Sie haben es doch gut bei uns

„Ach, Hühnchen, Sie haben es doch so gut bei uns…“ seufzte mir unser Vorstandschef kürzlich ins Ohr, nachdem ich ihm ein paar bissige Bemerkungen durchs Telefon entgegen geschleudert hatte.

Wieder einmal sind wir uns nicht einig. Klar, wenn ich mich mit einer Verkäuferin bei Schlecker vergleiche, habe ich es wirklich gut, dort wo ich arbeite. Ich gehe sogar so weit und behaupte, ich habe es  sogar besser, als eine Mitarbeiterin bei DM oder Roßmann.

Aber darum geht es doch gar nicht. Dafür haben es Mitarbeiterinnen der Telekom und der Allianz sowohl besser als ich, als auch der oben genannten Verkäuferinnen. Mit solch‘ bescheuerten Bemerkungen kann man mich kaum beruhigen. Im  Gegenteil :  Sie lösen einen großen Drang zum Widerspruch in mir aus.

Was war passiert?

Eigentlich läuft seit der Rückkehr aus meiner MuKiKu alles recht ruhig bei uns ab. Ich habe keinerlei Theater, ich verstehe mich gut mit dem Neuen, der mittlerweile seine Probezeit überstanden hat und das alljährliche Boni-Gespräch verlief auch zufriedenstellend.  Ich wurde besser bewertet, als gedacht und es gab keinerlei Anfeindungen. Meine zurechtgelegten Verbalwaffen konnte ich in der Schublade lassen. Friede, Freude, Eierkuchen. (Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit noch einmal bei euch für euren Zuspruch seinerzeit bedanken!  ❤ )

Alles könnte so schön sein. Aber mit der MuKiKu wuchs auch mein Wunsch, mich mehr der Schreiberei zu widmen, denn in der Tat ist es so, dass mir meine Angestelltentätigkeit trotz des ganzen Eierkuchens nicht mehr schmeckt, ich sie aber für Geld und sozialer Absicherung in Kauf nehme. Meine Energie, mein Engagement, mein Herzblut stecke ich dort aber nicht mehr hinein.

Also beschloss ich, einen Tag in der Woche zuhause zu bleiben. Alle Mamas haben bei uns die kuriosesten Arbeitszeitmodelle. Bei manchen weiß niemand, WANN sie eigentlich im Hause sind. Meine zwanzig Stunden auf vier Tage zu verteilen, ist da noch eine einfache Variante, die genau in dieser Form von zwei Kolleginnen umgesetzt wird.

Ich fragte beim Boni-Gespräch. „Muss ich mal den Herrn Geschäftsführer fragen. Ich finde, der sollte es entscheiden“,  bekam ich zur Antwort. Der Herr Geschäftsführer mag mich besonders gerne (ha-ha). Auf Nachfrage (!) teilte man mir mit, dass der Herr Geschäftsführer meinte, ich solle unseren Vizevorstandschef fragen. Und das war bereits der Beginn von Spielchen – wieder einmal.

Auf einmal konnte also der Herr Geschäftsführer nicht entscheiden, dabei hat er allen Mitarbeitern untersagt, sich bei arbeitsrechtlichen Entscheidungen an den Vorstand zu wenden. Denn der hätte es nicht zu entscheiden. Nachträglich habe ich die Vermutung, dass es meiner Vorgesetzten nicht gefallen würde, wenn ich nur vier Tage ins Büro käme. Ob sie dafür eine wirkliche Begründung hat oder es mir einfach nicht gönnt, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass mir dieses Hintenrum-Getue überhaupt nicht schmeckt.

So,so, den Vizevorstandschef sollte ich fragen. Ja, ich muss zugeben, dass ich hauptsächlich für ihn arbeite und dass diese Aufforderung nicht abwegig ist. Meiner Meinung nach hätte es aber Herr Geschäftsführer erledigen müssen. Wobei – bei  Licht betrachtet – hat er es auch sicher gemacht. „Gell, Herr Vize, Sie wollen doch sicher auch nicht, dass die Huhn nur noch vier Tage im Büro ist…?“

Ich habe erst einmal unseren Vorstandschef eingeschaltet, was mich aber nicht weitergebracht hat (warum nicht, erzähle ich euch morgen).

Dann habe ich einen ruhigen Moment abgewartet und die Gretchenfrage an den Vize gestellt, mit der Bitte, er solle es sich doch einmal überlegen. Wochen später habe ICH nachgefragt. Die Antwort:

„Ach, Frau Huhn, ich gehe doch auch jeden Tag ins Büro. Und wenn ich freitags eine Idee habe, dann kann ich Sie Ihnen ja gar nicht mitteilen. Und bis Montag habe ich es vergessen.“

Uh – schon einmal was von e-mail oder wenigstens Notizzetteln gehört? Das sagte ich natürlich nicht. Und es kam noch dicker.

„Aber ich mache Ihnen einen Kompromissvorschlag: Sie arbeiten nur noch 16 Stunden, dann können Sie freitags zuhause bleiben, und die Firma hat auch noch etwas davon.“

Unlogisch – bescheuert – ohne Worte! :evil:

(Fortsetzung folgt)

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Kategorien: Huhn@work | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Sie haben es doch gut bei uns

  1. Conny Z.

    wenn du dafür das gleiche geld bekommst komm ich zu dir arbeiten . wenn ich meine Arbeitszeiten mit deinen vergleiche, könnt ich nur heulen. 40 stunden und länger und hab dafür ein gehalt von dem du noch lachen kannst . LG Conny

    • nee, nicht für den gleichen Lohn. Natürlich für weniger „damit die Firma auch etwas davon hat“ – UNVERSCHÄMT!

      Liebe Conny, ich weiß leider nichts tröstendes zu sagen…Ich habe dort vor 18 oder 19 Jahren angefangen. Damals gab es mehr Geld als heute. Mein neuer Kollege verdient auch weniger als ich. Lass dich nicht ‚runterziehen! Lerne für dein Studium. ❤

  2. für den gleichen lohn wie bisher kein problem 😉

  3. chasolu

    Äh, das war jetzt bitte ein Witz, oder ??? Nur noch 16 Stunden ???? Ich bin gespannt auf die Fortsetzung…

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