und natürlich dunkel. Außer den Wartenden an den Haltestellen, die auf ihre reguläre Bahn warteten, hat man nichts gesehen. Dafür habe ich was anderes gesehen – IN unserer Bahn. Und prompt viel mir wieder ein, warum ich solche Aktivitäten mit den Kollegen nicht mag: Weil sich unter Umständen ein völlig neues Bild von dem Kollegen ergibt, weil ich Abgründe bei meinen Mitmenschen erkenne, von denen ich lieber nichts gewusst hätte.
Der alternde Typ aus dem Vorstand, der sich mit Sabber vor dem Mund auf die neue, junge Kollegin stürzt, ist ja schon ein Klassiker. Ich fand es natürlich wieder peinlich, meine Kollegin tat mir auch irgendwie leid, im Endeffekt war ich aber froh, dass er sich aus unserer Sitzgruppe verabschiedet hatte, weil mich seine Geschichten aus seinem Berufsalltag und wie toll er sie immer meistert, überhaupt nicht interessiert haben.

Viel schlimmer fand ich meine Kollegin aus der Buchhaltung. Ich hatte sie als lieb und bescheiden eingeschätzt, doch du liebe Zeit konnte die in der Straßenbahn rumgrölen (dabei waren wir gerade erst losgefahren und das einzige alkoholische Getränk an Bord war Apfelwein). Und dann fing sie an, sämtliche Snacktüten (mit Salzgebäck) einzusammeln – für schlechte Zeiten. Hat die es nötig???
Sowas finde ich ja total arm – und könnte mich darüber aufregen (statt kopfschüttelnd zu schmunzeln). Plötzlich rückt die Verteilung von kleinen Naschereien von Frau Buchhaltung in ein ganz anderes Licht. Die Gute verteilt nämlich gerne zu besonderen Anlässen (Ostern, Nikolaus und wahrscheinlich morgen) kleine Naschereien an ihre liebsten Kollegen. Und jeder bekommt etwas Anderes. So bekam ich zu Nikolaus ein Rocher, mein Kollege mir gegenüber (ihr wisst schon) eine Weihnachtspraline in so Glitzerpapier gepackt. Schon immer habe ich mich gefragt, warum jeder etwas anderes bekommt? Jetzt weiß ich es. Die Gute sammelt wohl das ganze Jahr allerorts die komplette Tischdecko und alle Probierpäckchen ein.

Auf das Rocher – was auch nach der Weihnachtsfeier noch auf meinem Schreibtisch lag – hatte ich überhaupt keine Lust mehr. Ich gab es an meinen Kollegen, der isst alles!

 

Kategorien: Huhn@work, Neues aus dem Hühnerstall | Ein Kommentar

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