Fortsetzung: Sie haben es doch gut bei uns

Ich hatte mich also Hilfe suchend an unseren Vorstandschef gewandt, der (wie soll ich das jetzt sagen?) ein gewisses Faible für mich hat. Und nein, ich habe kein Verhälnis mit ihm – nicht mein Typ (leider) 😉

So bat ich ihn, doch mit seinem Stellvertreter zu sprechen, dass er meiner Wunschregelung zustimmt. Er versprach sich zu kümmern. Ein „Nein“ so machte ich ihm klar, kam gar nicht in Frage. Im Gegenzug musste ich ihm dafür anvertrauen, warum ich diesen freien Tag wollte. Ich sagte ihm, dass ich ein Angebot von einem Verlag hätte und dass mein Buch bis zur Buchmesse im Oktober fertig sein müsse. Mit einer fünf Tage Woche würde ich das nicht schaffen. Er versprach, sich zu kümmern.

Es vergingen Wochen. Irgendwann fragte ich nach. „Was sind Sie denn so ungeduldig, Schätzelchen?“ Als hätte er mich jemals geduldig erlebt – als wäre er selbst geduldig. „Ich kümmere mich darum, versprochen!“

Es dauerte wieder einige Wochen bis ich ihm begegnete, bzw. alleine in seinem Büro erwischte. „Ich hatte noch keine Zeit. War ja kaum hier.“ Den Vize hätte er schon ewig nicht mehr gesehen. Kann ja sein. Es ist aber auch nicht so, dass die beiden nie miteinander telefonieren. Nix als leere Versprechungen. „Warten Sie doch mal ab. Ich regele das für Sie. Das klappt schon.“

Das vorletzte Mal, als er mir etwas versprochen hatte, nämlich den Leiterinnen-Posten, wartete ich zwei Jahre. Dann wurde ich schwanger…

Das letzte Mal (das war vor einem Jahr), sollte ich ein neues, eigenständiges Aufgabengebiet bekommen. Nach den Sommerferien. In den Sommerferien bekam er einen Herzinfarkt.

Diesmal hatte ich keine Lust und beschloss doch selber beim Vize zu fragen. „Ja, machen Sie ruhig. Es gibt keinen Grund, dass er nein sagt“, ermunterte mich mein „falscher Versprecher“.

Tja, den Rest kennt ihr ja.

Keck, wie ich bin, maulte ich unseren Vorstandschef nachträglich an. „Warum haben Sie ihm nicht ‚lass‘ Sie doch‘ gesagt?“ Er: „Habe ich doch! Ich habe ihm auch gesagt, dass er bescheuerte Argumente geliefert hätte. Aber er will es einfach nicht.“ Ich: :evil:

Dann riet er mir davon ab, den Betriebsrat einzuschalten, um Wirbel zu vermeiden, obwohl man mir diesen Wunsch im Sinne der Gleichbehandlung kaum verwehren könne. Aber wenn die Gegenseite doch ein Argument gegen eine vier-Tage-Woche hätte, dann wäre das Thema endgültig durch und er versprach: „Nächstes Jahr, im Rahmen der Umstrukturierung, kriegen wir das schon hin.“

Und dann: „Ach, Hühnchen, Sie haben es doch so gut bei uns…“

Meine Reaktion:

Kurzzeitig dachte ich doch tatsächlich darüber nach das Angebot anzunehmen, 16 Stunden auf vier Tage zu verteilen. Ich rechnete ein bisschen ‚rum. Schon mit meiner Milchmädchenrechnung kam ich auf ein Minus von ca. 300 Euro im Monat. Aber Urlaub z.B. macht für 300,00 Euro im Monat einfach mehr Spaß.  „Mach‘ das nicht!“, riet mir auch eine Kollegin, die montags zuhause bleiben darf, ab. „Wenn du irgendwann wieder mehr arbeiten möchtest, lassen sie dich nicht mehr…“

Meine vier-Tage-Woche hätte durchaus dem Arbeitgeber etwas gebracht. Aber offensichtlich fehlt es hier an manchen Stellen am logischen Denken. Hier geht es einfach nur darum, dass man Frau Huhn nix gönnt oder darum sich wie im Kindergarten zu gebären.

Fakt ist nämlich, dass ich bereits jeden Tag mehr als vier Stunden arbeite, da ich nun einmal nicht der Typ bin, der um Punkt 12 Uhr alles fallen lässt und seinen Arbeitsplatz verlässt. Dazu kommt, dass K2 nach den Sommerferien in die fünfte Klasse kommt und ab dann um 7 Uhr der Hühnerstall leer ist. D.h. ich kann auch zur Arbeit fahren. Was werde ich Überstunden sammeln! So wie jetzt auch. Das geht rasend schnell bei mir. Ich habe offiziell eine vier Stunden Tag. Wenn ich jeden Tag eine halbe Stunde länger bleibe, habe ich ratzfatz meinen Gleittag zusammengespart. Durch Sitzungen und Termine geht es manchmal noch schneller.

Meine Rache: Ich arbeite derzeit alle zwei Wochen nur noch vier Tage, weil ich verpflichtet bin, mein Zeitkonto zu pflegen. HAHAHA.
Woche 9:  Zwei Tage zuhause, weil K2 krank
Woche 11: Freitags frei
Woche 13: Montags frei
Woche 15: Dienstags frei (das ist diese Woche gewesen)
Woche 16: Montags frei
Weiterhin geplant: die kommenden drei Brückentage alle frei!

Und heute steht mein Stundenkonto bereits wieder auf + 8 – also zwei Tage. Tjaaaaa, doof sein kann ich auch. 😉

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Kategorien: Huhn@work | 8 Kommentare

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8 Gedanken zu „Fortsetzung: Sie haben es doch gut bei uns

  1. Das mit dem Zeitkonto ist eine geniale Strategie. Ich habe so lange nahezu jede Woche einen Gleitzeittag beantragt, bis die Vorgesetzten genug von der Bürokratie hatten und meinen neuen Arbeitszeitplan genehmigten. 🙂
    Hast du echt ein Angebot von einem Verlag???

    • oh – mal sehen, ob es bei mir auch klappt… auf jeden Fall konnte ich schon mit zwei Verbalatacken (ganz schön viele „a“) aufwarten.
      und: ja, habe ich *g* sieht aber so aus, als würde ich es nicht nutzen…

  2. Claudia

    Naja, so lang, wie du da schon arbeitest, wäre es für die Firma vermutlich zu teuer dich entlassen zu lassen. So war es zumindest in unserer Firma.
    Ich drück dir die Daumen. Auch für die Umstrukturierung. Nicht das du dann was ganz blödes arbeiten musst.

  3. geelinde

    Das klingt doch nach einem Plan!
    Ich freue mich, dass Du Dich nicht mehr gängeln lassen willst, so muss das sein. Lass Dich von denen da oben (die viel zu weit weg von der Basis sind und über lauter strategischer Überlegungen das tägliche Geschäft vergessen haben) nicht mehr ins Bockshorn jagen!

    • Ja, ich versuche es. Mal sehen, wie lange ich durchhalte. Und mal sehen, was noch auf mich zukommt. Umstrukturierung… owowowoh 😉

  4. chasolu

    Tja, sie wollten es ja nicht anders, die Herren Vorgesetzen 😉 Viel Spaß mit Deinen freien Tagen 😀

  5. Claudia

    Wenn ich das hier so lese frage ich mich mal wieder ob alle Vorgesetzten der Welt gleich sind…

    • gleich bescheuert?? *g* Ja, ich weiß ja auch nicht, mir kommt es so vor, als hätte ich – auf gewissener Ebene – die doofsten…

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