Mit Katze unterwegs

Also ich bin bereit, von mir aus können wir los

Also ich bin bereit, von mir aus können wir los

Niemals nie würde ich meine allerliebste Katze alleine zu Hause zurücklassen, wenn ich in Urlaub fahre. Nachdem ich gestern von Claudia in einem Kommi dazu befragt wurde, fühle ich mich bemüßigt, dass in einem Post noch einmal aufzuführen.

Meine Katze ist nun ja bereits 19 Jahre alt. Sie kam 1994 zu mir. Es ist eine sogenannte „Heilige Birma“, die seinerzeit in Dänemark wesentlich billiger und wesentlich hübscher zu haben waren als in Deutschland. Deutsche Züchter haben aus den Birmchen irgendwie versucht zarte,  grazile Wesen mit dünnen Fell zu züchten, was mir überhaupt nicht gefallen hat. Ich wollte die properen, leicht stämmigen Kuscheltiere – und die gab es in Dänemark. Und so kam es, das ich 1993 am Bahnhof von Würzburg stand und dort auf einen Zug aus Dänemark wartete, um einen seal-point Birma-Kater in Empfang zu nehmen.

Ein knappes halbes Jahr später setzte ich mich wieder in mein klappriges Auto und fuhr nach Göttingen, um dort Katze abzuholen, damit der Kater nicht mehr alleine ist (sehr gute Entscheidung). Katze war an diesem Tag von Dänemark nach Göttingen gekommen und ich saß dann erneut knapp 3 Stunden mit ihr im Auto. Sie schrie die ganze Zeit und brachte mich damit zur echten Verzweiflung. Draußen war es dunkel, es schneite leicht und ich kämpfte mich nachtblind und übermüdet durch die Kasseler Berge…

Ich war Single, Vollzeitarbeitnehmerin und meine Katzen waren mein ein und alles (typische Katzenfrau), und ich wollte in Urlaub fahren. Mein erster Urlaub als Arbeitnehmerin. Und auch, wenn ich damals sogar jemanden gehabt hätte, der meine Katzen versorgen konnte, wollte ich mich absolut nicht von ihnen trennen.  Und so kam es, dass meine Katzen immer dabei waren. Katzenklo und Transportbox kamen auf die Rückbank und ich spannte ein Netz im Auto. So konnten es sich die Tiere während der Fahrt auf der hinteren Sitzreihe gemütlich machen.  Witzig! Bis der Kater während der Fahrt plötzlich auf der Hutablage saß und Katze sich durchs Netz zwängte und plötzlich links neben mir auftauchte… 😀

Im Januar 2006 starb der Kater und Katze war allein. Nun kam es für mich erst recht nicht mehr in Frage, Katze alleine zuhause zu lassen. Und in eine Tierpension sollte sie auch nicht. Niemals, so bin ich überzeugt, würde sie kapieren, warum sie woanders hin muss, ohne die ihr bekannten Zweibeiner. Sie würde sich sicher wie weggeben vorkommen. Also würde noch die Betreuung in der gewohnten Umgebung bleiben. Doch wie soll sie damit umgehen, drei Wochen alleine zu bleiben und täglich nur eine Stunde Besuch von einem fremden Zweibeiner zu bekommen?

Bevor wir in Urlaub fahren, wird sie immer genau untersucht und jedes Mal denke ich, was mute ich dem Tier zu? Aber die Tierärztin hat jüngst wieder gemeint, Katze wäre topfit. Also packten wir unsere Sachen. Am Abfahrtstag lief Katze ständig um uns herum, als wollte sie sagen: „Ihr fahrt aber nicht ohne mich?“

Sitzt bzw. liegt sie erst einmal in ihrem Körbchen schreit sie solange, bis wir auf der Autobahn sind. Dann legt sich ein Schalter um (aha, wir fahren wohl nicht zum Tierarzt – zum Glück), sie rollt sich ein und entspannt. Kaum halten wir an einer Raststätte, macht sie sich wieder bemerkbar. Manchmal klingt es komisch. Dann packe ich das Katzenklo aus der Tüte, stelle es wieder in der Kofferraum, lasse Katze aus der Transportbox, schiebe sie Richtung Klo, sie schnuppert kurz, und pinkelt. Dabei genießt sie die Aussicht aus der Heckklappe. Nach dem Geschäftchen vertritt sie sich ein bisschen die Beine und klettert im Auto rum, solange ich sie lasse. Zwischendurch halte ich ihr ein bisschen Wasser hin, was sie verschmäht, und mich jedes Mal veranlasst ihre Nase zu beträufeln, von wo sie die Tropfen ableckt. Für alle Fälle habe ich ein Handtuch bereit liegen (wenn sie gekühlt werden müsste – nass machen und einwickeln) und eine Spritze (wenn ich sie zwingen müsste, etwas zu trinken).

In 19 Jahren hat sie einmal in ihre Box gepinkelt (war mein Fehler, ich hatte sie an der Raststätte nicht rausgelassen und kaum waren wir wieder losgefahren…). Sie war bereits auf Rügen, an der belgischen und an der deutschen Nordseeküste, in der Bretagne, in Dänemark (ihr hättet mal die Züchterin erleben sollen, sie war außer sich vor Freude), in diversen CenterParcs, am Comer See, an der Riviera und jetzt zwei Mal an der Adria. Und obwohl wir noch nie im Urlaub einen Tierarzt aufsuchen mussten (toi, toi, toi) und Katze auch dieses Mal alles unbeschadet überstanden hat, bin ich für sie froh, wieder zuhause zu sein – ihr wisst, wenn es um mich ginge, würde ich gerne immer noch bleiben. Aber ich freue mich, wenn ich sie wieder in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrem Zuhause gesund und munter absetzen kann.

JFrüher war ich überzeugt, dass Katze lieber 1000 Kilometer im Auto fährt, als ohne mich zurückzubleiben. Dann änderte sich meine Meinung (bedingt durch den Familienzuwachs) in: Lieber 1000 Kilometer im Auto als ganz alleine zuhause zu bleiben. Und jetzt? Vielleicht fährt sie ja nur mit, um mir einen Gefallen zu tun? Je älter sie wird, desto zerrissener werde ich. Kann ich sie wirklich noch mitnehmen? Macht es ihr wirklich nichts aus? Auch zuhause will sie immer wieder mal für sich sein. Jetzt gerade liegt sie im Wohnzimmer in einer ihrer Höhlen. Das hätte es bis vor – ja, keine Ahnung, wann genau es sich geändert hat – nicht gegeben. Katze wollte immer in dem Zimmer sein, in dem ich auch war, was auch der Grund ist, warum es außer im Flur, in den Kinderzimmern und in der Küche, in jedem Raum hier irgendein Katzenmöbelstück gibt, falls es auf meinem Schoß zu ungemütlich wurde.

 

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Kategorien: wie Huhn und Katz' | Schlagwörter: , | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Mit Katze unterwegs

  1. Danke auch von mir für diesen ausführlichen Beitrag.
    Obwohl ich keine Katzenfrau bin – aber eine Hundefrau – kann ich das sehr gut nachvollziehen.
    Meine Hunde – ich hatte bisher 3 Begleiter nacheinander – wurden und werden auch immer mit in den Urlaub genommen (was auch dadurch erleichtert wird, dass ich nicht fliege).

    Und ich behaupte jetzt einfach mal für meinen Hund: der will ganz bestimmt nicht, dass ich ohne ihn wegfahre.
    Ich kann ihn sogar mit zur Arbeit nehmen. Und dann könnte er erst recht nicht verstehen, warum ich ihn wochenlang „verlasse“.
    Ohne ihn wäre mein Urlaub kein Urlaub.

  2. Claudia

    Danke für den ausführlichen Post. ich kann dich so gut verstehen, ich bin ja auch ne Katzenfrau. 🙂 Du schreibst toll über deine Katze und man merkt, wie sehr sie dir am Herzen liegt.
    Ich hatte meine Susi allerdings nie mit, denn ich fahre ja nur mal so drei Tage am Stück weg, das schaffte sie auch ohne mich. Und als Mein Mann in mein Leben trat, fand sie den eh viel toller als mich (undankbares kleines Fellding *gg*).
    Leider ist sie kurz nach der Geburt unseres zweiten Sohnes gestorben, da war sie 17.
    Jetzt haben wir zwei total lustige Kater aus dem Tierheim und ich glaube, wenn wir dann wirklich mal unseren Plan wahr machen und eine ganze Woche in ein Ferienhaus fahren, dann nehmen wir die auch mit. „Kuhkatze“ (ja der heißt wirklich so) überlebt doch niemals eine ganze Woche ohne mich. 😉

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