Sprachliche Herausforderungen

Mein letzter Italienischkurs, der mit Beginn der Ferien seinen Abschluss fand, war so was von für die Füße. Irgendwann in der vorletzten Stunde ist mir das richtig bewusst geworden. Der Lehrer hat selten italienisch gesprochen und sich damit herausgeredet, dass wir sonst die Grammatik nicht verstünden. Ging es mal nicht um Grammatik, ließ er sich von einem der Teilnehmer immer wieder ins Deutsche zurückholen, weil dieser ständig, „was heißt… , was heißt…?“ fragte. So nervig. Diese Typen, die immer wahrheitsgemäß aus ihrem Leben berichten wollen, statt sich an die verfügbaren Vokabeln zu halten, gibt es wohl in jedem Kurs, den ich besuche. Aber ich mache das nicht mehr, ich werde keinen VHS-Kurs mehr besuchen (außer er wird von meiner ersten und einzig gescheiten Lehrerin Francesca geleitet), ich sollte es jetzt kapiert haben, dass es nichts bringt. Das Gemeine ist ja, dass die VHS ihren potentiellen Kunden keine Schnupperstunden mehr erlaubt (naja, wahrscheinlich würden sie dann zu wenig Geld einnehmen).

Ich muss aber auch zugeben, dass ich sehr wenig mitgearbeitet habe. So habe ich meine Hausaufgaben immer erst auf den letzten Drücker erledigt und kaum Vokabeln gelernt, und dass hat mir regelmäßig Schelte von  meinen Mädels eingebracht, besonders wenn mich einer von ihnen abgehört hat. „Mama, du musst Vokabeln lernen. Das geht so nicht weiter!“

Noch nie war ich so schlecht auf meinen Urlaub vorbereitet, wie dieses Jahr, und dabei sollte man doch meinen, dass ich mit der Zeit immer besser werde. Nichts wissen, macht unsicher.

Nach einer Woche Italien ist die Unsicherheit verschwunden; ich habe in diesen 7 Tagen mehr gelernt, als in einem Vierteljahr  VHS-Kurs. Ich wurde auch schon regelrecht gefordert, denn auch wenn hier viel auf Deutsch beschildert ist, heißt es nicht, dass hier in jedem Geschäft oder Lokal auch Südtiroler arbeiten.

Richtig krass wurde es beim Shopping. Ich hatte meinen Mädels je einen neuen Bikini versprochen. Die Auswahl hier ist enorm. Aber vermittelt mal den ganz speziellen Geschmack eines Teenies bzw. zweier Teenies. Irgendwann hatte mir dann die Chefin der Bademodenboutique die Bilder ihrer 14-jährigen Enkelin gezeigt – vielleicht aus Solidarität?

Technisch wurde es bei zwei Gesprächen mit dem Hausmeister der Anlage. Einmal musste ich ihn wegen einer kaputten Türklinke herbeirufen, dann schien der Durchlauferhitzer defekt.

Schön waren die Gespräche an der Bäckerei-Theke, als ich Laugenbrezeln entdeckte, beim Fahrradverleih, bei dem ich vorab per Mail reserviert hatte, und beim Mittagessen in einem Lokal in Caorle, als ich endlich mal gelobt wurde.

Mir fehlen natürlich immer noch die Vokabeln, aber dazu habe ich eine App, die zum Glück auch offline funktioniert. Ich hoffe, dass ich mir die einmal nachgeschlagenen Wörter länger merke (von Durchlauferhitzer einmal abgesehen). Aber ich fürchte ganz ohne klassisches „Vokabeln lernen“ wird mir das nicht gelingen.

Am Strand war ein kleiner Junge, dem ließ sich hervorragend zuhören. Er hat so schön langsam gesprochen und so betont. Überhaupt verstehe ich die Kinder am besten. Als ich abends auf der Terrasse meinen Wein schlurfte, dachte ich erst, ich hätte mich verhört. Aber aus dem Nachbarhaus tönte der Singsang des dort wohnenden Dreikäsehoch.
„Ho fatto una cacca! Aiuto, aiuto!“ Ich habe mich kaputtgelacht. DAS sind die Vokabeln, die man wirklich braucht.

 

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Kategorien: Italien | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Sprachliche Herausforderungen

  1. Geelinde

    Ich sag ja: FAST 😀

  2. Geelinde

    Ich glaube, das verstehe ich auch ohne Italienischkenntnisse… 😀 (In unserer ersten gemeinsamen Wohnung hatten wir Nachbarn mit Kindern. Der Ruf „FÄÄÄÄRTIG! AAABWISCHÄÄÄN!“ hätte mir fast jeden Kinderwunsch ausgetrieben…)

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