In der Schule

Lehrer sind mir in ihrer Art oft völlig fremd. Was ich schon Geschichten erlebt habe, mit dieser Spezies, da könnte ich eigentlich einen eigenen Blog füllen und zum Gegenangriff auf die zahlreichen Lehrerblogs blasen, die uns verdeutlichen, dass sie wohl doch zur Gattung der Menschen gehören (war das jetzt biologisch richtig?).  Und für alle, die sich wie ich über diese Spezies mehr als wundern, habe ich am Ende des Textes noch einen ebook-Tipp.

ABER: Es gibt einen Ort, an dem ich zum Überläufer werde und das Gefühl habe Lehrer in Schutz nehmen zu müssen. In Schutz vor dieser anderen Art – den Eltern (der ich ja auch angehöre).

Es gibt einen Ort an dem mir die Spezies „Eltern“ total auf die Nerven gehen. Mehr noch, schon die Aussicht auf diese Treffen bereiten mir Kopfschmerzen und Unwohlsein. Ich meine den schulischen Elternabend.

Ich weiß nicht woran es liegt, vielleicht an der Tatsache, dass man wieder in der Schule ist oder daran, dass ein Lehrer/eine Lehrerin anwesend ist?, dass Eltern sich nicht mehr normal benehmen können. Sie gebärden sich wie kleine Kinder, stellen dämliche Fragen und geben unnützes Zeug von sich.

In der Tat ist es wirklich ein bisschen so, wie früher in der Schule. Da gab es auch immer mindestens einen Schüler, der immer noch eine Frage hatte, obwohl schon alles gesagt war. Da wurden Fragen gestellt wie: „Ist es schlimm, wenn ich Datum auf die linke Seite geschrieben habe?“ oder „Kann ich auch mit Aufgabe 5 anfangen?“ Auch schon war das Jammern der Streber, „uäääh, für die Aufgabe habe ich gar nicht gelernt“ oder das Seufzen „booah, ist das schwer“. Aber eben diese Schüler haben dann doch immer die guten Noten geschrieben. Hauptsache mal Theater gemacht, im Vorfeld.

Froh, diesen Mitmenschen entronnen zu sein, treffe ich sie nun auf Elternabenden wieder. Es ist egal, ob ich zum Elternabend von K1 oder K2 gehe. Es ist egal, ob es in der Grundschule oder in der Mittelstufe ist, Eltern können sich am Elternabend nicht normal verhalten. Sie sind nicht in der Lage den Lehrer das Konzept in Ruhe vorstellen zu lassen. Sie können nicht einfach nur dasitzen und zuhören und warten bis sie an der Reihe sind. Und wenn sie Fragen dürfen, dann stellen sie Fragen, wie vor 20 Jahren.

Aktuelles Beispiel von letzter Woche – Jahrgangsstufe 8. Die Englischlehrerin wird von einer Mutter gebeten, sie solle nicht so schnell sprechen und auch mal Luft holen. Gerne hätte ich diese Mutter gefragt, ob sie Wahrnehmungsstörungen hätte oder der deutschen Sprache nicht mächtig sei. Interessant an der Sache, die eigene Tochter ist auch immer total aufgedreht und spricht wahrscheinlich doppelt so schnell wie besagte Englischlehrerin.

Die Deutschlehrerin merkte an, dass ihr die Schüler gesagt hätten, sie gingen später ins Bett, als sie. Daraufhin fragte eine Mutter: „Wann gehen Sie denn ins Bett?“ (schon die Frage, finde ich überflüssig). Die Antwort: „Um 10.“ Die Muter: „Ja, dann stimmt’s“.

Ganz ehrlich, selbst wenn K1 später als die Lehrerin ins Bett ginge (was sie zum Glück nicht tut) würde ich das nicht noch vor allen ausposaunen. Zumal die Lehrerin nur auf das Thema kam, weil sie von der ganzen Klasse immer angegähnt würde 😀 (was ja nicht unbedingt etwas mit der Schlafenszeit zu tun haben muss).

Auch der Erdkundelehrer wurde massiv angegangen, weil er sich traut Hausaufgaben aufzugeben, obwohl er doch nur im Nebenfach unterrichtet. Hier besonders interessant: die massiven Einwände kamen von den Eltern der super Schüler. Und besonders „toll“: Die haben auch nicht mehr locker gelassen.

Vor lauter „Augen rollen“ wären mir diese beinahe aus dem Kopf gefallen. Jetzt wollt ihr wissen, warum ich nichts gesagt habe? Oh doch, ich habe was gesagt, später. Es gab ein Riesentowabu deswegen. Ich erspare euch die Details, weil es zu lange dauern würde, das jetzt alles aufzuschreiben – vlt. iwann an anderer Stelle – aber für mich war völlig befremdlich, dass es so viele Eltern gibt, die gar nichts sagen.

Von 23 Anwesenden war nur ein Papa auf meiner Seite und hat klar Stellung bezogen. Alle anderen haben unter sich geschaut oder brachten merkwürdige Gegenargumente vor. Von einer anderen Mutter bekam ich Glückwünsche für meinen Einsatz via Mail das finde ich allerdings auch blöde – so im Nachhinein).

Ich sitze also auf diesen Elternabenden und frage mich: Was denkt der Lehrer/die Lehrerin über diese beknackten Eltern? Kann er/sie erkennen, dass nicht alle Eltern so sind? So wie die Schüler/innen auch alle unterschiedlich sind. Ich hoffe es. Und ich wunder mich weiter – über die Eltern und über die Lehrer/innen. Ach, das Leben könnte so einfach sein…

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Wie versprochen, hier mein Buchtipp: „Die Lehrerflüsterin“ von Kirsten Wendt

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Kategorien: Eierschachtel | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „In der Schule

  1. Ohhh das kommt mir sehr bekannt vor… 🙂

    Wenn diese merkwürdigen Zwischenfragen nicht wären, wäre ein solcher Elternabend nur halb so lang… 🙂

  2. Antwort: Die Lehrer können NICHT erkennen, dass nicht alle Eltern so sind. So wie „wir“ über DIE Lehrer wettern, wettern Lehrer über DIE Eltern. Leider :-/

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