Wir schenken uns nichts

Irgendwann rund um den ersten Advent habe ich den Hahn die Gretchenfragen gestellt. „Schahatz, schenken wir uns eigentlich was zu Weihnachten?“, fragte ich, und versuchte dabei bewusst unbekümmert zu klingen. Ich wollte ihn nicht in irgendeine Richtung drängen; ich wollte, dass er frei entscheidet. Mir ist klar, dass dies eine ganz schwierige Frage für Männer ist…
Im Gegensatz zu letztem Jahr, bin ich mir dieses Jahr außerdem nicht wirklich sicher, ob ich wirklich nichts zu Weihnachten möchte. Auf der anderen Seite habe ich keine konkreten Wünsche, sondern eher schwammige Vorstellungen darüber, was ich mir wünsche und auch hier leuchtet mir ein, dass dies für Männer eine ganz schwierige Situation darstellt. Dazu kommt, dass ich nicht wirklich eine Ahnung habe, was ich IHM schenken soll.

Der Hahn überlegt lange an seiner Antwort, bis er schließlich sagt: „Och, nee, oder?“ – Ah, kurze Unsicherheit, auch bei ihm – „Haben wir ja letztes Jahr auch nicht gemacht, wir haben ja auch alles.“

Ich verspüre einen klitzekleinen Stich, aber nur ganz kurz. „Typisch!“ werden jetzt die  männlichen Leser sagen und mit den Augen rollen, und „Weiber!“ schnauben.
So ähnlich hat auch mein Kollege im Büro reagiert, als ich laut darüber nachdachte, ob ich dem Hahn nicht das neue Asterix-Heft kaufen sollte, weil er früher alles davon gelesen hat. Ich finde, das ist eine gute Idee, wollte aber irgendwie noch eine männliche Meinung dazu hören.  Ich hob an: „Herr Hahn und ich schenken uns nichts zu Weihnachten, aber ich überlege, ob…“ Weiter kam ich nicht, denn mein Kollege unterbrach mich und polterte los: „DAS geht ja mal gar nicht. Sie sind wie meine Frau. Erst sagen, dass man sich nichts schenkt und dann doch etwas unter den Weihnachtsbaum legen. Damit werden wir Männer immer in eine beknackte Situation gebracht. Wie sieht das denn aus? Wir haben dann nix. Mir ist das dann immer total unangenehm!“  Mein Kollege lamentiert ewig so weiter, und mir bleibt der Mund vor Erstaunen offen stehen. Er hat außerdem noch das Problem, dass seine Schwiegermutter stichelt, dass das mit dem Schenken doch einfach dazu gehört, an Weihnachten.

Nach dem „Vortrag“ von meinem Kollegen, beschließe ich also, das Asterix-Heft nicht zu kaufen, und erzähle ihm nicht, dass ich eigentlich sogar schon ein klitzekleine Kleinigkeit seit Ende November in meinem Arbeitszimmer versteckt habe.

Ich schwöre, es ist wirklich nur eine Kleinigkeit und nichts Besonderes. So ein typisches, klassisches Weihnachtsgeschenk. Es war in einer Geschenkpackung und dann noch vom Geschäft ganz wunderschön in weihnachtliches Papier eingepackt, und es war ein Schnäppchen, und super praktisch. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. Außerdem hatten wir da ja noch nicht beschlossen, uns nichts zu schenken. Nun bin ich am überlegen: Ich könnte es ohne Papier zum Geburtstag schenken oder ich verkaufe es an K1, K2 oder an meine Schwiegermutter.

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Kategorien: Ein Paar Problemchen | Schlagwörter: , , , , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Wir schenken uns nichts

  1. mitlucyumdenblog

    Dieses NICHTS schenken ist manchmal verzwickter als etwas zu schenken … Wir haben uns auf Kleinigkeiten geeinigt. Oder eine größere gemeinsame Anschaffung, je nachdem. Schade, dass ich den Tipp mit dem Asterix-Heft zu spät gelesen habe 😦 Und der Geburtstag war auch gerade erst … Vielleicht Ostern? Aber da wiederum schenken wir uns wirklich NICHTS. Aber Valentinstag? Da denkt ER bestimmt nicht dran … Hach, wie kompliziert! Einen guten Rutsch wünschen Sylvie mit Lucy

  2. Nicole

    Ich muss da dem Kollegen Recht geben – nichts schenken heisst NICHTS schenken, An die Absprache sollte man sich halten, für die andere Seite ist das sonst echt peinlich. Ich kenne das, meist war ich die Seite die wirklich nichts hatte (bei der Absprache mit den Eltern) – obwohl ne Woche vorher nochmal gefragt „wir schenken uns wirklich nichts ? oder mutter?“ neeeeeein argh ….. also dann Frohes Fest 😁

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