Das wusste ich schon lange

Ich finde das immer klasse, wenn sich meine Theorien durch so genannte Fachleute bewahrheiten. Ich wundere mich aber immer, wie lange diese Fachleute brauchen, um ebenfalls zur Erkenntnis zu kommen.

Bei meiner aktuellen Erkenntnis geht es um die Chancengleichheit bzw. Ungleichheit an deutschen Schulen. „Kinder aus sozial benachteiligten Elternhäusern haben es schwerer in der Schule als ihre Mitschüler aus bildungsnahen Schichten“, las ich am Donnerstag in der Frankfurter Rundschau (leider stand der Text nicht online zur Verfügung, so dass ich nicht verlinken kann).

Artikel in der FR

Das ist ja wirklich eine bahnbrechende Erkenntnis – Achtung, Ironie! – dachte ich bei mir und widerstand dem Bedürfnis „bildungsnah“ zu googeln, weil ich zwar eine Ahnung habe, was es bedeutet, ich aber alles ganz genau wissen will  (mach ich aber noch, wenn ich fertig geschrieben habe 😉 ).

Was die Fachleute herausgefunden haben, ist uns „bildungsnahen“ Eltern doch längst aufgefallen, oder? Gerade Anfang des Monats habe ich darüber nachgedacht, als ich den Vertrag eines privaten Bildungsinstitutes unterschrieben habe.

Die Schule hat bei K2 LRS „diagnostiziert“, wobei die Betonung wohl auf dem R (Rechtschreibung) liegt und mir nahegelegt, dass K2 auch außerhalb der Schule entsprechend gefördert/unterstützt/therapiert werden müsse. Nun bezahle ich für ein Jahr über 2.000 – in Worten: zweitausend – Euro, um die Schwäche zu beheben.  In Hessen gibt es keinerlei Unterstützung von irgendwelchen Ämtern und LRS ist auch keine Krankheit. Also müssen die Eltern zahlen.

Dem nicht genug, habe ich K1 in der Schülerhilfe angemeldet, nachdem der Mathelehrer mir mitgeteilt hat, dass es ihm zwar leid täte, dass G8 es aber erfordert, durch den Stoff zu rasen. Und mein Kind ist wahrlich nicht das Einzige, welches mit privater Nachhilfe (wobei ich es eher als Privatunterricht bezeichnen würde) zum Abitur gebracht werden soll. Dazu kommt Nachhilfe in Chemie bei einer guten Bekannten, die dazu geführt hat, dass K1 sich von 5 (mangelhaft) auf 1- verbessert hat. (Ist das zu glauben? Zeigt es doch, dass bei meinem Kind offensichtlich eine gewisse Intelligenz vorhanden ist, und vielleicht doch das Schulsystem irgendwie verkorkst ist – aber das nur so nebenbei – schließlich ist auch das für Eltern keine neue Erkenntnis).

Doch wie sollen das Alleinerziehende oder Hartz-4-Empfänger bezahlen? Ich werde es auch nicht aus der Portokasse begleichen, aber es ist machbar – aber hier bleiben die sozial schwachen doch eindeutig auf der Strecke.

Natürlich geht es nicht nur ums Geld. Kinder von verwahrlosten, bildungsfernen, uninteressierten Eltern bleiben natürlich auch auf der Strecke. Was im Falle eines Schulkindes für Termine notwendig sind, kann schon als stressig bezeichnet werden, vor allem, wenn man mehr als ein Kind hat und berufstätig ist.

Im Nachhinein wundere ich mich, 1.) warum es die Elternzeit nicht auch für die Schulzeit der lieben Kleinen gibt und 2.) wie ich es eigentlich durch die Schulzeit geschafft habe. Meine Muter war einmal im Jahr in der Schule und hat mich angeschnauzt, wenn ein blauer Brief nach Hause kam – das war es dann auch mit ihrem persönlichen Engagement (zumindest bei mir, ihrer Erstgeborenen).

Lange Rede, kurzer Sinn: Ist ja schön, dass das was ich (und ihr wahrscheinlich auch) schon wusste, nun höchstwissenschaftlich bestätigt wurde. :mrgreen:
Interessant wird es nun zuzusehen, wie lange es dauert, bis Konsequenzen auf diese Erkenntnis folgen werden.

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Kategorien: Kükenkram | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Das wusste ich schon lange

  1. Leider nur zu wahr.

  2. Mein Thema Frau Huhn !!!!

    Wie Du weist, hat K1 hier auch LRS und frisch diagnostiziert K2 Dyskalkulie (natürlich mit ADHS, wäre ja sonst langweilig).

    Meine Odyssee mit dem Jugendamt kennst Du ja. Da ich aber jetzt weiß, wen ich anrufen muss, damit alles schneller und viel wichtiger überhaupt klappt, wird es mit der Dyskalkulie-Förderung für K3 noch vor (!!!!) den Sommerferien 2013 klappen. YES !!!

    Aber was macht denn eine Mutter bzw. ein Vater, die nicht genug verdienen ? Hier in NRW springt das Jugendamt ein (wenn gewissen Voraussetzungen gegeben sind). Das BuT gibt es ja nur für Familien, die entweder Hartz 4 oder unterstützendes Kindergeld oder Wohngeld bekommen. Wenn man 1 Euro zuviel verdient, dann gibt es nichts.

    Eigentlich sollten ja die Schule fördern, meistens hapert es aber an den zusätzlichen Lehrkräften.

    Ah, ich glaube, ich muss auch mal wieder ein Posting zu dem Thema schreiben…

  3. MarcelW

    Aber für ALG2 Bezieher gibt es doch dieses wunderbare Bildungspaket! Da braucht man nur einen umfangreichen Antrag ausfüllen und schon zahlt das Amt Nachhilfe, Sportverein u. ä.

  4. Lowrids

    Auf Deutsch heißt das: Schule ganz umkrempeln und alles in die Schule verlagern, was die „bildungsnahen“ Eltern jetzt leisten müssen, damit ihre Kinder mit den Forderungen unseres Schulsystems mitkommen. Anders ist Chancengleichheit nicht denkbar.

    Also viel mehr Lehrer einstellen, Lehrmethoden umstellen, übrigens auch den Stoffplan von G 8 kürzen oder zurück zu G 9 kommen, vor allem viel mehr Geld in die Hand nehmen und der Bildung nicht nur in Absichtserklärungen Priorität geben.
    Wer traut unseren Politikern unter den gegebenen Voraussetzungen einen solchen Kraftakt zu?

    • Ich bin auch für zurück für G9 – was in Hessen jetzt ja auch möglich ist. Die Verantwortung wurde auf die Schulen übertragen; ganz toll gelöst von der Landesregierung (Achtung, Ironie!) NIE MEHR würde ich meinen Kindern G8 zumuten. Ich könnte mich kaputt ärgern und versuche so wenig wie möglich darüber nachzudenken, um nicht permanent auszurasten. Wenn es in G8 wenigstens Unterricht geben würden, aber nein, es fällt ja ständig aus.

  5. Claudia

    Ich glaube ja nicht das es da Konsequenzen geben wird, da die bildungsnahe Führungselite gar kein Interesse daran hat das Hartz-4-Empfänger irgendwann mal „Oben“ mitmischen.
    Man ist halt lieber unter sich. Das habe ich schon zu meiner Schulzeit gemerkt, da war ich als eines der wenigen nicht-Arztkinder (Arzt kann in diesem Zusammenhang auch gern mit Unternehmer, Anwalt oder Beamter ersetzt werden) schon ein echter Exot und wurde zum Teil auch entsprechend behandelt, soll heißen wie das arme Sozialprojekt, das ich nunmal war.
    Und war es nicht auch mal hier Thema, das die Hausaufgaben und Projekte, die in der Schule so aufgegeben werden, nur mit Hilfe der Eltern geschafft werden können und das das von den Lehrern auch so gewollte bzw. zumindest bewußt in Kauf genommen wird?
    Da hat dann die bildungsferne, alleinerziehende Billiglohnjobmutter auch keine großen Möglichkeiten.

    • Stimmt, liebe Claudia, das mit den Hausaufgaben war hier (auch schon) Thema. Und auch am Wochenende habe ich wieder fleißig Hausaufgaben gemacht – und wieder habe ich mich geärgert, weil ich es einfach nicht als meine Aufgabe/meinen Job sehe. Aber anders bleiben die Kinder ja auf der Strecke. Den Sonntagvormittag habe ich dazu genutzt K2 die Verwendung und die Bildung von „have to…“ zu erklären, weil die Lehrerin letzte Woche krank war, es aber wohl in der Arbeit am Donnerstag dran kommt und bis dahin – wenn die gute Frau wieder gesund ist – auch nur noch eine Doppelstunde am Dienstag auf dem Stundenplan steht. Da kann es nicht schaden, wenn meine Kleine schon einmal etwas davon gehört hat… *seufz*

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