Muttertag

Der Muttertag ist mir seit jeher suspekt. Heute als Mutter, früher als Kind.

Früher

Man vergisst ja nahezu alles aus seiner Kindheit. Aber an einen Muttertag kann ich mich noch genau erinnern, zumindest an einen Teil davon. Es war in meiner Grundschulzeit. Ich schlich mich aus meinem Bett und deckte den Tisch. Außer einem gemalten Bild hatte ich nichts. Also schenkte ich meiner Mutter kurzerhand den Piccolo, den ich im Kühlschrank fand und pflückte irgendwelche Blümchen vorm Haus (Gänseblümchen?). Dann wartete ich. Sehr lange. Weil meine Mutter sonntags gerne lange schlief. Aber sie freute sich sehr über den Sekt und ließ sich nichts anmerken.

Irgendwann fing sie an anspruchsvoller zu werden. Sie erwartete in meiner Teeniezeit richtig große Geschenke von mir. Sie hatte mittlerweile mit einem neuen Mann ein Baby bekommen und meinte wohl, sie hätte das jetzt irgendwie verdient, dass man sie reich beschenkte. Zwar sagte sie im Vorfeld gerne: „Du musst mir nichts schenken, Hauptsache, du bist lieb“. Aber wehe, wenn sie am Muttertag nichts zum Auspacken hatte. Dann wurde uns allen der Tag versaut. Schon Wochen vorher schwitzte ich Blut und Wasser, was denn ein „richtiges Geschenk“ sein könnte. Das hörte auf, als ich sie an meinem 20sten Geburtstag besuchte und sie NICHTS für mich hatte…

Heute

Jetzt bin ich selber Mutter. Der Kindergarten hat immer dafür gesorgt, dass die Kinder angemessene Geschenke hatten, immer verbunden mit einer tollen Aktion. Einmal wurden die Papas gemeinsam mit den Kleinen in den Kindergarten zum Geschenk basteln zitiert. Ein anderes Mal wurde ein kleines Gedicht auswendig gelernt. Auch die Grundschule achtete im Werk- oder Kunstunterricht immer darauf, dass die Kinder ihren Mamas ein Geschenk machen konnten.

Dann kam der erste Muttertag an dem K1 schon in der Mittelstufe war und sich selber kümmern musste und auch bei K2 fehlte der Lehrerin – aus welchen Gründen auch immer – der Drang, die Kinder an Muttertag zu erinnern. Aber meine Mädels hatten immer etwas, so herzig, dass ich immer Pippi in den Augen hatte. Ich Rührselige ich. Aber wenn ich frühmorgens am Bett ein selbstgedichtetes Ständchen vorgetragen bekomme, welches reich mit Adjektiven, wie „beste, liebste, tollste…“ bestückt ist, und Sätze enthält wie „ich liebe dich so sehr“, dann kann ich mich einfach nicht mehr beherrschen. 😉

Meine Mädels fragen mich auch bereits seit mehreren Jahren, was ich mir wünsche und ich rede dann so wie meiner Mutter anfangs. Lieb sein und ohne zu meckern helfen und das möglichst das ganze Jahr. Welche Mutter wünscht sich das nicht? Aber welche Mutter bekommt es schon? Was ich mir auch wünsche, dass ich den ganzen Tag machen darf, was ich will – hey, das ist doch nicht schwer – und nix im Haushalt machen muss. Und wir gehen essen – dorthin wo ich will. 😀

Der heutige Tag

Für heute sehe ich definitiv schwarz, was meine Wünsche angeht. Auf meine Hinweise, dass bald Muttertag sei, bekam ich ein erschrecktes „Was? Wann?“ und ein jammerndes „ich hab aber nix für dich“ zu hören.

Wenn K1 nun etwas für mich hat, K2 aber nicht, dann wird letztere ganz schön betreten aus der Wäsche schauen und dann irgendwann beschämt in Tränen ausbrechen.

Essen gehen wir auch nicht, weil der Tag schon anderweitig verplant wurde, bevor irgendjemanden bewusst war, dass es Muttertag wäre. Es könnte also sein, dass ich mit „heute-mache-ich-nix-im-Haushalt-sondern-gehe-nur-meinen-Interessen-nach“ kein Glück haben werde.

Richtig enttäuscht bin ich allerdings von Herrn Hahn, der es offensichtlich nicht für nötig hielt, seine Brut rechtzeitig auf den Tag aufmerksam zu machen und angemessen zu unterstützen. Naja, wir werden sehen. Gestern hielt er sich ziemlich lange, nach der Rückkehr von Baumarkt, in der Garage auf…

Es gibt wohl den ein oder anderen, der den Muttertag richtig bescheuert findet. Naja, aber ich finde, ignorieren muss man ihn auch nicht, oder?

Ich gehe jetzt wieder ins Bett, döse noch ein bisschen und warte mal ab, was so passiert…

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Und da mein Text heute nicht lustig ist, verweise ich auf what do mothers really want for Mother’s Day

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Kategorien: GefühlsduselEI | Schlagwörter: | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Muttertag

  1. Ele

    Ich hab noch keine eigenen Kinder und meiner Mutter dieses Jahr bei der Renovierung der Küche geholfen. Sie hat das als Muttertagsgeschenk angesehen und mich gleich mal zur Einweihung am neuen Tisch (hier ganz unten) bekocht. Das fand ich super 🙂 Tut mir leid, dass Dein Tag nicht so toll war.

    • doch war alles gut…. ich hatte nur die Befürchtung.
      letztendlich war alles gut und es war ein klassischer Muttertagsmorgen, mit Frühstück von den Kindern, mit einem Liebesbrief von K1 und einem Stapel gebastelter Gutscheine (Spülmaschine ausräumen, Spülmaschine einräumen, Tisch decken, Tisch abdecken) von K2 😀

  2. Ich wünsche dir auch einen schönen Muttertag! Bei mir schlagen gleich Mutter, Schwiegermutter plus jeweiligen Angetrauten, dann noch Bruder und Freundin auf. Es gibt Spargel. Toll, welch Wahnsinns-Muttertag. Ich glaube, nächstes Jahr fahr ich weg. Zwar nehmen mich die Kinder dauernd in den Arm und schenken mir Blumen, Karten und Milka-Herzen, aber ich hätte auch gerne mal ein Frühstück ans Bett bekommen oder mal eine tolle Überraschung-für-kein-Geld. Als ausgleichende Gerechtigkeit bekommen die Mütter auch nur ’ne hässliche Topfpflanze ;-).

  3. Conny Z.

    Genieß deinen Tag mit den Überraschungen, die da auf dich zumommen werden. ich werd nie mehr in den genuss dazu kommem.
    Aber kommerz und riesen geschenke find ich übertrieben . hauptsache, man vergisst den tag nicht. lass dich schön verwöhnen heute
    Lg conny

  4. Liebes Huhn, man findet doch immer jemanden, dem´s noch schlechter geht et voilà: DWD ist heute frühmorgens zu seiner Segelregatta ans Meer aufgebrochen (am Muttertag!!!!!) und ich darf mir nicht mal in der Küche einen Kaffee holen, weil die Kids dort seit Stunden am Überraschungsfrühstück basteln.
    Ich wünsch‘ dir trotzdem einen schönen Muttertag!
    DWM

    • *krchchch* das von DWD hatte ich gelesen… muss nicht immer schlecht sein, die Männer aus den Füßen zu haben.
      ich sitze gerade auf meinem Bett und warte auch, dass ich endlich etwas zu essen bekomme….
      Dir auch einen schönen Tag

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