Prioritäten

Ich fahre zur Arbeit. Ich bin spät dran. Aber das ist im Moment eigentlich egal, denn ich komme gut voran. Die Sonne scheint, die Schranke war hoch. Alles bestens. Ich schaue auf das Display vom Boardcomputer (was ein Wort), um zu schauen, wie das Lied heißt, was da gerade im Radio läuft. Mein Blick bleibt am Handysymbol hängen. Und unmittelbar davor, bevor ich aufnehme, was ich sehe, weiß ich es schon: Das Handysymbol ist durchgestrichen, mein Schnuckelchen liegt zuhause auf dem Sideboard im Wohnzimmer – mir wird kalt – direkt neben meiner Brille. WAS JETZT?

Ich bin schon weit gekommen,  habe aber noch nicht die Hälfte der Strecke erreicht. Soll ich also umkehren? Ich blicke auf die Uhr. Ich könnte schnell anrufen und Bescheid sagen, dass ich später komme… Hallo? Merkst du noch was? Womit willst du anrufen? Offensichtlich bin ich leicht überfordert. Ich stehe an einer Ampel. Ich hadere, wiege ab und denke hin und her. Die Ampel springt auf grün. Ich fahre weiter und habe nun erst einmal keine Möglichkeit mehr zu wenden. Also gut, ich fahre ins Büro. Ohne Brille, ohne Smartphone.

K1 hat mir mal einen Witz erzählt, der mir nun wieder in den Sinn kommt:
Wie weit würden Sie für Ihr Handy zurückfahren?
Was? Ich verstehe die Frage nicht!

Trotz der getroffenen Entscheidung gelingt es mir nicht, meine wirren Gedanken abzuschütteln. Jetzt weiß ich, dass ich mein Handy vergessen habe, jetzt fühle ich mich nackig und schutzlos – scheiße. Und scheiße bin ich blöde, dass ich so empfinde. Wenn mich jemand erreichen will? Vor allem, wenn die Mädels mich erreichen wollen?

Ich überlege mir beim Fahren, was ich im Büro wohl mehr vermissen würde. Trotz allem würde es wohl meine Lesebrille sein. Ich brauche für beide Gegenstände einen Plan B, das steht fest, sonst… Sonst was? Und noch einmal die Erkenntnis, dass ich irgendwie gestört bin.
Die Aussicht, dass ich Symbole und Schrift am Rechner größer einstellen kann, beruhigt mich nicht wirklich. Und dann fällt es mir ein: Ich würde meine Kollegin Fragen, ob ich ihre blaue Lesebrille haben könnte, die sie nur dann nutzt, wenn sie zu ihren Klamotten passt. Über Hangout würde ich K1 und K2 anschreiben und Ihnen mitteilen, dass ich mein Handy nicht mit im Büro habe. ALLES WIRD GUT!

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Ja, genauso habe ich es gemacht. Die blaue Brille war dann nicht so ideal wie erhofft. Aber es war immer noch besser, als mit zusammengekniffenen Augen vor dem Rechner zu sitzen. Das Gefühl das mir was fehlt, weil das Handy nicht in Reichweite war, blieb bestehen,  und war auch unangenehm. Aber in der Tat – habe ich es überlebt! Aber ich kann euch versichern, so pünktlich habe ich schon seit ewigen Zeiten nicht mehr Feierabend gemacht… 😉

Ich hatte ja letztes Jahr schon einmal darüber gebloggt, wie groß mein Leidensdruck ohne Lesebrille ist: Zum Beitrag

 

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Kategorien: Eierschachtel, Neues aus dem Hühnerstall | Hinterlasse einen Kommentar

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