Ich kann nicht mehr!

Das lange Wochenende war herrlich – und doch hat es mir mehr geschadet als genutzt. Ich stehe kurz vorm Durchdrehen, komme um vor schlechtem Gewissen. Ich weiß nicht mehr weiter; ich drehe mich gedanklich im Kreis; ich kann nicht mehr! Der komplette Alltag, mein alltägliches Leben ist an diesem Wochenende liegen geblieben. Nun türmt es sich vor mir auf. Ich stehe davor und weiß nicht weiter. Gerne würde ich alles so schnell wie möglich abarbeiten, nur wann? Der Tag ist zu kurz.

Ich bin total erschöpft – vom Nichtstun. Nach dem Abendessen schaffe ich es gerade noch die Küche aufzuräumen – wenn überhaupt. Dann ist es vorbei. Sämtliche Reserven sind aufgebraucht. Dabei müsste ich ganz dringend einiges erledigen:

  • In meinem Arbeitszimmer stapeln sich schon wieder jede Menge Unterlagen. Briefe, Rechnungen, Zeitungsartikel, die ich für interessant erachte.
  • Die Bügelwäsche hat ein Ausmaß angenommen, der eigentlich nicht mehr zu bewältigen ist.
  • Seit Wochen habe ich keine Hausaufgaben für meinen Italienisch-Kurs gemacht; seit Monaten keine Vokabeln gelernt.
  • Die Fenster im Hühnerstall wurden seit fast einem Jahr nicht mehr geputzt.
  • Mein Erdbeerbeet ist verkommen.
  • Der Stapel ungelesener Bücher und Zeitschriften hat die Höhe der Bügelwäsche angenommen.
  • Seit März liegt auf dem Boden in meinem Nähzimmer ein Stoff ausgebreitet, der dringend zu einem Mantel verarbeitet werden müsste.
  • Ich weiß nicht, was ich morgen kochen soll – und das jeden Tag.
  • Ich habe jede Menge gute Ideen, die ich gerne umsetzen möchte.

Irgendwann kommt bei mir der Zeitpunkt, an dem es überbrodelt. Gestern Abend war es ‚mal wieder soweit. Um 19 Uhr hatte ich die Küche aufgeräumt und wollte mich nun ins Wohnzimmer setzen und einen Blick auf die Italienisch-Hausaufgaben werfen. Doch auch hier bin ich Kleinkrämerin, verhaspel mich gern, will perfekt sein. Statt die Hausaufgaben, die klar definiert sind, zu machen, überfliege ich den Stoff vom letzten Unterricht. Ich stelle fest, dass ich die Grammatik nicht beherrsche und fange an, es mir zu erarbeiten. Dann finde ich in meinen Aufzeichnungen Formulierungen, die ich nicht verstehe, die aber aus Kapitel 4 sind. Mist, da habe ich schon wieder einiges vergessen. Vokabeln müsste ich auch mal wieder lernen. Irgendwann bin ich so frustriert, dass ich weder das eine noch das andere kann und auch die Hausaufgaben nicht erledigt habe. Es ist nur ein Hobby – Huhn bleib ruhig.

Ich bin müde und kann mich nicht konzentrieren. Ich nehme mir vor, nach der Arbeit, nach dem Essen, dann wenn die Küken ihre Hausaufgaben erledigen, auch meine Hausaufgaben zu erledigen. Ich kann es aber nicht! Ich kann nicht meinem Hobby nachgehen, wenn ich dringend einen Bügelmarathon starten müsste. Am Ende habe ich nichts von beidem erledigt. Ich bin unfähig anzufangen, weil ich nicht mehr weiß, was eigentlich dringender ist. Ich renne „gerne“ im Hühnerstall von einer Baustelle zur nächsten; immer mit dem Gedanken, das schaffe ich heute doch nicht mehr.

Wenn es mir doch gelingt mit irgendetwas anzufangen, dann komme ich vom Hundertstel ins Tausendstel. Ich räume frisch gebügelte Klamotten in den Schrank und stelle fest, dass ich den Kleiderschrank dringend ausmisten müsste. Kisten werden gesucht; Sachen sortiert…. usw. Meine Hobbys gestehe ich mir für den Abend zu. Doof nur, dass ich abends einfach zu müde bin.

Doch gutes Zureden hilft nichts. Nächste Woche sind Herbstferien und ich nehme mir vor, die Kapitel im Italienisch-Buch noch einmal durchzuarbeiten. Italienisch lernen ist also der erste Punkt auf meiner Liste für die Ferien. Viele Punkte werden folgen. In zwei Wochen werde ich wieder frustriert sein, weil ich mir eine ganz lange Liste erstellt habe, die nicht zu schaffen ist… Ich bin so bescheuert. Ich mach‘ mich verrückt. Das wiederum verursacht mir Übelkeit und Bauchweh. Ich werde ein Wärmflasche brauchen heute Nacht.

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Kategorien: Eierschachtel | 10 Kommentare

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10 Gedanken zu „Ich kann nicht mehr!

  1. Birgit75

    Hallo wildes Huhn,

    es beruhigt mich, dass es anderen genauso geht.

    Ich denke für mich, dass ich zwar meine Prioritäten ganz gut gesetzt habe aber leider meist das, was „für mich“ ist, total hinten an steht.
    Und wenn ich mir dann mal was gönne, dann habe ich oft ein schlechtes Gewissen, dass ich in der Zeit nicht was anderes gemacht habe was für den Haushalt oder die Familie ist.
    Das frustriert mich ziemlich…..

    Aber ausschalten und einfach mal eine Stunde was für mich genießen geht auch noch nicht … ich arbeite daran!!!

  2. MarcelW

    Also, möchtest Du Hilfe oder „nur“ deinen Kummer los werden?
    Bei „Kummer los werden“ ist meine Antwort hier zuende.

    Bei „Hilfe gesucht“:
    Fensterputzen ist erst mal unnötig, bzw. der Hahn kann es mit den Küken machen
    Wäsche bügeln? Geht’s noch? Nach dem Anziehen verknittert die doch gleich wieder!
    Rechnungen sind wichtig! Sofort drum kümmern! Jetzt! Auf der Stelle! Zusammen mit dem Hahn!
    Briefe? Könnten wichtig sein, öffnen und Wichtiges sofort erledigen. Auch zusammen mit dem Hahn.
    Kochen für morgen? Hahn und Küken sollen Vorschläge und Ideen für die nächsten Tage notieren.
    Erdbeeren wachsen auch von alleine.
    Der Rest? Findet sich später…

    • du spannst ja meinen Hahn ganz schön mit ein 😉 naja, aber er macht schon viel und seine Hemden landen in der Reinigung – aber bei allem kann er halt auch nicht helfen. Die Idee das Fensterputzen auf Hahn und Küken zu verteilen ist eine gute Idee. Zumal ja nächste Woche Herbstferien sind und der Hahn Urlaub hat.

  3. Ach, wildes Huhn. Irgendwie ja auch beruhigend, dass es anderen auch so geht. ich setze für mich Präferenzen. Und Bügelwäsche und geputzte Fenster stehen da nicht so weit vorne. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass man sich viel zu viel vornimmt und dann auch noch mit Hinz und Kunz vergleicht. Jeder kann irgendwas gut, aber ich will alles gut können. Meinen Garten werde ich nächstes Jahr nicht mehr bestellen. Ich lasse mich nicht von eigenem Gemüse unter Druck setzen. Ein Biokistenabo tut’s auch und verschafft mir mehr Zeit, die ich mit meiner Tochter verbringen kann. Mein Yoga ist mir wichtig. Handarbeiten am Abend auch. Dafür kann ich eben nicht lesen. Alles gleichzeitig geht nicht. Und eine aufgeräumte Küche? Naja, wäre schön. Ab und zu darf meine Mutter mal ran, dann freue ich mich drüber, genieße den Zustand und fange an Kuchen zu backen.

  4. Wir machen am Samstag vormittag wieder gemeinsam die Küche via Skype, hm ? 😉

  5. geelinde

    Lieber eine Prioritäten- als eine To-Do-Liste anlegen! Denn die musst Du gewichten. Was ist (Dir) wichtiger? Und dann eine Zeiteinteilung machen. Wie Chasolu sagt: jeden Tag ein bisschen von den Dingen machen, nicht gleich den ganzen Berg in Angriff nehmen. Etappen helfen auch weiter. Plane auch Pausen in Deinen Tag, ohne geht es nicht.

    Was die Essensplanung angeht: die musst Du nicht alleine machen, setzt Euch gemeinsam hin und überlegt, wann Ihr was in der nächsten Woche essen wollt. Was am Tag vorher vorbereitet werden kann, kann vllt. auch abends oder nachmittags jemand anderes schon übernehmen.

    Aufgaben können meist auch gut aufgeteilt oder delegiert werden. Wenn Du soweit bist, dass Du nicht mehr kannst, dann sag das auch so Deiner Familie! Dann müssen die halt mal eine Zeitlang mehr mitmachen. Das geht!

    Konzentrier Dich auf ein Hobby, zumindest vorübergehend. Das, was Dir am meisten gibt. Der Stoff jault nicht laut auf, wenn Du ihn erstmal auf Seite legst. Das Beet ist vllt. nicht das schönste, aber wenn es nächstes Jahr nicht ganz so viele Erdbeeren gibt, ist das auch nicht tragisch. Wenn Italienisch Dein Spitzenreiter ist, strukturiere Dich auch dort, arbeite systematisch jeden Mittag nach dem Essen (oder beim Kochen?) die Vokabeln durch, von Lektion eins an.

    Und: gib nicht auf! Achte auf Dich! Erhol Dich, wenn Du Erholung brauchst. Nimm die Herbstferien, um Dich neu zu orientieren, alles auf den Weg zu bringen und setz Dich selbst nicht zu sehr unter Druck.

  6. Ich stimme chasolu zu, du musst Prioritäten setzen. Wobei ich sagen muss, ich überleben mit schmutzigen Fenstern, mit ungebügelter Wäsche und das der Kleiderschrank noch 2 Monate so bleibt, wie er immer war, wird wohl auch nicht zu katastrophalen Verhältnissen im Hühnerstall führen. (Du siehst Haushalt zählt definitiv NICHT zu MEINEN Prioritäten *gg*)
    Ich würde die Unterlagen zu meiner Nummer 1 machen…wer weiß, vielleicht ist ja auch mal ein positiver Brief drin.
    Außerdem würde ich die Dinge zuerst machen, die am wenigsten Zeit benötigen. Mach ich beim Haushalt auch immer so. Spülmaschine einräumen und Waschmaschine anschmeißen sind kleine Tätigkeiten und schnell gemacht, dann kann man schneller was abhaken, was zu deutlich mehr Motivation führt und außerdem kann man während die eine Sache läuft gleich die nächste anfangen.

    So, und nun mach ich auch weiter und verzettel mich in tausend Sachen, und mach letztendlich nix wirklich…sei getröstet Huhn, du bist nicht alleine mit deinem Problem.

  7. Kerstin

    du sprichst mir aus der Seele – viele, viele Baustellen und man verzettelt sich permanent. Es ist harte Disziplin erforderlich, einen „Job“ auch wirklich abzuarbeiten und nicht zwischendurch mal auf eine andere „Baustelle“ zu huschen (und pfuschen).

  8. chasolu

    Liebes Huhn, mach Dir bitte eine Prioritäten- oder To-Do-Liste.

    Ich persönlich finde gebügelte Wäsche wichtiger als Italienisch-Hausaufgaben. Und Italienisch-Hausaufgaben sind wichtiger als ein aufgeräumter Kleiderschrank.

    Immer schön einen Schritt nach dem anderen. Sonst verhedderst Du Dich und fällst noch hin.

    Du wirst kaum an einem Abend die komplette Wäsche weggebügelt bekommen, aber wenn Du jeden Abend 1 Stunde bügelst, dann wird der Berg sehr schnell deutlich kleiner.

    Geklugscheißt hat heute wieder:
    Chasolu 😉

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