Das rote Licht

Feueralarm um drei Uhr noch was in der Früh. Ich springe beim zweiten Jaulen aus dem Bett und eile zu K2 ins Zimmer, die bei diesem Geräusch gern vom Grauen gepackt wird (so wie ich auch). Sie schaut mir schon entgegen, grinst schief. „Alles in Ordnung?“ „Ja, alles in Ordnung!“ Der höllische Lärm verstummt. Kuss, Decke ausschütteln, und ich schleiche zurück ins Schlafzimmer. Im Lichtschein erkenne ich, dass sogar der Hahn wach ist (der ratzt normalerweise immer gleich weiter).

„Die spinnen doch, um die Uhrzeit“, murmel ich vor mich hin, und der Hahn weiß natürlich, dass ich mich darüber ärgere, dass man nicht einfach nur stillen Alarm ausgelöst hat. „Und wo bleiben die jetzt?“ Der Feuerwehrstützpunkt ist keinen Kilometer Luftlinie vom Hühnerstall entfernt und man hört keinerlei „tatütata“. Ich öffne das Dachflächenfenster und strecke die Nase in die Wind – Frau Neugier ich. Riecht es irgendwie nach Rauch? Nein.

Das erste Löschfahrzeug kommt am Hühnerstall vorbei. Ich bin froh, dass das Martinshorn nicht eingeschaltet ist. Ich lasse den Blick in die Ferne schweifen. Sehe ich da hinten ein rotes Licht? Und flackert es nicht ein bisschen? „Guck mal“, sage ich zum Hahn, „brennt es da hinten auf dem Feld? Da leuchtet es so rot…“ Der Hahn krabbelt aus dem Bett und schaut neben mir aus dem Fenster. „Kann ich nicht erkennen. Hol‘ mal das Fernglas!“
„Nee, ich kann mit Brille eh nicht durchs Fernglas gucken. Außerdem ist es kein Nachtsichtgerät.“ Herr ! Neugier holt es selber, guckt erneut und weiß immer noch nicht weiter. „Keine Ahnung, was das ist.“ Wir starren ins Dunkel. Mit einem Mal, hüpft der Hahn wieder ins Bett. „Ich schlafe jetzt weiter!“

Ich schaue weiter zu dem roten Licht, bin aber mittlerweile sicher, dass es kein Feuer ist, sondern einfach nur ein Licht, und dass das Flackern von den Blättern des Baumes verursacht wird, der direkt im Blickfeld steht. Wie könnte ich die Nachbarin von gegenüber dazu bringen, die Äste der Birke etwas zu kürzen? Ich krabbel ebenfalls zurück ins Bett.

Irgendwann im Hellen denke ich wieder an das rote Licht, schnappe mir das Fernglas und schaue an die Stelle, wo ich das Licht vermute. Nix. Abends bevor ich schlafen gehe, sehe ich es wieder. „Was ist denn das für ein Licht?“, frage ich den Hahn. „Da kann doch nicht mitten im Feld ein rotes Licht brennen…“
„Wir können ja morgen Nachmittag mal gucken gehen“, schlägt er vor, „da machen wir mal einen schönen Spaziergang“.
„Was??? Im Hellen sieht man das Licht doch nicht! Und außerdem laufe ich nicht, wer weiß wie weit das ist. Da fahren wir schön mit dem Rad…“
„Ha, ha. Statt Tatort oder was?“, wundert sich der Hahn und lacht.
Noch lacht er, denke ich…

Keine 24 Stunden später, der Tatort hat vor kurzem begonnen, stehe ich wieder vor ihm. „Los geht’s!“, sage ich und schließe meine Jacke. Der Hahn ist verdutzt: „Was jetzt?“ „Das rote Licht!“, antwortete ich knapp. Und er wieder – aber anders betont: „Was? Jetzt? Ich will den Tatort gucken.“ Ich sehe, dass er mit sich kämpft. „Okay, aber du nimmst  mir den auf, dann gucke ich gleich weiter.“ Ein paar Minuten später radeln wir an der Friedhofsmauer entlang, hinaus ins Feld. Das rote Licht, ist hinter einem Baum verschwunden. Man sieht es leicht durchscheinen. Als wir an dem Baum ankommen, wird das Licht von einem anderen Baum verdeckt. So geht das vier Kilometer. „Aber jetzt vorne hinter der Häuserreihe, können wir es sehen“, ist der Hahn überzeugt. Doch wieder nichts. Diesmal ist uns eine Eisenbahnbrücke im Weg.

Ich habe keine Lust mehr. „Los wir drehen um! Ist wahrscheinlich ein Kran.“ Der Hahn kann es nicht glauben. „Jetzt los komm. Die paar Meter noch!“ Ich lasse mich nicht überzeugen. Und außerdem ist es richtig dunkel geworden. An meinem Fahrrad funktioniert keines der Lichter.
Meine Neugier ist verschwunden.

Wir fahren zurück zum Hühnerstall. Natürlich haben wir jetzt Gegenwind. Und natürlich sehe ich auf dem Feldweg nichts, ohne Licht. Offensichtlich bin ich wirklich nachtblind, oder ich habe meine Kontaktlinsen in der Eile vorhin verkehrtherum eingesetzt. Eine halbe Stunde hat der Einsatz gedauert. Und was habe ich gelernt?

  1. Neugier kann manchmal ganz schön anstrengend sein.
  2. Radfahren bei Gegenwind ist nichts für mich
    (gut, dass ich nicht an der Nordsee wohne)
  3. Ich wäre keine gute Detektivin oder Ermittlerin

Zukünftig können rund um den Hühnerstall so viele rote Lichter leuchten, wie sie wollen, interessiert mich nicht die Bohne. *pfff*

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Kategorien: Eierschachtel, Neues aus dem Hühnerstall | Hinterlasse einen Kommentar

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