Erste italienische Worte und dann…

Was für eine Demütigung. Ich stehe vor dem elektrischen Tor vorm Ferienhaus und der Vermieter ist nicht da. Ich rufe ihn auf dem Handy an und erkläre ihm auf Italienisch, dass wir nun da sind. Er antwortet auf Englisch !!!!!, dass er in 15 Minuten da sei. Was für ein Schlag für meine Motivation. Zwei VHS – Semester lang habe ich nun die schöne Sprache gelernt, extra für diesen Urlaub und nun das!

Na gut, beruhige ich mich, der Dottore ist ja gar kein Italiener. Er ist Schweizer, der weder Deutsch noch Französisch spricht. Und als er dann 15 Minuten neben mir steht, scheint er doch ein bisschen erfreut zu sein, dass ich ihn offensichtlich verstehe. Ich bin wieder versöhnt.

Es scheint, als würde der Urlaub nichts auslassen, um meine Italienisch-Kenntnisse zu testen. Irgendwie kommt es mir fast unrealistisch vor. Vielleicht springt gleich meine Lehrerin aus dem Gebüsch, um mir zu sagen, dass ich den Test bestanden hätte. Ich stoße immer wieder an meine Grenzen und habe mir mittlerweile immerhin die einfache Vergangenheit selber beigebracht. Ich war drei Mal in der Apotheke, einmal beim Arzt, musste in einer Bar klären, wo denn der Vermieter (der andere am See) bleibt, der, als er dann kam, mir versicherte, dass er kein Wort Deutsch oder Englisch könne, um mir dann das italienische Mülltrennungssystem zu erklären.

Ich habe mir in einem Nobelladen eine Handtasche gekauft und kenne nun Worte wie Spülmaschine, Ohrenschmalz, Tropfen, entzündungshemmend und Wespenstich. Ich kann Beipackzettel von Medikamenten lesen und muss dabei nur wenig nachschlagen.

Aber: Kein Italiener, keine Italienerin würdigen meine Versuche mich auf Italienisch auszudrücken mit einem Lächeln. Nach elf Tagen bin ich diesbezüglich total frustriert. Ich habe keine Lust mehr irgendetwas auf Italienisch zu sagen. Es interessiert eh keinen. Selbst wenn ich nachfrage, weil ich es halt genau richtig sagen möchte, bekomme ich nur irritierte Blicke (warum fragt die denn jetzt sowas?).

An einem Abend sitzen wir mit anderen Deutschen im Lokal. Zwei Pärchen mit einem Baby sitzen nicht weit von uns entfernt. Sie benehmen sich wie die Darsteller von „So lebt Deutschland“ oder anderen einschlägigen Sendungen und bestellen gerade einen halben Liter Wein. Auf Deutsch. Die Bedienung versteht kein Wort und fragt: „Mezzo, quarto, …?“ Der Angesprochene lacht dämlich „na, 0,5 Liter“. Am liebsten hätte ich mich eingemischt „Das heißt mezzo, du A…“. Da braucht man nicht einmal einen Kurs, um das zu wissen. Aber warum sollte ich das tun? Dass ich brav „un quarto vino rosso de la casa“ bestellt habe, hat mir auch keinerlei Sympathiepunkte, geschweige denn ein aufmunterndes Lächeln eingebracht.

Hey, guckt doch mal eure deutschen Speisekarten an, das ist bei weitem nicht mal ansatzweise korrektes Deutsch. Achje, was erwarte ich denn von einem Ort, der mit einer deutschen Stadt in Baden-Württemberg verschwistert ist? Ausgerechnet. 😛

 

 

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Kategorien: auf Reisen | Schlagwörter: , | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Erste italienische Worte und dann…

  1. @stubbknubbel: hm, ganz ehrlich, ich treffe nicht auf Touristen, die hier Urlaub machen – vlt. müssten wir da mal eher jmd. in Bayern fragen…
    @geelinde: die pos. Erfahrungen habe ich auch vor langer Zeit gemacht, als ich an der belgischen Nordseeküste französisch gesprochen habe – das können die ja auch alle
    wegen den Italienern: werde morgen mal meine italienische Lehrerin fragen, was sie davon hält… hatte auch den Eindruck, dass die Italiener am Comer See dieses Jahr nicht so locker waren, wie vor zwei Jahren.
    danke @malu – bin froh, wenn es noch jmd. so empfindet. dachte schon, ich sei zu „weinerlich“ 😉

  2. geelinde

    Schade, dass es nicht anerkannt wird, ein Lächeln kostet nicht viel Mühe!
    Aber: Vllt. war es ein freundliches Entgegenkommen, wenn man Dir nicht auf italienisch geantwortet hat – nur mal so als Gedankenanstoß, um die Italiener nicht so schlecht dastehen zu lassen 😉

    @Stubbsknubbel: Nein, ich erwarte in Deutschland nicht automatisch, dass deutsch gesprochen wird. Nicht von Touristen. Aber ich erwarte zumindest Bemühungen von denen, die hier leben. Und ja, wenn ich ins Ausland fahre, versuche ich zumindest Grundlagen in der Sprache zu haben. Und ja, ich habe damit positive Erfahrungen gemacht. Damals in Ägypten wurden wir deutlich freundlicher behandelt, und das nur, weil wir „ja, bitte, nein, danke, eine Flasche Wasser und 2 Gläser, bitte“ auf arabisch sagen konnten.
    Und wenn ich das für Urlaub so sehe, gilt das erst recht, wenn ich plane, im Ausland zu leben!

  3. Wärst du lieber die Familie am Nachbarstisch gewesen? Ich finde, da muss man sich einfach mal selber lohnen, dass man die Sprache gelernt hat und das man sich vor allem auch traut sie anzuwenden. Hast du super gemacht. Sei stolz auf dich!

  4. Stubbsknubbel

    Naja, mal ehrlich – loben wir hier in Deutschland jeden Ausländer, der uns in gebrochenem Deutsch etwas mitteilen möchte? ;))) Ich glaube, sehr viele Deutsche empfinden es sogar als selbstverständlich, dass man in Deutschland auch Deutsch spricht und regen sich hinterher sogar drüber auf, wenn sie mal „auswärts“ angesprochen werden. 😉 Freu Dich einfach, dass Du die Sprache nun beherrscht und lächele milde über solche, die sich nicht mal ’nen halben Liter Wein bestellen können… 😉

  5. wildes_Kueken

    Ich finde du hast das in Italien ganz toll gemacht.Auch wenn die es nicht gewürdigt haben.Ich bin stolz auf dich ! ! !

  6. Ach, du sprichst mir aus dem Herzen. Ich fahre seit Jahre regelmäßig nach Spanien in Urlaub, habe mich anfangs in der vhs mit Spanisch rumgeschlagen, war stolz auf meine Kenntnisse. Nur im nächsten Spanien-Urlaub die Ernüchterung: es hat kein Schwein interessiert. Im Gegenteil, wenn ich auf dem Wochenmarkt auf Spanisch mein Gemüse usw geordert habe und nach dem Preis gefragt habe, bekam ich die Ziffern auf ein Blatt Papier geschrieben. Ich dachte erst, die können nicht reden….
    Immer wieder haben „nette“ Menschen bei meinen Versuchen, mir entweder auf Deutsch (das ich dann nicht verstand) oder auf genau so schlechtem Englisch geantwortet.
    Seither bin ich in Deutschland freundlich, wenn mich ein Engländer in schlechtem Deutsch nach dem Weg fragt, antworte ich nicht auf Englisch (obwohl ich das könnte) sondern auf Deutsch.
    Aber wehe, es würde mich mal ein Spanier fragen ….

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