Digitale Müdigkeit

Es ist ja nicht nur so, dass ich mich über die neue Twitter-App ärgere, und mit dieser auch nichts mehr anfangen kann. Nein, irgendwie regt mich im Moment so ziemlich alles auf, was irgendwie mit digital zu tun hat. Und vielleicht fange ich an, mich diesbezüglich rückwärts zu entwickeln.

1. Apps
Einmal am Tag klingelt es und die Benachrichtigung „update für x und y und z“ verfügbar. Ständig verlangen die Apps auf Täbbi und Handy neue Updates. Ständig haben die Anbieter was zu verbessern. Manchmal sieht dann alles ganz anders aus. Macht man kein Update laufen die Anwendungen irgendwann nicht mehr. Macht man alle Updates, passiert das auch irgendwann. Wenn man Glück hat, sieht alles nur anders aus; wenn man Pech hat, hat die App eine ganz andere Funktion, als die ursprüngliche. Von dem Motto „Repariere nicht, was nicht kaputt ist“, hat noch keiner der Anbieter etwas gehört.
Es gab mal eine App mit der ich wahnsinnig happy war. Barcoo hieß sie und diente als Einkaufszettel. „Scan dich glücklich“ hieß damals der Werbespruch (lief sogar im Fernsehen). Man scannte sich das Produkt einfach auf seine Einkaufsliste und bekam obendrein noch Nährstoffangaben und Preisinfos dazu. Mittlerweile bekommt man nur noch alle möglichen Infos und, ich glaube, es ist mehr so eine Art Preisvergleich-Portal geworden. Ja, sicher für den ein anderen interessant; ich wollte aber eine Liste.
Jetzt habe ich eine andere – kommt ja, zum Glück, ständig was neues auf den Markt.

Never change a running system – heißt es ja im Englischen. Aber die Macher von Twitter haben sich nicht daran gehalten. Super toll, soll die neue App sein, aber dass sie mir nicht gefällt, habe ich ja schon gepostet. Es war die beste App. Vergleichbares habe ich bisher nicht gefunden. 😦

So ist das mit allen Apps. Du bist glücklich mit dem was du hast und dann musst du ein update machen, erst mal nur um bugfixes zu beheben, oder wie das heißt. Dann kommt hier eine Neuerung, dann dort. Ich date nur noch up, wenn mir das System keine andere Wahl lässt. Verbessert hat sich bisher nur die Kindle App. Aber da sind sich die Nutzer auch nicht alle einig.

Und über die Zugriffsrechte haben wir bisher noch gar nicht gesprochen. Was die alles auf deinem Tablet dürfen. Hin und wieder lese ich in den Bewertungen „zu viele Rechte. Mit mir nicht!“ Recht hat er, denke ich dann, finde aber leider auch keine vergleichbare App ohne Rechte. Am meisten graut es mir davor, dass meine Kontakte heimlich angeschrieben werden, ich hätte sie hier und dazu eingeladen…

2. Samsung – Android – Google
Ich weiß nicht, wer wirklich der Schuldige für das Update ist, deshalb habe ich alles drei genannt.
Ich habe ein Samsung Galaxy Tablet, welches mit Icecreamsandwich ausgeliefert wurde. Alles war gut. Irgendwann, ich glaube es war Ende November, kam ich nach Hause, schaute auf den Screen und das Gerät machte ein Update – ohne mich zu fragen. Es stand bereits auf 70 % und ich hätte „Abbrechen“ klicken können. Traute mich aber in diesem fortgeschrittenen Ladezustand nicht mehr. Also ließ ich es laufen. Nach einer Stunde hatte ich also JellyBean. Wow, cool, das neuste Android. Aber leider, leider finde ich nicht nur Verbesserungen. Es mag dem einen oder anderen lächerlich erscheinen, aber mir fehlt z.B. die Screenshotfunktion. Ja, kann ich noch machen, mit irgendwelchen Tastendrückereien, aber es ist doch sehr umständlich. Und ansonsten hat sich auch alles mögliche geändert. Selbst den gesperrten Bildschirm bekomme ich erst beim zweiten oder dritten Versuch aufgewischt.
Was mich dabei so ärgert, dass man keine Wahl hat. Samsung oder Google datet mein Gerät einfach up. ICH WILL DAS NICHT! ICH WILL GEFRAGT WERDEN! Ich habe mich eingerichtet bei Icecreamsandwich. Das ist genauso, als würde mir jemand mein Wohnzimmer neu einrichten und hätte die alten Möbel samt Inhalt weggeworfen. Warum bekomme ich keine Meldung? „Hör mal Frau Huhn, wir haben da was neues. Das würde hervorragend zu deinem Galaxy passen. Es hat folgende neue Funktionen, die du auf unserer Internetseite www…. kennenlernen kannst.  blablabla“ Sonst ploppt doch auch für jeden Krams eine Mitteilung auf.

Und es kommt noch dicker: Das neuere Android liefert noch mehr Apps, die nicht zu löschen sind. So habe ich nun Druckerapps von Samsung und HP. Blöde nur, dass wir einen Epson-Drucker haben. Toll auch die zahlreichen (und sinnlosen) Apps, die Samsung mitliefert, von denen keiner weiß, wozu sie eigentlich da sind. Samsung Link oder Samsung push service zum Beispiel.

Ach und Google. Was die alles geliefert haben. Da drehste durch – aber völlig. Und alle Apps wollen ständig updates.

Screenshot

Alles von Google Play (Books, Music, Kiosk, Games) lässt sich nicht deinstallieren. Und Google wird immer dreister. Ständig fragen sie nach  meiner Handynummer, die sie natüüüürlich nur zur Sicherung des Kontos wollen. Ja, ist klar. Und alles lässt sich miteinander verbinden. Bei google+ kann jeder meine Termine sehen oder ich schicke sie meinen Mail-Kontakten. Apropos Mail. Das Gmail-Team (wow!) hat mich angeschrieben, dass ich nun via Google+ die Mailanschriften von Bekannten herausbekommen kann (falls wir vergessen haben sollten, sie auszutauschen). ICH kann das Gmail-Team leider nicht anschreiben.

Eigentlich mochte ich Google chrome, Mail, Kalender und Drive bisher eigentlich ganz gern und Google now würde ich auch gerne ausprobieren. Und dann wieder auch nicht.
Mein Tablet war mal – im wahrsten Sinne des Wortes – mein Ein für Alles. Jetzt kommt es mir vor, als wäre es alles für Google, Facebook und Twitter und wahrscheinlich auch Amazon. Alles an Informationen raffen, was es nur geht.

 

 

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5 Gedanken zu „Digitale Müdigkeit

  1. Das geht mir auch so! Ich habe auch das Samsung Tablet und ich finde es eigentlich eine unverschämtheit das man gewisse Apps nicht löschen kann. L.G. Anja

  2. housita

    Oh, du sprichst mir aus der Seele. Und dann sind da ja noch der Receiver, die Fritzbox, die Steuerung der Heizung und, und, und
    Alle wollen meine Aufmerksamkeit, alle haben immer dann ’ne Macke, wenn ich es gerade so gaaaar nicht brauchen kann.
    Ich trau mich nicht, in der Fastenzeit ein „40 Tage ohne“-Experiment zu machen, aber im nächsten Urlaub bleiben Tablet und Smartphone definitiv daheim.

    • Wow, 40 Tage? das ist krass.
      Wie lange fährst du denn in Urlaub?
      (Wenn du wieder da bist, musst du auf jeden Fall berichten)

      • housita

        17 Tage lang machen wir eine Namibia-Rundreise, leider erst Mitte September, aber ich denke, dass eine Technik-Auszeit zu diesem Urlaub gut passen wird.
        Eigentlich bin ich ein Technik-Fan, stürze mich auf jede Neuheit und knacke jede Gebrauchsanleitung, aber du hast genau auf den Punkt gebracht, was auch mir mehr und mehr zu schaffen macht und mir letztlich die kindliche Freude an der digitalen Welt nimmt.

  3. und gleich der nächste Aufreger: ich logge mich gerade bei Facebook ein und was kommt neben für eine Anzeige? > Biotherm für 43 Euro bei Douglas.de <
    Heute Morgen war ich bei Douglas, um nach einer Biotherm Creme zu schauen… Die Seite ist schon lange nicht mehr aufgerufen. ALSO WAS SOLL DAS????

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