Tu mir nix!

Ich gehe nicht mehr in den Keller. Zumindest nicht in unseren Getränke- und/oder Vorratskeller. Ich hatte dort eine Begegnung der dritten Art. Die, die mich schon länger kennen, wissen wahrscheinlich schon Bescheid; gelle, ihr wisst was jetzt wieder kommt? Aber ich kann nicht die Klappe halten, ich muss mir das Trauma von der Seele schreiben. Vielleicht kann ich dann wieder in den Keller gehen.
Einige von euch, posten ja bei Instagram gerne – besonders im Herbst und Frühling – die „schönsten“ Bilder dieser Kreaturen mit den acht Beinen. Oder waren es sechs? Ich habe nicht nachgezählt, in der Panik. Manche haben ja noch so Fühler, die so groß sind wie Beine.
Also ich rede natürlich von Spinnen. Schon das Wort zu schreiben… *uuuaaaah*
Morgens muss jedes Familienmitglied in den Keller. Jeder muss sich irgendwie ein Getränk oder eine frische Milch fürs Frühstück oder für unterwegs holen. Gestern um 6:35 Uhr machte ich mich also auf, mir eine neue Milch zu holen.
An der Haustür traf ich Herrn Hahn, der sich seine Jacke überzog und ein „Also, tschüss“, von sich gab und schwupps schon aus der Tür war. Ich trottete noch eine Etage tiefer, Tür auf und rein in den Partykeller. Tür auf, Licht an, weiter in den Getränke- oder Vorratskeller. Ich wackelte stur geradeaus, die Augen noch nicht richtig geöffnet und griff zielsicher nach meiner Milchpackung. Dann drehte ich mich um und dann sah ich sie. Groß, schwarz, sechs, acht, zehn, zwölf Beine auf zartgelber Wand, nicht unweit vom Lichtschalter. Fluchtartig verließ ich den Raum, ließ das Licht an, schloss aber die Tür (bleib‘ bloß da drin), flitzte nach oben (so früh und schon so schnell unterwegs), schnappte das Telefon und rief Herrn Hahn an. Weit konnte der gute Mann ja noch nicht sein. Er musste zurückkommen und das schwarze Grauen irgendwie wegschaffen.

Ich weiß, einige von euch lieben diese Teile oder finden sie zumindest faszinierend und können natürlich meine Hysterie nicht verstehen. Aber hey, 1. ich habe nicht geschrien und 2. ich kann nix dazu.

Schon in der BRIGITTE 22/2015 heißt es in dem Artikel „Kollektiver Albtraum“:

DSC_0005

Wenigstens war es bei mir nicht im Badezimmer (zumindest dieses Mal nicht)

 

Ich erreichte Herrn Hahn nicht mehr – später erklärte er mir, dass er sein Handy noch auf lautlos stehen hatte – oh Mann. Das schlimmste für solche Weicheier wie mich, ist aber die Vorstellung, dass diese grausige Vielbeiner entkommen können. Ich wollte ja auch nicht, dass Herr Hahn das Teil erschlägt (schon allein wegen des Flecks an der Wand), sondern es einfach ganz weit weg von mir schafft. Mindestens einen Kilometer. Doch würde diese Riesenthekla noch da sein, wenn Herr Hahn am späten Nachmittag aus dem Büro käme? Wohl kaum. Außerdem hatte ich das Licht angelassen, das ist dem Tier nun sicherlich viel zu hell auf der gelben Wand.

K2 kam aus ihrem Zimmer unterm Dach nach unten. Auch sie holt sich, bevor sie das Haus verlässt, immer noch eine Flasche Wasser im Keller. Was sollte ich tun? Sie vorwarnen? Dann würde sie ohne Getränk das Haus verlassen. Ihr nichts sagen? Ihre Abneigung und ihr Ekel sind mindestens genauso groß wie meiner.Ich war hin- und hergerissen. Sie zog ihre Jacke über, drückte mich und eilte zur Haustür. „Brauchst du nichts zu trinken?“ „Nee, hatte noch eine Flasche oben…“

Und jetzt? Was sollte ich nun machen? Mich mit dem Besen bewaffnen? Und was genau will ich mit dem Besen bewirken? Draufhauen? Wegschieben? Dann fällt sie runter und verkriecht sich womöglich in den Wasser- oder (noch schlimmer) Cola-Kästen. Oder mit dem Stil wenigstens das Licht ausschalten?

Mir fiel ein, dass ja noch ein Familienmitglied in seinem Bett lag, und zwar eines, welches sich im vergangenen Jahr als erstaunlich unhysterisch beim Anblick von Sp….. gezeigt hatte: K1!

Ab nach oben. Und da stand sie, meine Rettung! Hatte es sogar schon bis ins Bad geschafft. Ich fragte scheinheilig: „Musst du noch mal in den Keller?“ K1 bejahte. Ich schilderte die Lage und fragte, ob sie sich des ‚Problems‘ annehmen könne. Sie lachte nur. „Was gibt es da zu lachen?“ „Wie ihr immer alle abgeht…“ Sie berichtete, dass sie bei ihrer besten Freundin auch immer für die Beseitigung zuständig sei.
Ich bin ja so stolz auf meine Große!

Ein Glas wollte sie dann aber doch nicht mitnehmen, das sei ihr bei der von mir geschilderten Größenordnung doch zu unangenehm – wenn man alles sieht. Also schnappte sie sich einen Schuh von K2 und stieg hinab. Ich blieb – vorsichtshalber – im Zwischengeschoss stehen und konnte mich nicht entscheiden, ob ich mir wegen des zu erwartenden Klatschgeräusches die Ohren spitzen oder zuhalten sollte. Während ich noch überlegte, rief K1 „Mama, die ist hier nicht mehr!“
Neeeeeeiiiiiin!!!!!!! Ich werde niemals mehr in den Keller gehen können.
Und K2 suchte am Nachmittag sehr lange nach ihrem Sportschuh…

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Kategorien: frisch gelegt, Neues aus dem Hühnerstall | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Tu mir nix!

  1. Vielleicht hilft ein Spruch weiter, der neulich getwittert wurde: „Geisteszustand: Ich glaube, ich hätte nicht so eine Panik vor Spinnen, wenn sie acht winzigkleine Flip-Flops anhätten“ (Twitter / @marc_spohn )

    😀

  2. Martin

    Wir haben auch oft so Mutanten in der Wohnung. Aber seit vier Jahren kümmern sich unsere Katzen darum. Gefressen wird das Zeugs von denen aber nicht, ich muß nur hin und wieder die Leichen entfernen.

    • ja, das kenne ich. als meine Katzen noch jung waren, haben sie auch gerne damit gespielt, bis nur noch kleine Kügelchen übrig waren… ich war hin- und hergerissen damals. ich wollte nicht, dass sie die Riesenviehcher fressen, aber die Überreste einsammeln…
      Mittlerweile habe ich ja nur noch eine Katze und die ist zu alt, zum jagen

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