Persönliche Bilanz

Auf dem Boden im Schlafzimmer lag letzte Woche eine Bluse von mir.  Sie lag seit Dienstag leicht geknuddelt neben! dem Korb mit der schmutzigen Wäsche. Jedes Mal, wenn ich sie dort liegen sah, schüttelte ich den Kopf über mich selber, dass ich bisher noch nicht in der Lage war, diese Bluse IN den Korb zu werfen.

Die Bluse ist ein Zeichen. Sie steht für den Berg an Bügelwäsche, der seit Wochen unangetastet geblieben ist. Wir tragen im Hühnerstall derzeit nur noch Klamotten, die direkt von der Leine in den Schrank wandern können.

Die Bluse ist auch ein Symbol. Ein Symbol dafür, dass in meinem Leben alles etwas unaufgeräumt ist. Nicht geordnet. Alles geht durcheinander.

Nun ist es ja nicht so, dass dies für mich eine besondere Überraschung ist. Und für die Mütter unter euch wahrscheinlich auch nicht. Ich muss wohl auch nicht ins Detail gehen und euch haarklein erläutern, was ich im Laufe der Woche alles NICHT geschafft habe, obwohl es ganz oben auf der Liste steht.

Die Liste ist sicherlich schon mindestens einen Meter lang. Irgendwo steht da bestimmt „Arbeitszimmer renovieren“. Wenn ich genau darüber nachdenke, wollte ich das vor zwei Jahren machen bzw. vom Hahn gemacht haben. Dazu muss aber verständlicherweise alles ausgeräumt werden. Und ihr wisst, was passiert, wenn man mit ausräumen beginnt? Man fängt auch gleichzeitig an auszumisten. Seit zwei Jahren suche ich also nun nach einem Zeitpunkt mein Arbeitszimmer auszuräumen.

Irgendwo auf der Liste – ich nehme an, ganz unten – steht auch, dass ich Fotos einsortieren muss. Rechtzeitig zur Einschulung von K2 wollte ich die Kindergartenbilder in Alben einkleben und beschriften. Ja, in der Tat, es handelt sich hierbei noch um Papierbilder – eine ganz altmodische Sache. K2 ist mittlerweile in der fünften Klasse… *räusper* Und mir fehlt ein Wäschekorb, weil der als Bildersammelstation umfunktioniert wurde.

Als ich mit diesem Blog begann, habe ich mir der Problematik, dass Frauen im Allgemeinen und Mütter im Besonderen alles in den Griff bekommen wollen, von der Seele geschrieben. Nun zwei Jahre später bin ich in der Sache keinen Schritt weiter. Ich hatte gehofft, dass, würden die Küken erst einmal älter sein, ich auch den Hühnerstall langsam wieder auf Vordermann bringen könnte. Nach der letzten Woche möchte ich eher sagen, dass ich in einem Saustall lebe.

Nun sollen Mütter sich ja von ihrem Perfektionswahn verabschieden (wie lange eigentlich?). Aber irgendwie gelingt es mir nicht. Ich will nicht in einem Saustall leben und die Tatsache, dass es bei anderen noch schlimmer ist, vermag mich nicht zu trösten – denn was interessieren mich die Anderen? Ich meine, Schweine leben nun einmal in einem Schweinestall, Hühner nicht.

Wenn beide Küken in der weiterführenden Schule sind, wird alles besser – so hatte ich gedacht. Fakt ist aber, dass es nicht besser wird. Die letzte Woche war hart. Sie begann damit, dass ich eine Bluse aus dem Bügelwäscheberg nahm und ungebügelt anzog (es fiel nicht weiter auf, weil ich eine Strickjacke anhatte bzw. sie später um den Bauch band 😉 ) und sie endete am Freitag, um 17 Uhr als ich mit dem Hahn im Chaos saß und wir gemeinsam beschlossen, dass es uns völlig egal sei und wir an diesem Tag mit Sicherheit nichts mehr machen würden, um diesen Chaos entgegenzuwirken. Um 21 Uhr ging ich ins Bett.

Habe ich verloren? Bin ich eine Niete, eine Versagerin? Bin ich überfordert? Oder bin ich am Ende vielleicht völlig normal?

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Kategorien: Eierschachtel | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Persönliche Bilanz

  1. Danke Mädels für eure aufmunternden Kommentare.
    Liebe Claudia, ich musste laut lachen bei deinen Beispielen. Aber du hast Recht, wir essen noch nicht vom Boden und können alle Zimmer ohne sportlichen Einsatz erreichen 😀

  2. Vollkommen normal mit einem kleinen, kurzfristigen Unmut aufs eigene Leben…habe ich auch des öfteren Mal und wenn man dann mal Plus gegen Minus aufrechnet sieht es am Ende doch meist gar nicht so bitter aus…;-)

  3. Claudia

    Du bist sogar besser als normal, weil du in der Lage bist es eben auch mal liegen zu lassen. DAS ist es was viele nicht können und dann mit einem burnout zu kämpfen haben. Solange ihr noch was zum anziehen habt und nicht von Speiseresten vom Küchenboden lebt ist alles in Ordnung. Kommt man noch ohne hüpfen und große Schritte machen zu müssen von der Wohnungstür bis in die Zimmer? Ja? Dann mach dir keine Sorgen. 🙂

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