Putzen? Oder putzen lassen?

Der Hühnerstall braucht eine Putzfrau! Braucht der Hühnerstall eine Putzfrau? „Meinst du nicht, dass du mal wieder eine Putzfrau suchen solltest“ fragte mich kürzlich der Hahn vorsichtig. „Ja, das wäre schon schön“, denke ich. Einerseits. Andererseits: Habe ich jede Menge Bedenken…

Vor vielen Jahren, K1 war gerade ein Jahr alt, kam eine junge Polin für vier Stunden die Woche in den Hühnerstall. Magda! Wie ein Derwisch sauste sie durchs Haus. Staub, Dreck, Schmutz hatte keine Chance bei ihr. Und bei lauter Musik war sie noch schneller. Zum Glück leben wir auf zwei Etagen, so stand ich ihr nicht im Weg. Für 10 Mark hat das junge Ding gearbeitet; ihr Freund hat sie jedesmal gebracht und wieder abgeholt und ihr das Geld abgenommen. Ich war seinerzeit echt im Stress, musste ich doch alles aufräumen bevor Magda kam, und wenigstens mal grob durch saugen. :-D. Der Freund hat ihr dann leider irgendwann gesagt, dass sie nicht mehr zum Hühnerstall kommen dürfe, weil vier Stunden die Woche zu wenig seien. Sie sollte auf sein Geheiß hin, lieber im Saustall putzen.

Das habe ich sehr bedauert und eine Zeit lang wieder alleine geputzt. Bis Alexandra kam. Auch so ein junges Ding – aus Ecuador. Sie lebte mit ihren deutschen Freund, der wiederum einen spanischen Vater hatte, zusammen. Ihr Deutsch wurde immer besser, zumal sie in der Abendschule einen Kurs besuchte. Sie war total lieb, herzig, gutmütig, zuverlässig und — lahmarschig. Ich musste ihr hin und wieder Feuer unterm Hintern machen, aber im Prinzip war alles gut, solange man sie nicht ans Bügeleisen ließ. Ich traute mich, sie alleine im Haus zu lassen. Ein Schlüssel gab ich ihr aber nicht. Nicht weil ich ihr nicht vertraute, sondern weil mir ihr Freund nicht ganz knusper erschien. Ich kannte ihn nur vom Telefon; er machte die Termine aus. Er wusste, wann ich zuhause war und wann nicht. Natürlich wäre es schön, nach der Arbeit in eine geputzte und aufgeräumte Wohnung zu kommen – ich hatte aber Schiss, dass sie zudem auch leergeräumt sein könnte… Irgendwann zog Alexandra weg.

Dann kam der Euro. Alexandra meldete sich, sie hätte jetzt einen Führerschein; dafür war ihr Freund jetzt ihr Mann und ihr Mann war arbeitslos. Also kam sie wieder für 10! Euro die Stunde. W I E bitte? 10 Euro? Und das auch noch schwarz? Da ich noch in Elternzeit war, suchte ich mir einen Nebenverdienst. 400-Euro-Basis – 7,50 Euro die Stunde. Ich handelte Alexandra auf 8 Euro runter. Kurzzeitig war ich besänftigt, zumal ich ja den Bürojob hatte…

Meine Unruhe wuchs erneut als die Wörter „Putzfrau“ und „Sozialversicherung“ in den Medien in Kombination mit „Affären“ auftraten. Irgendwann kam dann noch das Wort „Anmelden!“ dazu. Mein Gewissen nagte an mir. Ich versuchte mit Alexandra darüber zu reden. Sie wäre dann halt eine Freundin zu Besuch, meinte sie in ihrer unbekümmerten Jugend. Ja, ist völlig klar. So mache ich das ja grundsätzlich, lade mir Besuch ein, um ihn dann alleine im Haus zurückzulassen. Ihr Freund meinte beim nächsten Telefonat: „Anmelden? Kommt gar nicht in Frage! Wir brauchen das Geld. Wir sparen… .“ Wir? Ah,ja.

Mittlerweile war ich in meinen Beruf – mehr oder weniger – zurückgekehrt. Alexandras Freund handelte mich auf 9 Euro hoch. Alle anderen zahlten 10 Euro. Ich hatte Alpträume von meinem schusseligen Putzmädchen, dass die Leiter herunterfiel. Ich verbat ihr die Leiter überhaupt aus dem Keller zu holen. Während ich unterwegs war, hoffte ich, dass sie nicht auf der frisch geputzten, noch feuchten Treppe, ausglitt. Bei ihrer Trägheit, fast ein Ding der Unmöglichkeit. Aber ist es nicht so, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren? Ich gab auf – und putzte fortan wieder selber…

Mein Vorteil: Ich darf jederzeit putzen, auch ohne den Hahn zu fragen und ich mach’s kostenlos. 😛

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Kategorien: Hühnerhaufen | Schlagwörter: , | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Putzen? Oder putzen lassen?

  1. Putzt der Hahn auch mal mit? 😉

    • ja, meistens fängt er sogar an… guckst du hier: http://wp.me/p1dYaO-22 ich meine, ich hätte auch woanders noch darüber geschrieben, finde es aber gerade nicht. Diesbezüglich kann ich mich nicht (immer 😉 ) beschweren…

  2. Krodderd

    Ach, so eine Putzfrau wäre schon was feines. Haushalt finde ich lästig.
    Aber was ich garnicht mag ist Fenster putzen und ich hasse staubsaugen.
    Allein dafür hätte ich gerne jemanden.

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