Das neue Esszimmer

Vor ein paar Wochen sind wir alle losgezogen zum Segmüller ein neues Esszimmer aussuchen. Unseres war nämlich total vergammelt und wirkte nur noch schäbig. Außerdem knarrten die Stühle so, dass man Angst haben musste, dass sie einem unter dem Hintern zusammenbrechen. Und bei der Vorstellung, dass die Schwiegereltern vielleicht… Außerdem lag noch eine Art Gutschrift von mehreren hundert Euro bei Segmüller auf dem Konto, die ich auf keinen Fall verfallen lassen konnte.
Es ist natürlich nicht so einfach, mit der Esszimmereinkauferei innerhalb einer Familie. Ich wollte auf jeden Fall eine Bank – ohne Lehne. Der Hahn nicht. Das ist erst mal kein Problem, schließlich lassen sich zwei Stühle und eine Bank hervorragend an einen viereckigen Tisch stellen. Erste Probleme treten auf, wenn sich die Küken aber einigen müssen, wer auf den zweiten Platz der Bank geht.
Ein weiteres Problem stellte die Mindestsumme dar, die ich ausgeben sollte, um die Gutschrift (eigentlich von mir bei Segmüller aufbewahrtes Geld) zu bekommen. Statt Tisch, zwei Stühle, eine Bank und eine Vitrine, wurden es letztendlich: Ein Tisch, zwei Stühle, zwei Bänke, eine Vitrine und ein Sideboard. Und jetzt kommt der Knüller: Alles war lieferbar, außer den zwei Kisschen für die Bank. Ob ich alles zusammen geliefert haben wollte? Ich sagte ja. Bis heute frage ich mich, warum ich das gesagt habe. Zu  meiner Verteidigung muss ich sagen, dass wir ja ein Esszimmer hatten und die Aussicht auf „lieferbar in der 44.KW“ hat mich  nun nicht so geschockt, befanden wir uns schließlich schon in der 41.KW. Der Denkfehler meinerseits wurde mir erst viel später klar. Aber dazu gleich mehr.

Zurück zuhause wurde erst mal gemessen. Höre ich da einen Einwand, dass man das vorher macht? Ja, richtig, das sollte man. Obwohl ja die ganze Zeit schon ein Tisch, vier Stühle, ein Sideboard und eine Vitrine dort standen, stellen wir sehr schnell fest, dass wohl Vitrinen und Sideboards nicht irgendwelchen Standardmaßen entsprechen. Ich paar Tage später, bestelle eine Bank wieder ab.

Der Hahn guckte mich an: „Und was machen wir mit dem alten Esszimmer?“
„Wann kommt Sperrmüll?“, fragte ich zurück.
Prompt war er ein bisschen beleidigt. Dass Esszimmer steht schon länger dort, als ich überhaupt im Hühnerstall wohne, das Holz ist nicht mehr schön, auf dem Tisch tummeln sich Flecken, Verfärbungen und chemische Formeln (die Nachhilfelehrerin hatte seinerzeit nicht kapiert, dass man sich unter seinen Notizzettel was unterlegt – die hat aber auch fest aufgedrückt). „Dann verkaufe es doch…“, warf ich daraufhin ein. Obwohl ich mir kaum vorstellen konnte, dass es jemand nimmt. Das war an einem Montag. Am darauffolgenden Freitag kam ein junger Arbeitskollege vom Hahn hier mit zwei Kumpels vorbei und holte das Esszimmer ab. Er war gerade dabei umzuziehen und hatte in der neuen Wohnung Platz für ein Esszimmer. Ich glaube, er hat 200 Euro bezahlt. Der Hahn war glücklich und ich freute mich, dass er glücklich war. Wenn er sein altes Esszimmer vermissen würde, könnte er ja beim Kollegen vorbeifahren und danach schauen.

Weniger schön war, dass wir alle Schränke ausräumen und nun Geschirr, Kochbücher, Fotoalben und was man sonst noch so alles im Esszimmer aufbewahrt irgendwo anders unterbringen mussten. Im Wohnzimmer sieht es seitdem ganz übel aus – aber was soll’s? Ist ja nur vorübergehend. Wir haben dann die Terrassenmöbel statt in den Keller, in das leere Zimmer getragen. Ich hätte nie gedacht, dass Terrassenmöbel in der Wohnung so unbequem sind. Habe ich wirklich im Sommer stundenlang darauf gesessen? Fortan habe ich so oft wie möglich am Wohnzimmertisch gesessen. Aber ganz ehrlich, auf Dauer ist es nix. Klar ist es irgendwie gemütlich, bei einem schönen Film, einem spannenden Sportevent nebenbei lecker zu essen. Aber es ist nicht mehr toll, wenn es tagtäglich – also nix besonderes – ist.

Dann endlich eine Mail von Segmüller, Ende der 43. KW. Die Möbel sind da! Ich sollte anrufen und einen Liefer- und Aufbautermin vereinbaren. Und jetzt kommt der Gedankenfehler, den ich oben erwähnt habe. Ich rief an: „Der früheste Termin ist der 19. November!“ Ich musste schwer schlucken, und sagte dann zu. Wie dämlich von mir, nur wegen der Sitzkissen für die Bank so lange auf einen Termin zu warten. Diese blöden Kissen hätte ich doch auch selbst abholen können…
Aber was hilft es? Jetzt musste ich warten. Auf den Mittwoch in der 47. KW!!!!!

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Kategorien: früher oder später, NebenbEI | Hinterlasse einen Kommentar

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