Das Verlangen nach einem Neuanfang

Die zweite Pubertät macht sich auch durch den dringenden Wunsch nach Veränderung, nach drastischer Veränderung, nach einem Neuanfang bemerkbar. „Das kann doch nicht alles gewesen sein“, ist der Gedanke mit dem alles beginnt. „Wenn jetzt nicht, wann dann?“, ist die auslösende Frage dazu. Und das Gedankenkarussell beginnt sich zu drehen; Grübeleien, die in Unzufriedenheit münden. Bei mir bezieht sich der Wunsch nach drastischer Veränderung auf meine Arbeit.

Das hab ich mir irgendwie schöner gedacht.

Ich glaub ich hab irgend nen Fehler gemacht.

Ich hatte doch höhere Ziele, wollt Roederer trinken,

Vermögen verdienen über Nacht.

Stattdessen sitz ich hier den ganzen Tag

trink zu viel Kaffee den ich nicht vertrag.

Kopiere Papiere, die ich nicht kapiere

und später sortiere ich sie in ein Fach.

Doch wo ist der Sinn, da wollt ich nie hin.

Was bitte glauben die bloß wer ich bin?

(Fanta 4 – Es könnt’ alles so einfach sein)

Ich habe damals schon gedacht: „Huhn, die singen über dich“.

Ich bin mir ganz sicher, dass Hormone bei diesem Prozess eine Rolle spielen. Und wie das mit den Hormonen so ist, spinnen sie mal mehr, mal weniger. Deshalb gibt es auch bei mir durchaus Phasen, in denen ich zwar nicht mit Freude aber gelassen meiner Arbeit nachgehe. Aber es gibt auch Tage, an denen ich den Kalender zücke, um meine Kündigungsfrist zu überprüfen; an denen ich meine Handtasche griffbereit hinstelle und darauf warte, dass mir jemand blöd kommt, um dann einfach – auf Nimmerwiedersehen – zu verschwinden. Doch was macht mich so unzufrieden?

Meine Arbeit macht seit meiner Rückkehr aus der Erziehungszeit eine Andere. Sie ist jetzt außerdem meine Vorgesetzte. Ich bin nun also meine ehemalige Assistentin – oder so ähnlich 😉 Wir kommen zudem überhaupt nicht miteinander klar. Wir haben völlig andere Arbeitsweisen. Bei ihr geht alles von hinten rum durchs Knie. Ich fackele nicht lange und fange einfach an. Sie ist hintenherum, ich bin direkt. Weil ihr meine Art nicht passt; jammert sie ständig beim Geschäftsführer über mich ‚rum. Dem bin ich nun ein Dorn im Auge, weil ich ja offensichtlich „schwierig“ bin. Meine Aufstiegsmöglichkeiten sind gleich Null. Fremdsprachen werden keine gebraucht – nicht einmal Englisch. Also?

@Mine_Gute twitterte irgendwann im März: „ Verdammte Hacke! Wenn ihr nur über euren Job meckern könnt, dann macht was anderes o. ändert die Bedingungen! #Jammerjobtweets“

Sie hatte damals nicht mich gemeint. Ich jammere ja nur hier im Blog darüber 😉 Aber sie hat ja soooo Recht. Mein Problem – und hier muss ich wieder einmal Ildiko von Kürthy zitieren: „Ich bin unzufrieden. Aber nicht unzufrieden genug, um etwas zu ändern. Ich bin zufrieden. Aber nicht zufrieden genug, um alles beim alten belassen zu wollen“. Dazu kommt, ich bin unheimlich träge und irgendwie blockiert. Wo soll ich denn hin? Ich bin ja sowieso zu teuer. Bewerbungen schreiben? Nix für mich! Lieber Connections! Und bin ich dann in der Probezeit? Wer weiß, wie sicher der neue Arbeitsplatz ist… Und prompt fällt mir ein Tweet von @Petapan2 ein: „Wer will, sucht Wege. Wer nicht will, sucht Gründe“. An wen erinnert mich das jetzt? 😛

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Erster Text zum Thema => 2.Pubertät

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Kategorien: in der (zweiten) Pubertät | 6 Kommentare

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6 Gedanken zu „Das Verlangen nach einem Neuanfang

  1. Bin erst jetzt auf deinen Artikel gestoßen und muss dir – spät aber doch – meine persönlichen Erfahrungen aufdrängen. Nach einem besonderen Joberlebnis – die Detals beschreibe ich in meinem neuen Blog – schwanke ich mehrmals täglich zwischen dem Umstieg auf Vollzeit-Mutter, mir einen neuen Job zu suchen oder das Beste aus der derzeitigen Situation zu machen.
    Meine Arbeitssuche war frustrierend: es gibt so gut wie keine qualifizierten Teilzeitjobs, wenn ich überhaupt die Wahl habe, dann zwischen einem Assistentinnenjob mit halbem Gehalt und einem mehr-als-Vollzeitjob. Obwohl meine Kids ab Herbst beide auf dem Gymi sind, möchte ich ihnen in diesen letzten Jahren, wo sie es noch wünschen, weiterhin genug Zeit widmen. Dafür habe ich sie ja schließlich bekommen. Solange der Anwesenheitskult vorherrscht, haben wir Teilzeit-Mums keine Chance auf die guten Jobs.
    Die Idee mit der Vollzeit-Mama fand meine Familie gar nicht gut. „Bitte keine Pausenbrot-Mama werden“ riefen meine Kids mit leichtem panischen Unterton. Mir selbst ist bei dem Gedanken daran auch nicht wirklich wohl, meinem Mann die ganze finanzielle Verantwortung alleine aufzuladen und meine wirtschaftliche Selbstständigkeit aufzugeben, wenn es die Umstände nicht unbedingt erfordern. Da die Beibehaltung des Status quo ohnehin das einfachste ist, übe ich mich jetzt in der Veränderung meiner Einstellung: Die Arbeit ist einfach nur mehr Arbeit, mehr nicht. Gelingt mir unterschiedlich gut.
    Bin gespannt, wie du die Situation weiterentwickeln wirst und verfolge gerne deinen Blog

    • Vielen Dank für deinen tollen und ausführlichen Kommentar. Habe deine Geschichte in deinem Blog bereits gelesen. Leider weiß ich nichts tröstliches zu sagen. 😦
      Wie es bei mir weitergeht, tja, das wird wohl schon hier irgendwo zu lesen sein…. weiß noch nicht in welcher Form, denn eigentlich schreibe ich ja hier, um mich von der blöden Situation abzulenken. Es gibt von mir einen noch älteren Text zum Thema und ein Interview mit einer anderen WorkingMum.

  2. Ich habe doch gesagt, Du schreibst aus meinem Leben.

    In meinem Blog findest Du am 28. Juli 2010 einen Beitrag mit der Überschrift: Ballast abwerfen.

    Ich habe diesen Schritt nie bereut, es war für mich der einzig Richtige.

    • WOW! Hut ab, dass du so mutig warst, alles hinzuschmeißen, von jetzt auf gleich, obwohl ihr das Geld braucht! Es war bestimmt ein erhabenes Gefühl, da rauszuspazieren und nicht mehr wiederzukommen… Schön, dass du gleich was neues gefunden hast. Gratuliere!
      wh

      • Peter

        Ich wurde mal vor langer Zeit plötzlich gemobbt, jegliche Verantwortung wurde anderen übertragen und die freundlichen Worte wurden weniger. Dann habe ich gekündigt und mich selbständig gemacht. Was damals vor 26 Jahren noch prima funktionierte, klappt heute nicht mehr und ich könnte mich heute noch in den Arsch beißen, das ich diesen Schritt gegangen bin. Die soziale Sicherheit (auch gegenüber Deiner Familie) hast Du nur, wenn Du in einem Arbeitsverhältnis stehst, deinen Job machst und ab Feierabend die arbeit Arbeit sein lässt. Daher mein Tipp: Such Dir ohne das Wissen Deines Chefs jetzt schon mal was anderes und wenn Du fündig geworden bist, kündigst Du. Stehst Du nämlich erst einmal auf der Liste der Arbeitssuchenden in der ARGE, kriegst Du in Deinem Alter nix mehr. Meine Frau war 20 Jahren bei mir beschäftigt (erst Vollzeit, später Halbtags). Jetzt, wo ich es mir nicht mehr leisten kann, sucht sie einen Job (Industriekauffrau). Sie hat sämtliche Kurse der ARGE durch und alle mit Note 1 bestanden. Sie hat die Ausbildereignungsprüfung mit Auszeichnung bestanden und sie ist in der Buchhaltung absolut perfekt. Aber sie bekommt keinen Job, weil sie über 50 ist. So isses und deshalb kündige erst, wenn Du wirklich eine andere Zusage schriftlich hast.

  3. Fühle mich immer gleichermaßen geehrt und überbewertet, wenn mich jemand zitiert. Das dumme am Wege suchen ist ja, dass man auch nie weiß, welcher in die richtige Richtung führt. Und wenn man erst einmal was .in Bewegung gesetzt hat, weiß man ja auch nie, was das für Folgen haben wird. Deswegen ist das mit den Gründen ja auch viel einfacher. Im Zweifelsfall bleibt alles folgenlos.

    Ich wünsche dir, dass du deinen Weg findest.

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