Ist das ein Zeichen?

An Ostern schlief ich schlecht und träumte etwas Gruseliges, wachte auf, schlief wieder ein und wachte wieder auf, weil die GLOCKEN LÄUTETEN. Es war Mitternacht und in der Kirche, die gegenüber des Hühnerstalls steht, läuteten die Glocken (hier muss ich noch erklären, dass der Kirchturm keine Uhr hat; die Glocken läuten also nur zu kirchlichen Anlässen). Genau genommen läutete nur eine der zwei Glocken. „Bimm, bimm, bimm …“ Immer, wenn jemand gestorben ist, hört man dieses Geläut. „Bimm, bimm, bimm …“. Es hörte nicht auf und ich gab mich meinen Grübeleien hin, während der Rest der Familie offensichtlich nichts hörte – typisch!

Ich versuchte, mich gegen ein aufkommendes gruseliges Gefühl zu wehren. Immer schön ruhig bleiben! Schließlich läuten die Glocken auch in der Weihnachts- und in der Silvesternacht. Vielleicht handelte es sich um eine Ostertradition, die der neue Pfarrer hatte aufleben lassen? Was weiß ich denn schon von Religion?

Doch ein Blick aus dem Fenster, zu dem ich mich beherzt durchgerungen hatte, belehrte mich eines Besseren. Die Kirche lag in völliger Dunkelheit. Kein Mensch war zu sehen. Nur eine Katze sprang, scheinbar genervt, über die Friedhofsmauer. Bei dem Lärm ließ es sich schlecht Mäuse jagen. Die weltlichen Nachbarn indes schienen nichts zu hören, nirgends ging ein Licht an, nirgends war ein Schaulustiger zu entdecken. Das Gebimmel verstummte. Aber nur kurz. Zehn Minuten später ging das Getöse (nachts klingt eben alles lauter) erneut los. Diesmal läuteten beide Glocken. Mahnend klang es! So wie sonntagmorgens, wenn man sich dringend auf dem Weg machen sollte, wenn man nicht zu spät in den Gottesdienst kommen wollte. Und diesmal brannte tatsächlich Licht in der Kirche.

Also doch ein Osterbrauch? „Nein“, würde mir am nächsten Tag der neue Pfarrer sagen, „ich war es nicht!“ Und er hatte es nicht veranlasst. Er hatte es nicht einmal gehört!

Irgendwann hörte das Läuten auf. Ich konnte den Blick nicht von der Kirche lassen. Gebannt starrte ich nach draußen. Und da kam er: Mit weißem Gewand (oder besser Hemd) bekleidet, lief jemand aus der Kirche heraus. Ein „Engel“ (wer sonst?) namens Walter (der heißt wirklich so!). Als Mitglied des Kirchenvorstandes hatte  er einen Schlüssel und konnte die Glocken ausschalten. Die Stille war wiederhergestellt; das Grauen verflog.

Vielleicht war die Uhrumstellung schuld? Oder technisches Versagen? Doch genau genommen wäre das ein viel zu banaler Grund für ein derart symbolhaftes Ereignis. Wenn an Ostern um Punkt Mitternacht die Glocken läuten, dann muss das ein Zeichen gewesen sein! Da muss doch jeder ins Grübeln kommen, oder? 😉

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