Alles dahin

Ich bin ja so ein Mensch, der mittlerweile erkannt hat, wie wertvoll der Alltagstrott sein kann. Vielleicht ist Alltagstrott auch nicht das richtige Wort – ich meine mehr so, das geregelte Leben, in dem man sich über Kleinigkeiten erfreuen kann, in dem man es zu schätzen weiß, dass man eben einen geregelten Alltag hat, ohne (schlimme) Sorgen.

Wer wie ich regelmäßige Arbeitszeiten von Montag bis Freitag hat, weiß sicher auch, wie man sich über den Feierabend am Freitag freuen kann. Das Tor der Tiefgarage bei uns in der Firma ist noch nicht komplett hochgerollt, da habe ich meine Arbeit schon vergessen und ein seliges Grinsen ist auf meinem Gesicht erkennbar.

Und da war dieser Freitag und ich komme grinsend zuhause an, räume ein bisschen auf, setze mich an meinen Rechner und blogge. K2 und ihr Papa sind zu einem sportlichen Wettkampf aufgebrochen. Meine Jüngste war ganz aufgeregt. Auch K1 packt irgendwann ihre Klarinette und bricht zur Probe ins Orchester auf. „Guckst du später Fußball?“, fragt sie mich noch. „Nee, ich glaube nicht, ist ja nur ein Freundschaftsspiel. Ich schalte lieber mal bei der U21 rein“.

Das mache ich dann auch. Mittlerweile kommen via WA Meldungen vom Hahn bei mir an, K2 ist Erste geworden. Ich schicke den Befehl: „Mach bloß ein Video von der Siegerehrung!“ Er schickt ein Bild von der Urkunde. Sie schickt ein Bild von der Goldmedaille.  Und ich bin soooooo stolz und total glücklich, dass meine kleine Sportlerin mal eben so Erste geworden ist. Auch die U21 führt und wird wohl gewinnen. Ein guter Tag – obwohl es Freitag der 13te ist. Aber ich bin ja nicht abergläubisch.

Endlich kommen die Sportler nach Hause und ich lasse mir alles noch mal haarklein erzählen. Die Stimmung ist super; alle sind aufgekratzt. Der Hahn meint, ich solle nun doch mal auf das Länderspiel schalten. Ich räume die Küche auf und setze mich dann vor den Fernseher. Irgendwann gibt es einen Knall. „Was war das denn? Ein Schuss?“ Dann wieder ein Geräusch – hört sich an wie eine Explosion. Ich nehme mir vor, so lange vor dem Fernseher sitzen zu bleiben, bis ich weiß, dass es nichts Schlimmes ist. Vielleicht ein Böller? In so einem Stadion hallt es doch bestimmt noch mehr. „Das hat sich angehört wie eine Explosion“, meint der Hahn. Der Kommentator faselt was von Zuschauern, die sich besorgt umschauen. Würde mir nicht anders gehen. Wäre ich Schiri, würde ich jetzt bestimmt den Unmut auf mich ziehen, weil ich abbrechen würde, um zu schauen, was los ist. Aber alles bleibt irgendwie normal. Zumindest kann ich am Fernsehbildschirm nichts Außergewöhnliches entdecken.

Ich bin so müde, müde, müde. Als K1 in der Halbzeit vom Orchester nach Hause kommt, habe ich schon das Licht aus und bin schon am wegdämmern. Im Nachhinein bin ich so froh, dass ich noch vor der Halbzeitpause ins Bett gegangen bin – und was habe ich schön geschlafen. Bis morgens um 7 Uhr. Gut gelaunt schalte ich mein Tablet ein. Und meine schöne heile Welt stürzt in sich zusammen.

 

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Kategorien: kennt ihr das?, Neues aus dem Hühnerstall | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Alles dahin

  1. Und schon ist die Freude am Bloggen erst mal wieder dahin gewesen. Und ich bekomme nicht mal mit, dass hier ein Kommentar aus der Schweiz (Entschuldigung!) gepostet wurde…

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