Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren

Zwischen den Jahren ist bei mir irgendwie immer so eine komische Zeit – losgelöst vom Rest des Jahres. Ich bin dann immer in einer seltsamen, ja, vielleicht auch leicht sentimentalen Stimmung. Das ist nichts Neues; das war auch vor 20 Jahren schon so.

Zwischen den Jahren fängt an Weihnachten an und dauert bis einschließlich 2. Januar. Dieses Jahr ist es besonders hart, weil es dieses Mal so eine lange Zeitspanne ist, weil Weihnachten faktisch ja bereits am 22. Dezember anfing. Ich habe irgendwie abgeschaltet – äußerlich. Innerlich brodelt es, weil ich (wie gesagt) in einer merkwürdigen Stimmung bin und über alles Mögliche nachdenke. Auch das ist anstrengend. Den Alltag habe ich total ausgeblendet. Rechnungen liegen unbezahlt herum, schwierige Themen werden ignoriert, auf mails und SMSe aus meinem analogen Leben reagiere ich nicht. Ich lebe im Moment in meiner eigenen kleinen Welt.

Dieses Jahr bekommen Herz und Hirn besonders viel zu tun; ich habe nämlich in der Vergangenheit gewühlt. Auch eine Tradition von mir, die allerdings etwas eingeschlafen war. Schon als Teenie habe ich Tagebuch geschrieben. Und immer am 1. Januar habe ich mir morgens (oder nach dem Aufstehen 😉 ) mein Tagebuch geschnappt, mich wieder ins Bett gelegt und das vergangene Jahr anhand meiner Aufzeichnungen Revue passieren lassen…

Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, denn erstens schreibe ich seit der Jahrtausendwende kein Tagebuch mehr und zweitens passiert nicht mehr so viel, als dass ich es mir nicht merken könnte 😉 – ich bin mir noch nicht sicher, ob ich mich darüber freuen soll oder nicht.

Naja, auf jeden Fall steht eine Renovierung meines Arbeitszimmers bevor, was dazu geführt hat, dass – wieder einmal – Sachen von A nach B getragen werden müssen. Mit dabei – natürlich – auch meine Tagebücher. Das eine (ich behaupte mal es ist sogar das wichtigste) Tagebuch habe ich mir unter mein Kopfkissen gelegt und abends darin gelesen. Von meinem 17. bis zu meinem 20. Geburtstag. Was für eine aufregende Zeit, und wie ausführlich ich darüber geschrieben habe. Ich bin gefühlsmäßig völlig erschlagen – von mir selbst. Das ist alles irgendwie so unfassbar!

Aber der Knüller ist, ich habe die Stelle gefunden! Was für eine Stelle, wollt ihr wissen? Einen Moment noch. Es fing irgendwann an, als ich Anfang, Mitte 30 war und fand wohl seinen Höhepunkt, als ich nach der Elternzeit, nicht wirklich an meinen ursprünglichen Arbeitsplatz zurückkehrte. Ich fragte mich immer, wo und wann ich in meinem beruflichen Leben falsch abgebogen war und wie es soweit kommen konnte, dass faktisch nichts aus mir geworden ist (nein, liebe/r Leser/in jetzt nicht abwinken und relativieren), das ich mein Potential nicht genutzt habe. Ich schaute mich um und fand immer mehr, sogar Jüngere, die viel mehr zu bieten hatten als ich (ich spreche, das muss jetzt noch mal betont werden, nur von der beruflichen Ebene), obwohl sie die gleichen Voraussetzungen mitbrachten. Es war so bitter. Irgendwann, wenn man die 40 überschritten hat, wird man ruhiger, denn jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo es nur noch darum geht, das Beste aus der Situation zu machen; wirklich ändern lässt sich nichts mehr.

So und jetzt komme ich zu der Stelle, die ich gefunden habe. Ich habe die Aufzeichnung gefunden, aus der hervorgeht, wann ich (um es mal ein bisschen pathetisch auszudrücken) auf meinem Lebensweg falsch abgebogen bin. Tja, und jetzt rattert es in meinem Kopf unaufhörlich.

Natürlich weiß ich auch, dass das nur so ein westliches Wohlstandsproblemchen ist, so Psycho-Kacke, vielleicht auch Verklärung und im Ganzen gesehen völlig unwichtig… Aber hey, was soll ich machen? Es ist nun einmal gerade diese Zeit, es ist Zwischen den Jahren…

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Kategorien: GefühlsduselEI | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Zwischen den Jahren

  1. Claudia

    Hmm, würde sagen sowohl als auch und vielleicht auch an unserer Situation? Also bei mir spielt es auch ein Rolle, das ich Mutter bin und eben auch dadurch keinen geradlinigen Karriereweg habe (oder auch gar nicht haben kann?).
    Da fragt man sich natürlich, warum haben andere Mütter trotz Kindern noch einen erfüllenden Arbeitsplatz und ich nicht? Was hab ich falsch gemacht, oder bei mir eher was kann ich jetzt noch dran ändern, was kann ich verbessern und WAS stört mich wirklich. Will ich wirklich das eine für das andere aufgeben? Wenn auch nur teilweise? Gibt es ein teilweises aufgeben überhaupt?
    Und ja klar ist es ein Luxusproblem der westlichen Welt, klar müssen wir nicht drüber nachdenken wo wir die nächste Mahlzeit herkriegen oder ob unsere Kinder überleben oder ob unser Haus morgen noch steht aber hey, warum sollten wir deswegen ständig unsere Probleme unter den Tisch kehren und ein schlechtes Gewissen haben? Ich bin froh und glücklich keine existenziellen Probleme zu haben, das macht meine „Psycho-Kacke“ aber nicht weniger problematisch.

  2. Zwei Menschen, zwei Gedanken… und doch so nah beieinander !

    Irgendwann war ich an dem Punkt, wo ich begriff, dass ich nicht mehr
    kämpfen brauche, einfach weil es mich nicht weiter bringt.
    Ich begriff, dass ich nichts mehr tun kann…!
    Ich kann nichts erzwingen.
    Als ich das begriff, fiel erstmals alles in sich zusammen…!!

    Und dann wurde plötzlich alles leicht und leer in mir.

    Ich fing an loszulassen, woran ich mich geklammert hatte,
    an Hoffnungen, Menschen oder Dinge aus meiner Vergangenheit,
    die ich so nicht mehr akzeptieren wollte und konnte,
    weil auch sie mich nicht akzeptieren konnten so wie ich bin!

    Ich begriff, dass ich all das nicht mehr ändern kann und will,
    egal, wie sehr ich daran glaubte.
    Egal, wie sehr ich es mir gewünscht habe.
    Egal wie sehr ich dagegen kämpfte.
    Egal wie weh es tut…!!!

    Was geschehen soll, das geschieht.
    Was gehen will, das geht.
    Was bei mir sein will, das bleibt oder kommt
    aus freiem Willen zu mir zurück.

    Irgendwann sind die Schmerzen und
    die Angst loszulassen vorbei.
    Ich befreie mich allmählich,
    auch von Ängsten, ungerechtfertigten Schuldgefühlen
    und allen von mir selbst und anderen auferlegten Zwängen.
    Von alldem was mich festhält und mein Leben zum Stillstand bringt.

    Und jetzt gehe ich meinen Weg.
    Packe meinen Koffer mit dem was übrig blieb.
    Ein Koffer voller Erfahrungen, Erkenntnisse
    und Erinnerungen…!!

    Mein Weg liegt vor mir,
    ich sehe ihn noch nicht,
    aber ich fühle, es ist soweit
    und ich beginne wieder ganz vorsichtig mit dem ersten Schritt.

    • Mit dem Kommentar von Nora hat es folgende Bewandtnis: Ich war gerade mit meinem Beitrag fertig und schaute mich ein bisschen bei FB um, als ich diesen Text sah. Was für ein Zufall – passte genau zu meinem Post.
      Ich bin also nicht die Einzige, die sich so ihre Gedanken macht… Jetzt mal ehrlich: Liegt das am Alter oder an der Jahreszeit?

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