Ich hätte gerne das Schienbein getroffen

Ich liiiieebe meinen Kollegen! So wie man seinen Kollegen halt liebt. Aber manchmal ist er echt extremst bescheuert. Manchmal könnte ich ihm eine reinhauen – im übertragenen Sinne, in echt habe ich so etwas noch nie gemacht. Wir sind im Büro eine süße Dreiergemeinschaft. Mein Kollege, ich und Madame – unsere Vorgesetzte. Die Oberbestimmerin, die mich irgendwie total mag, ich sie aber nicht. Mindestens einmal in der Woche könnte ich mich über Madame aufregen und tue es auch. Den (Kollegenschwein-)Vogel hat sie aber im Sommer abgeschossen: Sie ist kinderlos und muss – wie sie sagt – immer in den Ferien Urlaub machen. Mein Kollege und ich haben jeder zwei Kinder. Meine sind in der Schule, seine im Kindergarten, der im Sommer während der Ferien 3 Wochen seine Pforten schließt. Diese Schließzeit hat mein Kollege schon im Dezember letzten Jahres in unseren Kalender eingetragen. Und was macht Madame? Sie nimmt sich genau zur selben Zeit Urlaub (“ach Gott, habe ich gar nicht gesehen… Na, jetzt kann ich aber nicht mehr umbuchen!” *heuchel). Dabei ist es uns von höchster Stelle untersagt, dass die Abteilung unbesetzt ist. Und ganz ehrlich verstehe ich auch das Problem nicht, warum man sich bei sechs Wochen Ferien nicht einig wird.

Ja, ihr fragt euch sicher, was denn mit mir war. Die Abteilung war doch mit mir besetzt. Richtig! Aber ich zähle  mit meiner Arbeitszeit von 8 – 12 Uhr nicht. Die beiden Volltagskräfte vertreten sich gegenseitig; ich habe von nix eine Ahnung und muss deshalb auch niemanden vertreten. Das hört sich bitter an, ist mir aber egal, denn dadurch kann ich immer Urlaub nehmen, wann ich will.

Naja, es gab jede Menge Diskussionen. Madame war nicht bereit, nachzugeben. Mein Kollege äußerte sich zum ersten Mal negativ über unsere Vorgesetzte (was sonst nur ich mache), und war auch so richtig schön angep…. bedient. Das Ganze ging dann so aus, dass er eine Woche früher aus dem Urlaub kam, damit die Abteilung nur zwei Wochen unbesetzt ist. Seine Laune war super!!!! (Ironie) Auch ich hatte mich mächtig aufgeregt, weil ich es soooo scheiße ungerecht und daneben finde. Ich hasse Leute, die sich für etwas Besseres halten (vor allem weiß ich nicht, warum Madame sich für etwas Besseres hält – so unsozial, link und angeberisch wie sie ist). Ich war also zwei Wochen alleine im Büro (was ich eigentlich super finde!) und mein Kollege grummelte eine Woche vor sich hin. Meiner Meinung hätte er sich aber ruhig etwas mehr wehren können, schließlich hat er das Recht auf seiner Seite. Aber irgendwie scheut er wohl so richtige Konflikte.

Am Montag hatten wir Abteilungsbesprechung. Unter dem TOP Verschiedenes fand sich “Urlaubsplanung 2017” wieder. “Und, weiß jemand schon, wann er in Urlaub geht?”, fragte Madame fröhlich in die Runde. Und mein Kollege warf sofort ein: “Sobald ich die Schließzeiten vom Kindergarten weiß, trage ich sie in den Kalender ein!” Ich hatte ein Déjà-vu und mischte mich sofort ein: “So wie in diesem Jahr kann es in den Sommerferien aber nicht noch mal laufen. Sie können nicht beide gleichzeitig in Urlaub gehen, zumal der Herr Kollege ja rechtzeitig Bescheid sagt, wegen der Schließzeiten.” Madame fing an sich zu winden und zu stammeln: “Ja, aber … Wenn doch…” Ich fuhr dazwischen, dass bei sechs Wochen ja wohl für jeden drei übrigblieben. Und dann meldete sich mein Kollege zu Wort und ich dachte, ich höre nicht richtig. “Ja, so schlimm war es ja nicht. Die Abteilung war ja dann nur zwei Wochen unbesetzt. Und ich habe mich ja ganz gut…” Weiter kam er nicht. Unter dem Tisch trat ich zu! Leider traf ich nicht sein Schienbein, sondern seine Schuhsohle, was ein leichtes Klopfgeräusch verursachte. Verdutzt hörte er auf zu sprechen. Sein Gesichtsausdruck war so belämmert, dass ich beinahe einen Lachflash bekommen hätte.
“Ich gehe auf jeden Fall in den Osterferien in Urlaub!”, gab ich bekannt, um das Gespräch und meinen Gemütszustand wieder in ruhigere Gefilde zu lenken.

Der unterdrückte Lachflash äußerte sich später in leisem Kichern. Und dann musste ich daran denken, dass dieser Tritt vor dem Schuh, irgendwie genau so ein Thema war, was ich vor zwei Jahren oder drei (oder vier?) im Hühnerstall gebloggt hätte.

Und das sagte ich meinem Kollegen, der (aus mir unerklärlichen Gründen) den Vorfall auch irgendwie witzig fand. Wie  mein Blog heißt, habe ich ihm nicht gesagt. Das wurmt ihn schon seit Jahren  kolossal. Er hat auch einen Blog und hatte mal mächtig angegeben damit, worauf ich seinerzeit nur müde abwinkte – alter (Blog-)Hase ich.

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Kategorien: Huhn@work, Wieder da! | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Ich hätte gerne das Schienbein getroffen

  1. ClaudiaskleineWelt

    Boah, Madame… Unglaublich!
    Und da gibste deinem Kollegen schon die Vorlage und was macht er? Rudert erstmal zurück. Mann, mann, mann, der hätte von mir auch ein klacken unter dem Tisch bekommen

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