Alarm am Gotthardtunnel

Natürlich fallen mir immer noch Sachen ein, warum es gut, dass ich dieses Jahr nicht in Urlaub fahre (ich suche ja auch schön 😉 ) Die Straßen sind ja wohl übervoll und besonders lang steht man ja am Gotthardtunnel – und dazu hatte ich ja mal ein schönes (ähm, ja) Erlebnis:

Italien, Comer See, Colico, an einem Samstagmorgen – wir vier hatten das Auto beladen und machten uns auf den Nachhauseweg. An der Nordspitze ging es um den See, dann Richtung Lugano. Schon nach einer Stunde Fahrt musste ich auf die Toilette. Da wir aber noch nicht auf der Autobahn waren, winkte ich auf die Frage vom Hahn „Sollen wir halten?“ ab. „Später, auf der Autobahn.“

Ja, und dann waren wir auf der Autobahn. Und nirgendwo gab es einen Hinweis auf eine Raststätte. Ich musste schlucken. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich das erlösende Schild sah: Fünf Kilometer bis zur nächsten Raststätte. Ich ahnte schon etwas. Und richtig, es war die Raststätte unmittelbar vor dem Gotthardtunnel. Tja, und dann passierte es. Das, was im Sommer immer vor dem Gotthardtunnel passiert: Wir standen im Stau! Und ich wusste nicht, wie weit es noch bis zur Toilette war. Ich schätzte zwei bis drei Kilometer.

Ich musste bereits dringend – eigentlich sehr dringend. Und wir standen. Ich wusste nicht, was ich schlimmer fand, wenn wir fuhren oder wenn wir standen. „Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr!“, fing ich an zu jammern. Ich überlegte, ob ich aussteigen und mich in die Büsche schlagen sollte. Welche Büsche??? Neben dem Standstreifen ging es entweder steil hinunter oder es war mit einem Maschendrahtzaun abgesperrt.

Ich hätte in die Mittelleitplanke strullern und mich dabei zwischen zwei Türen verstecken können. Doof nur, dass wir hinten Schiebetüren haben.

„Ich könnte in eine Flasche …“, überlegte ich laut. Aber die Öffnung einer Wasserflasche erfordert eine Treffsicherheit, die eine Frau nicht leisten kann. „Scheiße noch mal, das gibt es doch gar nicht!“ Meine Stimme wurde schrill. Mir war schlecht, total schlecht. Ich hatte zwei Kinder bekommen, hielt mein Beckenboden das aus?

„Los gebt mir das Katzenklo“, rief ich meinen Küken zu. Die guckten ganz entsetzt. Katze fing in ihrem Körbchen prompt an zu schreien, als wollte sie mich davon abhalten. Vielleicht musste sie aber auch. „Schatz, es geht weiter!“, rief der Hahn. Ich setzte mich wieder in meinen Sitz zurecht. Wir zuckelten ein bisschen nach vorne. „Fahr rüber, wir fahren über den Standstreifen, mir egal, was das kostet!“

Ja, von wegen! Habt ihr schon mal dort gestanden? Die Schweizer haben unmittelbar vor der Abfahrt eine Sperre errichtet. Wir standen wieder: „Los trinkt eure Tupperflaschen leer!“, schnauzte ich jetzt die Küken an. Die Tupperflasche hat eine größere Öffnung, als eine Wasserflasche Ich legte den Fußraum mit Plastiktüten aus und schob den Sitz nach hinten, damit ich mehr Platz hatte, und platzierte mich gegen die Fahrrichtung.

„Schatz, die gucken schon auf deinen Slip!“, warf mein Hahn zaghaft ein. „Ist mir sowas von egal! Ich kann nicht mehr!“ „Schatz, guck, es geht weiter!“, hörte ich eine Stimme. Der Hahn gab Gas. Ich plumpste in den Sitz. Wir schafften es bis zur Ausfahrt. Voll Karacho heizte der Hahn bis an die Eingangstür der Raststätte. Ich sprang aus dem Auto und rief allen, die ich über den Haufen rannte, „scusi!“ zu. Auf der Treppe nach unten schaffte ich es, eine Gruppe Japanerinnen zu überholen. Das hätte mir gerade noch gefehlt, wenn die alle vor mir gewesen wären.

Ich konnte es kaum glauben, ich hatte Glück und fand auf Anhieb eine freie Toilette. Noch zwei Touris überholt, Tür zugeschmissen und eeeendlich …

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Kategorien: Archiv | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Alarm am Gotthardtunnel

  1. Es gibt irgendwo so Einweg-Trichter für Damen zum im Stehen sein Geschäftchen erledigen – vielleicht sollte man sich so etwas mal zulegen? 😀
    Tolle Geschichte. 😀

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