Ich kann nicht mehr – Teil 2

Vielen Dank euch allen für die guten Tipps und die aufmunternden Worte gestern. Aber – und jetzt kommt’s – natürlich kenne ich die alle schon irgendwie. Und natürlich habe ich diese Tipps irgendwann schon einmal angewendet. Doch irgendwie habe ich nun einen Zustand erreicht – ja, wie soll ich das nur beschreiben? – ich bin darüber weg. So als wäre man müde, geht nicht schlafen und hat dann die Müdigkeit übergangen – und dann geht gar nichts mehr. Ich erstelle Listen, arbeite sie aber längst nicht mehr ab. Meistens erstelle ich mehrere und weiß dann nicht mehr, wo ich was aufgeschrieben habe (was auch an meinem Faible für Notizbücher liegen könnte 😉 )

Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte ich eine Art Zusammenbruch. Es kam schleichend, freitags abends. Ich wollte nur noch ins Bett und ich meine mich zu erinnern, dass ich sehr gut geschlafen hätte. Beim Aufwachen erinnerte ich mich an ein Zitat aus einem Film: „Das ist das schöne, wenn du deprimiert bist, du schläfst wenigstens mal wieder so richtig aus…“

Trotzdem konnte ich nicht aufstehen. Es ging nicht. Ich hatte keinen Bock. Alle sollten mich mal am A… lecken; ich selber eingeschlossen. Irgendwann stand ich dann wohl doch auf – ließ das Frühstück über mich ergehen und heulte den Rest des Tages rum.

In der Woche drauf, rief ich bei meiner Krankenkasse an – es war wohl weibliche Intuition. „Ich kann nicht mehr“, habe ich der Dame am Telefon gesagt. „Und dieses Mal komme ich da nicht alleine raus.“ Das war für mich eine entscheidende Erkenntnis, denn eigentlich bin ich stolz auf meine Fähigkeit der Selbstmotivation und der Selbstbefreiung aus irgendwelchen Jammertalen. Die Dame von der Krankenkasse konnte helfen: „Genau dafür haben wir eine Ansprechpartnerin“. Zu der bin ich dann zum Termin gefahren und kam mit einem Antrag auf „Mutter-Kind-Kur“ und einer Liste mit Psychotherapeuten von dem Gespräch zurück. Außerdem hatte ich bestätigt bekommen, dass ich noch nicht „reif für die Klapse“ sei – kam ich mir doch selber manchmal so vor…

Ich schreibe das hier nicht alles, weil ich bedauert werden möchte. Ganz im Gegenteil, dazu bin ich gar nicht der Typ… Aber nachdem ich gestern meinen „ich kann nicht mehr Text“-Post geschrieben hatte, ging es mir in der Tat schon etwas besser. Und es geht mir besser, wenn ich sehe, dass auch Andere betroffen sind. Und vielleicht hilft es ja auch euch, wenn ihr seht, dass ihr mit euren „Zusammenbrüchen“ nicht alleine seid?

Bis zur Kur dauert es noch ein bisschen (Weihnachtsferien). Die Liste mit Psychotherapeuten habe ich erst einmal beiseite gelegt; kann mich mit der Vorstellung nicht so anfreunden. Mittlerweile geht es mir aber doch besser, als an dem Tag, an dem ich nicht aufstehen wollte. Meine Fähigkeit, mich selber aufzurichten, habe ich auch wieder gefunden…

 

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Kategorien: früher oder später | 19 Kommentare

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19 Gedanken zu „Ich kann nicht mehr – Teil 2

  1. Conny

    So ihr zwei lieben liebes Huhn und lieber Andy ,
    ich rate euch mal das Buch von der Ärztin Dr. Sabine Schonert-Hirz „Energie statt Stress. Es ist sehr informativ . Und nur für Euch zum besten
    LG Conny

  2. Conny

    Hallo liebes Huhn und lieber Andy
    ales allererstes denkt Ihr bitte auch mit auch an euch auch wenn Kinder da sind, denn nur wenn es euch gut geht kann es den anderen auch gut gehen. Die Arbeit ist ja´kein Frosch und springt weg. Auch ich mußte das lernen. Der prozeß hat auch eine weile gedauert. Wenn ich jetzt merke es wird viel dann zieh ich die Notbremse und lass alles liegen und kümmere mich nur um mich. Mit tee einem guten Buch oder einer Zeitschrift. Das solltet Ihr auch tun. Und bitte Ihr beiden beantragt beide die Kur Sie wird euch beiden gut tun.
    Seit dem ich den Herzschrittmacher habe versuche ich das Leben zu genießen. Klar bin ich auch nur arbeiten und kümmere mich auch noch oft um andere und ich komm zu kurz. Aber die Notbremse ziehen schaffe ich noch. Und wieder mal habe ich großen Respekt vor einem alleinerziehenden pappa.
    Ich habe es so oft auf arbeit das Eltern Ihre kinder zum spielball machen . Leider. Dabei sind auch alleinerzeihende Väter die sich rührend um die Kinder kümmern
    Schade auch das Frauen die Kinder zum Speilball machen dabei geht s nur um die Kids.
    So Ihr lieben zwei jetzt kümmert Ihr um euch.
    Und viel wichtiger als alles Geld und tolle Spielsachen ist das Ihr euren Kinder Liebe und Geborgenheit gebt das kann man nicht kaufen.
    Werdet beide wieder Gesund
    LG Conny

    • hm – als „krank“ würde ich mich gar nicht bezeichnen…. zum Glück bin ich ja gesund! Aber ich weiß, wie du meinst, liebe Conny!

  3. Andy

    Wie oft denke ich in letzter Zeit, dass ich nicht mehr kann. Alleinerziehend, Trennungsstreit, Geldnöte, zuviel Arbeit, die zu anspruchsvoll wird, veränderte Lebensituation, neue Liebe, Schuldgefühle und 2 Kinder, denen es gut gehen soll.ich kann nicht mehr.
    An eine Kur habe ich schon oft gedacht, aber nie umgesetzt. Vielleicht weil die Zeit fehlt, vielleicht, weil ich Hilfe nicht gerne inAnspruch nehme.
    Ich hoffe, Dir tut die Kur gut und ich hoffe, ich komme selbst dahin, eine zu beantragen. Viel Glück, LG

    • Naja, für dich als Papa ist das bestimmt noch schwieriger, eine Kur zu beantragen. Nicht bei der Krankenkasse, sondern wegen der Sprüche von außen. Als ich letzte Woche die Bescheinigung für den Arbeitgeber abgegeben habe, hieß es prompt: „wieso brauchen Sie denn eine Kur?“ Da können „Spiegel“, „Stern“, usw. noch so viel von der erschöpften Gesellschaft berichten. Du hattest einen Herzinfarkt? einen Schlaganfall? Bestens, damit kann jeder etwas anfangen. Ab mit dir in Kur! Aber doch nicht bei psychischer Erschöpfung, Burnout oder Depressionen….

  4. brohlerin

    Ich habs jetzt erst gelesen und kenne Dein Problem zu genüge. Bin zur Zeit auf der Suche nach nem guten Psychologen…keep cool wir sind viele 🙂

  5. chasolu

    Liebe Frau Huhn,

    herzlichen Glückwunsch zum Entschluss, Dir Hilfe zu holen. Da hast Du schon einen sehr großen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

    Ich habe übrigens seit ca. 3 Jahren (o.k., fast 4 Jahre) die ausgefüllten Anträge für die Mutter-Kind-Kur hier liegen. An die Krankenkasse habe ich sie noch nicht abgeschickt.

    Vielleicht sollte ich es jetzt machen, dann können wir gemeinsam in Kur fahren. Das wäre doch klasse, oder ??

    Nötig wäre eine Kur für mich und für die Kinder.

  6. Bitzli

    Wow, ich find`s super mutig, dass du so offen darüber schreibst! Und ich find`s auch mutig, dass du dir Hilfe holst von aussen. Vielleicht gibt dir die Kur auch noch den letzten Kick für einen Therapeuten: manchmal ist es gut, sich bei jemandem auszukotzen, der berufsmässig zuhört. Es gibt sehr viele Frauen, die zu spät erkennen, dass sie ausgebrannt sind – und es ist schade um jede! Und ich bin sehr froh, dass du was für dich tust! Das ist so so wichtig! Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass manchmal eine Therapie wirklich Wunder wirken kann, weil es einen Tag in der Woche gibt, an dem du nicht nur einen Termin mit deinem Therapeuten hast, sondern auch mit dir selbst – auch wenn ich völlig andere Gründe hatte, eine Therapie zu machen, aber es hat auch mein Leben positiv verändert! Ich drück dich in Gedanken mal ganz ganz fest!-)

  7. Liebes Huhn,

    auch ich reihe mich ein in die Riege derjenigen, die schon einen Zusammenbruch hatten und es trotzdem nicht geschafft haben sich mal hinzusetzen und ganz sich selbst auf die erste Stelle der Prioritätenliste zu setzen. Ich KANN einfach nicht entspannen. Ich kann mich nicht einfach hinlegen und aufhören darüber nachzudenken, was noch anliegt, was noch zu erledigen ist undwas ich wieder alles nicht geschafft habe.
    Schön, das es mit der Kur schon geklappt hat. Ich hoffe wirklich das du dort ausspannen kannst und das dich dort auch der berühmte „Klick“ erreicht. Daumen sind jedenfalls gedrückt.

  8. Conny

    Ach du arme du bist ja völlig ausgepauert das kenn ich aber du mußt wirklich nicht für alle immer da sein. Auch du mußt auf dich achten und nur eine auszeit füt dich nehmen. LAss mal abends was im Haushalt stehen und setzt dich in ein sessel mit einem tee oder weinchen und ließ hör deine lieblingsmusik oder mach mal was dir gefällt. Daran schöpfst du auch wieder kraft . ich wünsch dir alles gut und gute besserung dir .
    LG Conny
    ich geb dir gerne noch mehr hilfe wenn du magst

    • Liebe Conny, genau das ist ja das Problem. Ich KANN mich nicht hinsetzen nein falsch: ich kann mich schon hinsetzen – aber am nächsten Tag ist die Arbeit ja immer noch da bzw. es ist ja sogar mehr geworden. und dann kommt das schlechte Gewissen….

  9. geelinde

    vorangestelltes PS: Da meine Erfahrung nichts ist, was ich zu verbergen hätte, wollte ich alles als Kommentar posten, nicht als Email. Dachte, es ist kurz zusammenfassbar. Aber OK, es ist ein kleiner Roman geworden…

    Der Klick war eine ganz einfache Sache. Ich fühlte mich besch***en, hatte aber gleichzeitig das Gefühl, gar nicht das Recht zu haben, schlecht drauf zu sein. Andere gehen ja noch arbeiten, haben noch mehr Kinder zu versorgen, sind vllt. sogar noch alleinerziehend – und was sonst noch alles. Die Idee zur Kur kam von einer ganz weit entfernten Bekannten, die als einzige wohl wahrgenommen hat, was sich da anbahnen würde. Nur mit Hilfe einer Kurberaterin bin ich dann tatsächlich zur Kur gekommen.

    Ich war auf Sylt in einem ganz kleinen Kurhaus, ein nicht ganz gefüllter Kurgang – ideale Bedingungen.Die anderen Mütter hatten und waren all das, was für mich Kurgründe waren: Trennung, alleinerziehend, Frühchen, schwere Krankheiten und und und. Was war dagegen schon meine Wochenendehe, meine Allergien und mein allgemeines Überforderungsgefühl…

    Und dann komm ich dahin und das Leitmotiv in der ganzen Zeit war: Es ist, wie es ist. Völlig wertungsfrei. Ich fühlte mich einfach angenommen. Ja, anderen ging es sicher noch schlechter (auch das so sehen zu können tat mir gut), aber auch mir ging es einfach nicht so wie es sein sollte. Und dann musste ich was ändern. Mich! Ich habe dort gelernt, dass nicht die Meinung der anderen über mich zählt (OK, die ist mir heut auch noch immer sehr wichtig), MEINE Einschätzung über MICH, DAS ist wichtig. Das ganze Familiengefüge hat sich verändert, weil ich Kleinigkeiten (!) geändert habe. Und heute achte ich mehr auf mich, meine Meinung und mein Gefühl ist wichtig, nicht nur die der anderen. Wie soll ich denn meine Kindern, meinen Mann, meine Freunde liebhaben, ehren, ihnen entsprechen, wenn ich mich selbst nicht lieben, ehren und meinen Ansprüchen entsprechen kann? Und dann wieder: es ist, wie es ist. Erstmal die Situation hinnehmen, annehmen, akzeptieren, dann erst kann ich schauen, wie ich etwas ändern kann. Im Kleinen, schaffbar, dann verändert sich vieles anderes gleich von alleine.

    Gegen Ende der Kur bekamen wir die Aufgabe, einen Liebesbrief an uns selbst zu schreiben. Den hat die Kurleiterin eingesammelt und irgendwann an uns verschickt. Meiner kam etwa ein halbes Jahr nach der Kur. Er liegt heute noch wie ien gut gehüteter Schatz in meiner Schublade und hin und wieder muss ich ihn doch nochmals lesen. Denn da steht drin, was ich für ein toller Mensch bin. Und es tut gut, das schwarz auf weiß zu lesen. Denn auch das ist, wie es ist. Ich bin sicher nicht perfekt, aber ich bin ich. Und ich liebe mich.

    • ach scheiße, 😉 bei deinen Kommis schießen mir immer die Tränen in die Augen…. *snief*
      ich werde auf jeden Fall jede Menge Taschentücher mitnehmen müssen in Kur.

      • geelinde

        Achje, zum Weinen will ich Dich aber eigentlich nicht bringen!!!

      • nicht schlimm! *durch-den-Tränenschleier-blinzel* – bin halt so gerührt… 😀

  10. Ich denke, dass du mit dem Anruf bei der Krankenkasse einen richtigen und wichtigen Schritt gemacht hast. Wir Hühner neigen ja dazu die Signale zu übersehen, weil wir uns um Hühnerstall, Küken, Hahn, Eierlegen und und und kümmern müssen.

    Nimm die Anzeichen bitte ernst und achte auf dich. Ich bin auch eine Betroffene, die jahrelang immer weiter gemacht hat, bis es nicht mehr ging und ich längere Zeit krank war. Ich habe mir schließlich Hilfe geholt und das ist nichts wofür ein Huhn sich schämen müsste.

    Wenn du dich austauschen möchtest: sehr gern!

  11. Dorazell

    Oh, dass es so schlimm ist war mir jetzt nicht bewusst. Aber Du hast alles richtig gemacht. Hilfe gesucht! Zum Hausarzt zu gehen wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Eine gute Freundin hatte das neulich gemacht, 4 Termine beim Hausarzt (sie ist kern gesund), einfach nur zum quatschen. Danach ging es ihr schon viel besser. Das Problem war nicht beseitigt, aber sie hatte eine andere Sicht auf die Dinge bekommen.
    Mutter-Kind-Kur ist ein Traum. 3 Wochen nicht einkaufen, kochen, spülen etc. Okay, Wäsche waschen muss mal sein, aber aufs bügeln hatte ich da großzügig verzichtet. Ich denke ab und an, dass ich mir das wieder mal gönnen könnte. Aber da hab ich dann ein wenig ein schlechtes Gewissen (was ja bekanntlich vergeht *g*), weil ich das jetzt nicht wirklich nötig habe. Andere aber. 🙂

  12. geelinde

    Was hab ich mir den Kommentar mit der Kur verkneifen müssen – und hätte doch nur offene Türen eingerannt 😀 Ich wünsche Dir den Klick, den es bei mir damals in der Kur auch gemacht hat!

    Und nochmals: Achte (weiter) auf Dich! *umärmel*

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