Die Weihnachtsfeier

Aber natürlich haben wir bei uns in der Firma auch eine Weihnachtsfeier. Diese findet traditionell mittwochs statt – wobei ich jetzt nicht so genau weiß, wie die Tradition hinter der Feier lautet. Und da wohl keiner Lust hat, die heimelige Atmosphäre des Büros zu verlassen (ha-ha), kommt ein Edel-Caterer zu uns ins Haus, um uns mit leckeren Speisen zu verwöhnen.

Bei dieser Art von Feier, war ich bisher kein einziges Mal dabei, weil ich jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit bescheuerte und verletzende Briefe von unserem Geschäftsführer bekomme, in denen mir vorgeworfen wird, dass ich meine Arbeit erledige („es kann nicht sein, dass…) oder die Kollegen grüße („ich erwarte ein freundliches Verhalten…“). Dieses Jahr kam also kein Brief, deshalb bin ich letzte Woche dann auch hingegangen. Was für eine heuchlerische Veranstaltung….

Zuerst ging es damit los, dass sich Kollegen aus dem Erdgeschoss eine Stunde vor offiziellem Beginn Plätze reservierten, indem sie ihre Jacken über die Stühle hingen. Das sorgte bei meiner Lieblingsabteilung (die Abteilung mit den mir liebsten Kolleginnen) für Unmut.

Naja, war mir erst einmal egal. Für mich war nur wichtig, dass sechs Leute an einen Tisch passten und ich somit noch mit an den Tisch meiner Lieblingsabteilung passte und die zwei übrigen Plätze auch schon vergeben waren. Es gibt doch nix schlimmeres an so einer Feier, mit verhassten möchte-gern-Vorgesetzten an einem Tisch zu sitzen und sich nicht frei artikulieren zu können. „Hühnchen, du kommst dann gleich, ja?“ riefen mir die Mädels dann um  viertel vor fünf zu, als sie sich auf den Weg zur Feier machten, wohl wissend, dass ich noch einen Moment eingespannt war.

Die „ach-ich-kann-es-nicht-aussprechen“ meiner Abteilung kommt grundsätzlich zu spät, die braucht offensichtlich immer einen „Auftritt“, egal wo. Diesen „Auftritt“ wollte ich auf keinen Fall mitmachen, deshalb beeilte ich mich, mit meiner Arbeit. Punkt 17 Uhr war ich fertig, da kommt die Madame aus ihrer Sitzung. „Und wie sieht es aus….?“ flötete sie mir und dem Neuen zu. „Setzen wir uns als Abteilung zusammen an einen Tisch?“ Alle Augen auf mich. „Nee, tut mir leid, ich bekomme einen Platz freigehalten. Ich möchte bei den Mädels sitzen.“  (Dem Neuen hatte ich vorher schon unter vier Augen erklärt, dass es nichts mit ihm zu tun habe). „Dann gehen wir aber wenigstens als Abteilung runter,“ kam dann die schnippische Ansage. „Ja, aber dann jetzt sofort,“ entgegnete ich mutig. Es dauerte dann doch noch fünf Minuten bis Madame fertig war – keine Ahnung mit was eigentlich. Auf jeden Fall war ich einmal mehr froh, woanders sitzen zu können.

Der Salat kam. Die Suppe kam. Und dann kam unserer Vorstandschef und hielt eine Anspreche. Über die tollen Mitarbeiter, über den tollen Geschäftsführer. Jeder Einzelne wurde erwähnt. Ja, auch ich. Sogar ziemlich am Anfang. Gleich nach der Rechtsabteilung wurde meine Abteilung genannt. „…und dann hätten wir die Abteilung xy, die ja nun mit dem Herrn Neu noch Zuwachs bekommen hat. Der Herr Neu ist für … blablabla…und die Frau Huhn arbeitet da ja auch irgendwie mit.“ Ach ja??? Irgendwie?? Eigentlich hätte ich gerne mit der Weinflasche geworfen…. Der gute Mann – dessen Lieblings“kind“ ich bin, was ich bis dato zumindest dachte, und worüber andere auch lästern – bekam dann gerade noch die Kurve, indem er erwähnte, dass ich ja seinen Vize bei seinen Nebentätigkeiten unterstützte. Trotzdem, ich war und bin beleidigt.

Den Vogel abgeschossen hatte der gute Mann dann aber, als er die Kollegin Frau B. lobte. Frau B. hat nicht mehr so lange bis zur Rente. Sie ist eine verbitterte Frau, was sie an allen Mitarbeitern auslässt. Sie ist extrem launisch und super anstrengend und antwortet grundsätzlich patzig, egal, was man sie fragt. „…da wäre dann auch noch Frau B., die mit ihrer fröhlichen Art, für alle da ist.“ Booaah, das fand dann auch liebste Mitarbeiterin im Haus, die nie ein böses Wort sagt, nie lästert, nix, total daneben.

 

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Kategorien: Huhn@work | Schlagwörter: | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Die Weihnachtsfeier

  1. Claudia

    Wenn ich das so lese bin ich sehr an unsere Firmenfeiern erinnert…scheint doch irgendwie überall gleich abzulaufen…

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