Horrornacht

Ihr glaubt nicht, was ich für eine Horrornacht hinter mich gebracht habe. Es war von Donnerstag auf Freitag, meine letzte Nacht in Sainte Maxime. Ich könnte kaum schlafen. Katze hat mich anständig auf Trab gehalten. Immer wieder kam sie zu mir ins Bett gesprungen und schrie mich an. Ich torkelte los, gab ihr frisches Fresschen, machte einen Abstecher zur Toilette und fiel wieder aufs Bett. Das wiederholte sich vier, fünf Mal, bis ich Katze endlich das abgeleckte Whiskasfutter wegnahm und ihr ihr Lieblingsfresschen aus dem Discounter gab. Dann riss ich im Schlafzimmer noch das Fenster auf, genoss die frische Brise und ließ mich selig ins Bett gleiten.

Ich konnte aber nun nicht mehr einschlafen und grübelte darüber, warum ich immer die letzte Nacht im Urlaub nicht schlafen konnte (war letztes Jahr genauso), und ob Katze sich vorhin irgendwie merkwürdig verhalten hatte. Wann war sie eigentlich zum letzten Mal auf dem Katzenklo gewesen? War mit ihrer Verdauung alles in Ordnung? Mit zahlreichen Sorgen, um meine Katze schlief ich ganz leicht ein. Ein Ohr auf Empfang, falls Katze mich irgendwie brauchen sollte (warum ist im Dunkeln immer alles so dramatisch?).

Ich kann nicht lange gedöst haben, als ich ein merkwürdiges Geräusch hörte. Katze auf dem Katzenklo? OMG, das hörte sich ja schlimm an. Das Geräusch veränderte sich leicht – war das wirklich Katze? Dann wieder die Pupsgeräusche. Ok, hier musste ich schleunigst aus dem Bett und nachschauen und alles beseitigen, bevor irgendwelche unangenehmen Gerüche durch die FeWo waberten würden.

Ich schlug die Decke zurück, griff nach meiner Brille und lief im Dunkeln los (durch die zwei riesigen Terrassentüren im Wohnzimmer fällt sehr viel Licht von außen), um die Ecke ins Wohnzimmer. Sofort wurde klar, dass Katze überhaupt nichts mit den Geräuschen zu tun gehabt hatte. Die Pups- und Quitschgeräusche waren durch das Aufschieben der Terrassentür verursacht worden. Ein Schreck durchzuckte mich. Wer lief denn da schnurrstracks nach draußen? K1? Schlafwandelte sie etwa wieder? Das war auf jeden Fall genau der unbeirrte, eilige Schlafwandelschritt von K1. Was wollte sie auf der Terrasse? Erfrischung? Konnte ich gut verstehen. Ich rief laut nach ihr. Einmal, zweimal. Sie lief auf die Brüstung zu. Dann schrie ich panisch ihren Namen und dann war sie weg; über die Brüstung (im ersten Stock) gefallen, gesprungen, keine Ahnung. War unter der Terrasse nicht eine Hecke?, schoss es mir durch den Kopf und, bitte, bitte lass ihr nichts passiert sein. Beinahe im selben Moment hörte ich K1 hinter mir: „Mama, was ist denn?“

Ich war gleichzeitig erleichtert und erschrocken: K2 war es!!!
In der gesamten Zeit, die sich hier ewig lang anhört, bei der es aber nur um Sekunden und Sekundenbruchteile ging, lief ich ebenfalls auf die Terrasse, um über die Brüstung zu schauen. Als ich dort ankam, sah ich einen jungen Kerl eilig davonschlendern; er rannte aber nicht. Richtig dreist. So nach dem Motto: Ihr kriegt mich eh nicht.

Mittlerweile waren alle Familienmitglieder (außer Katze) auf der Terrasse angekommen. Wir konnten es kaum fassen: Ich hatte einen Diebstahl verhindert!!!! Erfreut stellte ich fest, dass nichts weg war, obwohl alles, fix und fertig gepackt für die Abreise am Morgen bereit stand. Ich war so erleichtert. In erster Linie aber darüber, dass ich mich im Dunkeln geirrt habe. Noch jetzt, wo ich es niederschreibe, fühle ich den Schrecken. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie grausig das war, zu denken, dass dein Kind von der Terrasse gestürzt ist, und du hast dabei zugeschaut…

Advertisements
Kategorien: Kükenkram, Neues aus dem Hühnerstall, ReiserEI, Tour de France | Schlagwörter: , | 5 Kommentare

Beitragsnavigation

5 Gedanken zu „Horrornacht

  1. Nachtrag; Unmittelbar nach dem Vorfall habe ich zum ersten Mal in den drei Wochen die Terrassentür verriegelt und die Rolläden geschlossen. Schlafen konnte ich natürlich trotzdem erst mal nicht mehr. Ich kann euch außerdem versichern, dass ich froh war, dass es sowieso meine letzte Nacht war. Ich wäre keinen Tag länger geblieben.
    Interessant ist, dass ich mich bis dato total sicher gefühlt habe, da oben auf dem Berg. Und was habe ich mich gewundert über den Hinweis der Agentur, dass man auch, wenn man in der Wohnung wäre, die Zimmerfenster verriegeln sollte, in denen man sich nicht aufhält, und die man nicht einsehen kann.
    Ich kann es kaum glauben, dass da ein Kerl in den ersten Stock krabbelt und probiert, ob er die Tür aufbekommt, und was klauen will, obwohl da jemand in der Wohnung ist. Und zwei Tage vorher haben wir noch auf der Terrasse geschlafen. Unglaublich, oder?
    Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie froh ich war, dass alles so glimpflich abgelaufen ist…

  2. O je, was für ein Schreck! Was für ein Glück, dass es so glimpflich ausgegangen ist.

  3. Nicole

    Himmel die Berge DAS IST ein Alptraum oder? Egal wie ich es drehe Kind vom Balkon gestürzt oder Einbrecher …egal wie HORROR :/

    • ja, wobei der Alptraum mit dem Kind ist schlimmer viel schlimmer. was ich da empfunden habe… und es war dunkel, und so unwirklich, genau wie in einem Alptraum – nur das es irgendwie keiner war. Du denkst so viel, in der kurzen Zeit, und wie ein Mantra läuft dir noch eine Art Untertitel durchs Gehirn „das darf doch jetzt alles nicht wahr sein“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: