Schlechte Verliererin?

Ich wollte es nie mehr gucken und habe es Jahre lang durchgehalten. Ich wurde jeden Morgen danach von meiner Schwiegermutter gefragt, ob ich es gesehen hätte, was ich verneinte. Dann folgte eine Tirade über die Punkteverteilung der Länder und die ewige Frage nach dem „warum?“. „Warum macht Deutschland da noch mit?“, fragte Schwiegermama. „Warum guckst du es dir überhaupt noch an?“ fragte ich zurück und reichte den Telefonhörer an ihren Sohn weiter. Ein Jahr später erinnerte ich sie daran, dass sie es bloß nicht gucken soll; jedesmal wirkte sie leicht zerknirscht. „Wenn du es doch guckst, ruf mich bloß nicht an!“, ermahnte ich sie. Sie rief doch an und das Gespräch von oben wiederholte sich…

Dieser Kreislauf wurde 2010 jäh unterbrochen. Zum ersten Mal seit Jahren schaute ich den Eurovision Song Contest. Ich hatte Lena im Radio gehört, mir gefiel das Lied irgendwann auch gut und ich platzierte mich an dem berühmten Samstag im Mai mit Bügelequipment vor dem Fernseher. Der Hype ging auch an mir nicht vorüber. Und ja, wir wissen alle: Der Abend war ein voller Erfolg. Es war alles so anders. Nur die Frage nach Israel und Europa, die war immer noch für mich da. Das werde ich nie kapieren, hatte bisher aber noch nicht die Lust, das irgendwie zu recherchieren…

Lena hatte also gewonnen. 2011 war Deutschland an der Reihe. Gestern Abend platzierte ich mich also mit Küken, Cola und Knabbereien vor dem Fernseher. Es war grauenvoll. Alle von mir favorisierten Lieder waren abgeschlagen. Nachbarländer schoben sich die Punkte zu. Ich weiß nicht, was da bewertet wurde, die Musik wohl nicht. Oder bin ich eine schlechte Verliererin? Stimmt irgendetwas mit meiner Wahrnehmung nicht, oder was? Mir fiel wieder ein, warum ich es so lange nicht geschaut hatte und ich schwöre euch, das war es. Solange ich noch selbständig den Fernseher bedienen kann, kommt mir der Eurovision Song Contest nicht mehr auf die Mattscheibe. So, und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss meine Schwiegermutter anrufen. 😉

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Kategorien: NebenbEI | Schlagwörter: , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Schlechte Verliererin?

  1. Stubbsknubbel

    Mir geht es jedes Jahr genauso wie Dir. Jedesmal nehme ich mir vor: Nie wieder!!! Und dann hab ich es zumindest im Hintergrund irgendwo laufen. Ich fand es gestern Abend grottenschlecht. Ganz davon ab, dass ich diese Träller-Trulla Lena vollkommen überbewertet finde und es ungerecht fänd, wenn jemand, der nicht singen kann, wirkliche Sänger vom Platz fegt, aber diesmal waren bis auf einige wenige Ausnahmen wirklich keine Highlights dabei. Wurde denn tatsächlich live gesungen? Ich hegte meine Zweifel doch bei der Darbietung der hyperaktiven Zwillinge (wo immer sie auch herkommen). Die Frau mit der Mireille Mathieu-Gedenkfrisur hatte eine schöne Stimme (kam sie aus Österreich?), das Lied kam mir aber irgendwie bekannt vor.

    Ganz schlimm fand ich auch den Moderator Raab. Ganz Europa wird jetzt denken, es gebe in Deutschland keine ordentlichen Zähne (vor allen Dingen nicht in Weiß).

    Naja, lange Rede, kurzer Sinn – ein Abend am PC mit Hintergrund“musik“, die besser hätte sein können. Aber beim nächsten Mal werde ich sicher auch wieder dabei sein.;)

    PS.: Ich habe übrigens auch nie begriffen, wie man Israel in Europa einordnen könnte. 😉

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