Was für eine Tragödie

Es gibt Tage, da wundere ich mich, wie das Leben einfach weitergehen kann, wieso die Welt sich immer noch dreht, als wäre nichts gewesen. So ein Tag ist heute. Vielleicht bin ich auch ein bisschen neidisch auf die, die Unglücke, Tragödien, Katastrophen einfach von sich fernhalten können.

Ich kann das nicht. Ich will nicht sagen, dass ich es nie konnte, aber seitdem ich Mutter bin kann ich es nicht mehr, und seitdem ich über 40 bin, wird es immer schlimmer.

Ich würde so gerne den jüngsten Amoklauf in den USA ausblenden, an mir abprallen lassen – aber ich kann es nicht. Ich muss ständig daran denken. Ich habe davon erst in der letzten Nacht erfahren. Um 2 Uhr bin ich aus dem Bett gefallen und hatte beschlossen mir irgendeinen Film von der Festplatte anzuschauen. Und da sah ich es dann…

Richtig fassungslos bin ich, wenn ich Fernsehleute über den Amoklauf sprechen höre (und sehe!), und diese keinerlei Regung zeigen und es bis zum Ende der Sendung sogar schaffen, sich ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern und dem Fernsehzuschauer zum Abschied fröhlich zuzuwinken. Das soll wahrscheinlich professionell sein. Aber dann hätte ich doch lieber die Variante: ausdruckslos, und zwar die ganze Sendung über.

Perfide und geschmacklos empfinde ich es, wenn – wie bei N-TV heute Morgen – das Moderatoren-Duo aussieht, als stünde es kurz vorm Grinsen. Nee, das bildest du dir ein, dachte ich mir und starrte die Zwei permanent an. Um kurz nach 11 Uhr hatte ich dann aber Gewissheit. Die Mikrofone der Moderatoren waren während ein Filmbeitrag lief, etwas zu früh wieder freigeschaltet. Man hörte die zwei „Profis“ plaudern und SIE musste kichern. Dann waren sie wieder zu sehen; ER grinste dümmlich.

Was bitte soll das denn? Sitzen da zwei Roboter? Ich hätte eine solche Sendung niemals moderieren können und wenn müsste ich mir sicherlich ständig die Tränen wegwischen. Selbst der US-Präsident hat geheult. Bääh, schämt euch ihr Fuzzis von N-TV! Mir ist ein solches Verhalten unerklärlich und zuwider.

Aber ich bin selber schuld. Was schalte ich denn auch den Fernseher ein? Warum rufe ich überhaupt diesen Sender auf? Warum will ich mich denn überhaupt informieren? Warum muss ich mir die Bilder der verzweifelten Eltern anschauen? Hat die verzweifelte Mutter auf dem Titel der Tageszeitung nicht gereicht? Und warum wundere ich mich dann, wenn ich die Bilder nicht mehr aus dem Kopf kriege?

Advertisements
Kategorien: frisch gelegt, GefühlsduselEI | 2 Kommentare

Beitragsnavigation

2 Gedanken zu „Was für eine Tragödie

  1. Ja, das kann ich verstehen … seit ich Mutter bin, geht es mir genauso …. es trifft mich zutiefst, wenn ich solche Tragödien mit ansehen muss … und trage dieses wochenlang mit mir rum … und seit ich älter werde, geht es mir noch mehr unter die Haut …. ich denke immer an die armen Eltern und Hinterbliebenen, die mit dem Schmerz fertig werden müssen …

  2. Das sind die Momente im Leben, in denen ich gerne eine bedeutungsvolle Person wäre, eine, die mit einer Beschwerde auch etwas bewirken könnte…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: