Das ist echt schon kriminell

Dass man ständig auf der Hut sein muss, dass einem irgendwelche Leute bzw. Unternehmen ständig versuchen zu verarschen, wusste ich ja schon, aber was „meine“ Banken da gerade treiben, das schlägt dem Fass den Boden aus. Dabei fing alles so märchenhaft an…

Vor Jahren standen zwei junge Frauen vor dem Kindergarten von K1 und hielten riesengroße Schecks hoch. Nachdem ich K1 abgeliefert hatte und mich wieder auf den Weg nach Hause machen wollte, sprachen mich die Damen, die sich als Mitarbeiterinnen der Volksbank vorstellten an, ob ich denn wüsste, dass ich Geld verschenke. Komischerweise – ich bin das von mir gar nicht so gewöhnt – hörte ich den Damen zu. Eine Woche später hatte ich bei der Volksbank einen Riestervertrag unterschrieben und kassierte drei Jahre lang vom Staat den Höchstbetrag an Bezuschussung plus extra Kohle für meine Kinder, für einen minimalen Beitrag meinerseits. Also ganz ehrlich, ich finde das genial!

Jetzt hat sich das ganze natürlich etwas gewandelt, nun bekomme ich den Höchstbeitrag nur noch, wenn ich auch den maximalen Beitrag leiste, der ständig an mein Einkommen angepasst werden muss (das ist schon nerviger; trotzdem will ich auf das geschenkte Geld nicht verzichten.).

Letztes Jahr lud mich die neue Beraterin meiner Haus- und Hofbank zu einem persönlichen Kennenlerngespräch ein und bat mich doch einmal  meine Unterlagen zur Riesterrente mitzubringen. Normalerweise mag ich so etwas ja nicht, dieses am Kunden herumgezoppel mit Begründungen, dass die Konditionen bei dieser Bank doch viel besser seien, weil… blablabla.
Kein normaler Mensch blickt da mehr durch. Ich überreichte meiner Kundenberaterin Frau B. trotzdem meinen Ordner – sie durfte sich daraus kopieren, was sie wollte – und ich hatte erst einmal meine Ruhe. Kurz vor Weihnachten fand ich mich wieder bei ihr ein. Sie hatte wirklich (!) überzeugende Argumente dafür, meinen Riestervertrag bei der Volksbank zu kündigen und zu einem anderen Anbieter zu wechseln.

Ich habe noch am selben Tag den neuen Vertrag unterschrieben. Frau B. meinte noch, dass ich  mich darauf einstellen solle, dass mich die Volksbank bald kontaktieren würde, weil die natürlich ihre Kunden halten wollten. Ich nahm die markierten Unterlagen von Frau B. mit und freute mich auf den Kontakt mit der Volksbank.

Letzte Woche war es soweit. In der Anrufliste, sah ich die Nummer. Morgens um 10 Uhr hatte man mich versucht zu erreichen. Ganz schlecht! Müsste man doch eigentlich im Computer sehen, dass ich den Höchstbeitrag leiste, den ich mir nur leisten kann, weil ich arbeite. Irgendwann  kam dann aber doch der zuständige Mitarbeiter auf die Idee nachmittags anzurufen. Er erwischte mich zwischen Tür und Angel, aber natürlich nicht unvorbereitet.

Ich sag‘ mal so: Ich bin freundlich geblieben, aber Herr Volksbank kam kaum zu Wort. Er versuchte mich zu einem persönlichen Gespräch in die Filiale zu locken, was ich als ablehnte. „DAS ist meine Zeit!“, blaffte ich ihn an. Und dass die Volksbank froh sein könne, dass ich im Moment nicht die Nerven hätte, mich intensiver um alles zu kümmern, sonst könnten sich alle warm anziehen. Die Kunden so zu verarschen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, wo es nur ginge, wäre ja wohl das allerletzte.

Aber ich gab dem jungen Mann eine Chance. Wenn er mir alles widerlegen könne, so sagte ich, dürfe er gerne noch einmal anrufen.

Das machte er auch – heute. Er hat mir alles widerlegt – mündlich. Schriftlich könne er das nicht. Und dann fuhr er ganz große Geschütze auf. Wenn ich meinen Vertrag kündigen würde, dann würde ich sämtliche staatlichen Zuschüsse verlieren, die ich bis heute erhalten habe. Zuschüsse von sechs Jahren wären futsch. Ich war sprachlos! Und diese Gelegenheit nutzte er, um mir mitzuteilen, dass ich ein Formblatt unterschreiben könne, dass ich doch meinen alten Vertrag beibehalten wolle. Er würde es mir zuschicken. Er hatte noch nicht „Auf Wiederhören“ gesagt, als ich bereits Frau B. an der Strippe hatte. Was ein Glück war sie zu erreichen, sonst wäre ich sofort persönlich zur ihr gefahren.

Jetzt war sie es, die sprachlos war. Ebenfalls vor Entsetzen. Sie stotterte herum und versprach mir bis Montag schriftlich aufzuzeigen, dass bei einem Anbieterwechsel meine staatlichen Zuschüsse nicht verloren gingen.

Ist das nicht der Hammer??? Wer auch immer hier lügt, es ist eine Riesensauerei. Irgendeine der zwei Banken versucht mich hier ganz massiv über den Tisch zu ziehen. Hier ist Schluss mit lustig! Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sauer ich bin.

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Ich bitte um Entschuldigung für das Wort „verarschen“, aber „veräppeln“ ist mir in diesem Zusammenhang einfach zu niedlich und trifft es bei weitem nicht.

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Kategorien: Eierschachtel | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Das ist echt schon kriminell

  1. ich glaube inzwischen keinem mehr der auf ner bank oder versicherung arbeitet.
    man wird zugetextet, kann selber im regelfall nichts wirklich überprüfen oder verstehen.
    und überhaupt, glaub ich echt noch das in 25 jahren das was heute erzählt wird bestand hat?
    glaube, viele,, die isch auf irgendwelche versprechen, berechnungen und zusagen etc verlassen haben werden in 25-30 jahren ganz doof aus der wäsche schauen…

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