Wie arm ist das denn?

Ich habe mit meiner Vorgesetzten gewettet. Und ich habe gewonnen. Dies schon mal vorab.
Sie hatte behauptet, dass einer unserer Kollegen – der Herrscher über die Farbkopierer und farbigen Massendrucksachen – ein von unserer Abteilung erstelltes Dokument, neu gestaltet hat.

Ich empfand dies als bescheuerte Unterstellung, denn wenn der besagte Kollege sich wirklich an das Layout eines für ihn völlig uninteressanten Dokuments gemacht haben sollte, dann hätte es danach bestimmt nicht so ausgesehen, als wäre hier eine Datei zerschossen worden. Es ist nicht so, dass ich für diesen Kollegen meine Hand ins Feuer legen würde, aber so blöde kann kein Mensch sein (naja, vielleicht schon, aber der hier nicht), dass er ein Dokument so gestaltet, dass die Hälfte der Überschrift fett, die andere normal gedruckt ist oder dass sich die Schriftarten innerhalb eines Fließtextes mehrfach ändern.

Nein, aber Frau Chefin bestand auf ihrer Meinung. „Um was sollen wir wetten?“, fragte sie und schob gleich nach, dass sie immer gewinnen würde, und dass z.B. der Herr Oberkaufmann deshalb schon gar nicht mehr mit ihr wetten wollte. Als würde mich das einschüchtern. Also antwortete ich: „Eine Packung Merci Petit Kaffee-Sahne.“ Sie schaute ratlos. „Kennen Sie die nicht? Also gut, dann eine Packung Ferrero Rocher!“

So jetzt schließt kurz die Augen und denkt an Rocher. Was seht ihr da? So jetzt die Augen wieder auf. Ich  kann euch sagen, was ich dann vor mir sehe: Ich sehe diese Plastikkiste, gefüllt mit 12 köstlichen Nuss-Nugat-Krokant-Kugeln, die immer so blöde zu öffnen ist, weil ich dieses beknackte Klebeband nicht richtig abgefummelt bekomme. Und daran dachte ich auch, als ich zum Wetten die Hand einschlug.

Woran dachte Frau Chefin? Erst mal an nix. Als sich herausstellte, dass ich die Wette gewonnen hatte – ich fragte meinen Kollegen einfach, warum das Dokument so blöde aussieht, was er gar nicht bemerkt hatte, weil er einfach nur seine Arbeit gemacht, nämlich das Dokument zigfach gedruckt hatte – behauptete Frau Chefin erst einmal, dass der Kollege sicher nicht zugeben wollte, dass er sich daran zu schaffen gemacht hatte. Wie arm ist das denn?

Aber gut, sie würde mir – Ehrensache – natürlich meinen Gewinn „zahlen“. Ich wartete und wartete und wartete. Eine Woche später meinte ich mitten im Gespräch: „Apropos Kugel…“ Als Antwort erhielt ich verlegendes Gelächter. Wie arm ist das denn, dass man sich von seiner Mitarbeiterin erinnern lassen muss die Wettschulden einzulösen? Sie wird ja wohl nicht vergessen haben, dass sie – schmach, oh, schmach – zum ersten Mal im Büro eine Wette verloren hatte?!

Montags komme ich in die Spätschicht, und was finde ich da? Eine Packung Ferrero Rocher. Ach, was rede ich? Ein Päckchen, war es! Sie hatte mir den Viererpack aus dem Quengelregal im Kassenbereich gekauft. WIE ARM IST DAS DENN?

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Kategorien: Huhn@work, Neues aus dem Hühnerstall | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Wie arm ist das denn?

  1. SDM

    Das zeugt von einer schlechten Verliererin und einem schwachen Charakter, aber das kennt man ja leider von vielen Chefs bzw. Chefinnen…

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