Der Tatsachenverdreher

Ich schwöre, ich wollte nichts mehr  dazu schreiben, zumal wir uns, laut einer Studie die Leiden sowieso nur einbilden würden. Aber wenn man morgens um 5 statt um 6 Uhr aufwacht, wenn man abends um 9 Uhr kein Auge mehr offen halten kann und sofort einschläft, sobald man im Bett liegt, dann bildet man sich das A) doch nicht ein und macht sich B) so seine Gedanken (zumindest morgens um 5 Uhr). Die Rede ist von der Zeitumstellung!

Ich bin aber auch aus einem anderen Grund noch einmal darauf gekommen. Auf einer Sitzung meinte der Chef von meinem Zweitjob im Hauptjob (von mir gerne auch als Abstellgleisjob bezeichnet), dass sich das Europäische Parlament nun mit dieser Zeitumstellung beschäftigen will, und darüber beraten wird, dass ab 2015 Schluss sein  könnte mit diesem Quatsch. Woraufhin ein anderer Teilnehmer der kleinen Sitzungsrunde meinte:  „78 Prozent der Deutschen sind gegen die Zeitumstellung!“

„Da bin ich definitiv dabei!“, murmelte ich, mehr für mich selbst, aber offensichtlich nicht murmelnd genug, denn alle starrten mich an. „Ist doch furchtbar, vor allem, wenn es morgens so dunkel ist, im Frühjahr.“
„Welche Zeit wollen Sie denn?“, wurde ich entsetzt gefragt.
„Die Winterzeit!“ Zugegeben, das Wort „Winter“ suggeriert ja, bei diesem Thema, nicht unbedingt angenehmes, und ich hatte keine Lust, es weiter auszuführen.
Ich hätte „normale Zeit“ sagen sollen, denn die Winterzeit ist ja unsere Zeit, die die sich irgendwann jemand mal für unsere Breiten- oder Längengrade ausgedacht und festgelegt hat.

In Paris – ca. 5 Stunden westliche Luftlinie von Frankfurt entfernt – wurde es später hell und später dunkel. Das ist natürlich völlig logisch – aber ich hatte mir noch nie Gedanken darüber gemacht, dass es von links nach rechts unterschiedlich lang Tag und Nacht wird. Das nur so Nebenbei.

„Da werden Sie aber alle Golfspieler gegen sich haben!“, meldete sich nun ein weiterer Teilnehmer.  „Wieso? Die sind bei entsprechender Helligkeit schon morgens um 7 Uhr auf dem Platz…“ warf ich ein. Golfspieler! Da wisst ihr gleich, mit welchen Leuten ich um einen Tisch saß.

Der Chef der Runde schwärmte derweil, dass er  es ja genießen würde, nach der Arbeit noch im Garten zu sitzen und ein Glas Wein zu genießen.

Also ganz ehrlich? Ich gönne jedem sein Glas Wein im Garten oder auf dem Balkon. Mir ist es auch egal, ob jemand Golf spielen geht, oder ein anderes Hobby in der freien Natur genießt. Soll jeder machen, wie er will. Und natürlich kann auch jeder seine eigene Meinung zur Zeitumstellung haben. Was ich aber überhaupt nicht leiden kann, wenn jemand die Tatsachen verdreht. Und das kann der letztgenannte Herr hervorragend.
Fakt ist nämlich, dass er jeden Montag am Frankfurter Flughafen gegen den Flughafen demonstriert, weil er – seit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn – von landenden Flugzeugen tyrannisiert wird. Die Räder sind schon ausgefahren; man kann Blickkontakt mit den Piloten aufnehmen. Aber er sitzt im Garten – na klar!
Fakt ist außerdem, dass er jeden Termin annimmt, zu dem er in seiner Funktion als Leiter dieser Runde annimmt, der sich ihm bietet. Und dass sind richtig viele Termine (was ich so genau weiß, weil ich ihn dazu anmelde). Er arbeitet außerdem bei einer Bürgerinitiative gegen den Flughafen mit und hat noch zwei andere ehrenamtliche Jobs, die ihm ebenfalls Abendtermine einbringen.

Was also soll diese Heuchelei?

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Kategorien: Huhn@work | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Der Tatsachenverdreher

  1. Claudia

    Dieses absolut bescheuerte Argument das man abends noch gerne lange draußen bleiben möchte ist sooooo…bescheuert, sorry. Es bleibt so oder so abends lange hell im Sommer, dazu braucht es keine Zeitumstellung.
    Es kann mir auch keiner erzählen das er reingeht, wenns dunkel wird, wenn er sich gerne noch weiter mit seinen Gästen unterhalten würde etc.
    Wir leben nicht mehr im Mittelalter und wir haben überall Strom und die eine Stunde mehr Licht im Garten am Abend, die reißt die Stromrechnung ja nun auch nicht in ungeahnte Höhen, zumal die meisten ja dann eher nur ne Lichterkette anmachen und nicht die hauseigene Flutlichanlage.
    Du siehst ich bin voll auf deiner Seite 🙂

    • Sehr schön argumentiert. Ich habe mich köstlich amüsiert ♡ Der mit der Flutlichtanlage war gut. 😀

  2. Nach dem sinnlosen Argumenteaustausch an diesem Abend, hatte ich völlig vergessen den Tatsachenverdreher nach der Quelle seiner Meldung zu fragen, was ich aber unbedingt noch nachholen muss, denn mit Google habe ich derzeit noch nichts dergleichen gelesen. 😦

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