Die zweite Woche

Wir, die absoluten Flachlandtiroler (vor allem ich), wohnen jetzt im Urlaub also auf einem Berg. Die Fahrerei vom Meer oder von der Stadt zurück in die Wohnung macht mir so richtig zu schaffen. Und diese Woche, so hatte mir der Hahn angedroht, sollte ich auch endlich mal fahren. „Kann ja nicht sein, dass nur ich immer fahre“, meinte er. 1. Nein? Warum nicht? 2. Fahre ich im Alltag viel mehr Auto als er. Irgendwann bin dann also doch gefahren, und es war nicht so schlimm wie befürchtet. Runter ist aber einfacher, und da die komplette Strecke nur 30 km/h erlaubt ist, falle ich auch nicht unangenehm auf. Außerdem haben wir einen zweiten Weg entdeckt, weniger kurvig und kürzer.

Ansonsten gibt es über die zweite Woche keine Besonderheiten zu berichten, außer vielleicht, dass ich am Donnerstag (oder Freitag) am Strand die Geduld verloren habe. Hier sind so viele Angeber unterwegs und Großkotze, widerlich! Und am besagten Tag kam so eine riesige Yacht Richtung Strand getuckert. Ich habe mich schon die ganze Zeit gefragt, was die Leute dazu veranlasst, mit ihren Booten, Yachten und Schiffen auf einen Strand zuzusteuern, um kurz vor der Absperrung den Anker zu werfen und dort rumzuschaukeln. Ich glaube, sie wollen bewundert werden, von uns normalen Leutchen. So wie man anderorts die Strandpromenade entlang flaniert, tuckern hier die „Schiffchen“ von links nach rechts und wieder zurück. Offensichtlich ist die Konkurrenz in Saint-Tropez so groß, dass die Herrschaften nun nach Sainte-Maxime ausweichen müssen. Das Riesengeschoss, dass an diesem Tag Richtung Strand glitt, war größer als alles bisher dagewesene. Der Hahn vermutete schon, es handele sich um den Fürsten von Monaco. Alle glotzten mit offenen Mündern zum Meer hinaus. Das Schiff kam immer näher, und weil der größte Teil des Rumpfes schwarz war, wirkte es auch ein bisschen bedrohlich. Würden die jetzt ihre Exkremente ins Meer leiten?

Es ratterte in der Luft, ein Hubschrauber umkreiste das Schiff. „Der landet jetzt aber nicht auf dem Vorderdeck?!“, fragte ich, und dann tat er genau das. Du liebe Güte, was für ein Getue, was für eine zur-Schau-Stellung. Ich war bedient, packte die Sachen zusammen und forderte meine Familie auf, mit mir den Strand zu verlassen.

 

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Kategorien: ReiserEI, Tour de France | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

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