Nachbetrachtung

Nachdem ich gestern morgen meinen Beitrag über einen Artikel in der Frankfurter Rundschau über “Muttergefühle.Gesamtausgabe” von Rike Drust gepostet hatte, zu einem Zeitpunkt in dem hier im Hühnerstall auch noch nicht die Wogen hochschlugen, grübelte ich noch ein bisschen über das Buch nach.

Der Titel störte mich maßlos, stört mich immer noch. Von “Gesamtausgabe” zu sprechen, finde ich völlig überzogen. Und wenn Nina Scholz in ihrem Artikel  von “neuen Erkenntnissen” schreibt, finde ich es ebenfalls übertrieben. Denn, die Erfahrungen, die Rike Drust beschreibt, sind nicht neu. Die haben alle oder zumindest sehr, sehr viele Mamas durchgemacht.Und auch die Väter verfügen über tolle Erlebnisse mit ihrem Nachwuchs. Selbst Michael Mittermeier hat über seine Erfahrungen geschrieben. Und früher gab es bereits einen Kester Schlenz.

Alle Bücher haben eines gemein: Sie wollen unterhalten. Und wie ich den aufgebrachten Kommentaren entnehmen konnte, unterhält Rike Drust mit ihrem Buch wohl sehr gut. Liest man den Artikel von Nina Scholz allerdings, bekommt man – bekam ich – nicht den Eindruck vermittelt, dass es der Unterhaltung dient. Von Ungerechtigkeit, Kämpfen, Besserwissern, Einsamkeit wird dort geschrieben – also ganz ehrlich, DAS hört sich NICHT lustig an. Im Artikel wird außerdem auf die jetzt schon mehrfach erwähnten Erkenntnisse hingewiesen. Erkenntnisse, die für eine junge Mutter neu sein mögen, wenn sie sich allen Medien verschlossen hat.

Bereits im vergangenen Jahr titelte die FR, dass deutsche Mütter sich zu sehr unter Druck setzen, so die Ergebnisse einer Studie, auf die ich am 6. Dez. Bezug genommen habe.

Und vielleicht kann Rike Drust gar nichts für diesen Titel. Vielleicht hat der Bertelmann Verlag ihn ausgesucht. Dann wäre meine Bitte aber an den Verlag doch weitere Ausgaben hinzuzufügen – und dann alle Teile zusammen als Gesamtausgabe zu bezeichnen. Also

  • die ersten Jahre
  • im Kindergarten
  • in der Grundschule…. usw.
Die ersten Jahre sind doch nur ein Teil von dem, was Muttergefühle ausmachen. Wenn ich daran denke, als ich zum ersten Mal beim Elternsprechtag im Gymnasium war und feststellen musste, dass mein K1 in der Schule offensichtlich ganz anders ist, als zu Hause. Oder wenn deine Küken in der Schule gemobbt oder von Lehrern fertig gemacht werden… :-(
So, ich hoffe, es war verständlich.  Und ich würde mich freuen, wenn alle, die gestern hier diskutiert haben, auch heute wieder vorbei schauen würden.
Und jetzt noch ein zweites Thema – in den Kommentaren angesprochen von Claudia, der ich ja eine Antwort versprochen habe ;-)
Leider hat sie Recht, dass Mütter – ich gehe sogar noch weiter und sage Frauen – sich gerne gegenseitig fertig machen. Es geht immer Gegeneinander.
  • Mädchenmamas – Jungenmamas
  • Hausfrauen – Arbeitnehmerinnen
  • Mamas, die arbeiten gehen – Mamas, die nicht arbeiten gehen
  • Mamas, die keine Elternzeit nehmen – Mamas, die die gesamte Elternzeit zu Hause bleiben
  • Teilzeit – Vollzeit
  • Schwiegermütter
Die Liste lässt sich natürlich noch verlängern. Ein echtes Dilemma der Weiblichkeit. Dazu kommt, dass keine werdende Mutter Tipps von anderen Müttern haben will; genauso wie man beim ersten Kind auf keinen Fall gebrauchte Kleidung oder andere gebrauchte Sachen für den Nachwuchs haben möchte. Die einen fühlen sich bevormundet; die anderen sind beleidigt, weil man ihnen nicht zuhören will.
Auch ich nehme mich da nicht raus – ich bin nicht immer verständnisvoll gegenüber anderen Frauen. Auch ich werde von Neid zerfressen und hege Missgunst (s.a. mein Text über Urlaub in den Herbstferien).
Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich nicht auf Rike Drust eingehackt habe. Sollte ein gegenteiliger Eindruck entstanden sein, dann tut es mir leid. Ich hoffe sehr, dass meine Meinung nun klar wurde – lang genug war der Text ja :-)    (Fortsetzung - ja, das Thema lässt mich nicht los).

6 Kommentare (+add yours?)

  1. Claudia
    Sep 20, 2011 @ 10:51:59

    Zunächst einmal: Ich finds super, das du nochmal auf das Thema eingehst und vor allem fühle ich mich geehrt extra erwähnt zu werden. :-)
    Ok, du hast vielleicht gestern nicht gehackt aber du hast diese Sätze geschrieben, die ich so hasse. Nämliche diese “Komm du erstmal in mein Alter, hab du erstmal soviel Kinder wie ich, hab du erstmal ältere Kinder..” etc.Ich mag sowas nicht, das klingt nämlich immer irgendwie überheblich. Es ist vielleicht gar nicht so gemeint aber es klingt so.
    Gehackt wurde aber leider trotzdem, hier wie auf Facebook in den Kommentaren. Sowas find ich ganz schrecklich und leider leider (so wie du) sehr weiblich. :-(
    Ich nehm mich da auch gar nicht raus, manchmal geht es eben mit einem durch. Umso schöner, wenn man am nächsten tag nochmal in Ruhe drüber reden kann. :-)
    Ob nun der Frust über doofe Kitaerzieherinnen sich wirklich so essentiell vom Frust über scheiß Lehrer unterscheidet kann ich nicht beurteilen, meine Jungs sind nämlich beide unter zwei. (Und keine Zwillinge).
    Ich hab übrigens den Titel “Gesamtausgabe” auch gar nicht so verstanden, das da nun wirklich ALLES drin steht, sondern einfach das auch mal die negativen Seiten einfach nur offen angesprochen werden und nicht immer nur die “korrekten”.

    Interessant find ich ja, das hier heute noch gar nicht soviel los ist, wo doch gestern alle so erpicht auf das Thema waren.

    Kommentar

  2. Rike
    Sep 20, 2011 @ 14:09:30

    Hallo Frau Huhn, ich bin Rike Drust.
    Na, da war ja was los.
    Gestern hast du meiner Meinung nach sehr wohl gehackt. Das fand ich doof.
    Vor allem, weil du das Buch überhaupt nicht gelesen hast. Sonst hättest du nicht geschrieben, was du geschrieben hast, zum Beispiel, hättest du mich keine “Alleswisserin” genannt, im Buch geht es nämlich ziemlich oft eher darum, dass ich eine “Überhauptnichtswisserin” bin und wie ich damit umgehe.

    Ich finde diese Einstellung “Was will die denn, die hat ja nur ein Kind usw.” frauenfeindlich. Mit solchen Kommentaren tun wir Mütter uns keinen Gefallen.
    Mir geht es gerade darum, KEINE bescheuerten Ranglisten zu erstellen und klar zu machen, dass keine Mutter wegen Kinderanzahl/Alter/Gewicht/Beruf usw. besser oder schlechter ist, sondern es einfach so macht, wie sie es nun mal macht. Alles ist ok (außer Hauen natürlich), wir geben alle auf unsere Weise unser Bestes und das ist toll!

    Die altbekannten Themen habe ich aufgegriffen, weil es (leider) immer noch die Themen sind, die auf die Agenda müssen und mich sehr beschäftigt haben. Und mit deinem Beitrag gestern hast du ja quasi selbst gezeigt, dass diese Themen noch nicht durch sind. Aber heute hast du mit deiner Nachbeobachtung Größe gezeigt, das finde ich wirklich beeindruckend. Vielen Dank dafür!

    Viele Grüße (und sag Bescheid, wenn du wen brauchst, der den Mobbern deines Kindes eine reinhaut :)

    Rike

    Kommentar

    • wildes Huhn
      Sep 20, 2011 @ 14:42:18

      ich freue mich riesig, über deinen Kommentar liebe Rike. Und habe gleich noch ein paar Fragen ;-)

      1. Wenn du dich hin- und wieder als “Überhauptnichtswisserin” siehst, wie hilfst du dir dann aus dieser Wissenslücke heraus?

      Frisch gebackene Mamas wollen sehr oft nicht die Meinung von anderen hören, weil sie ihr eigenes Ding machen wollen – dabei ist nicht alles schlecht, was andere sagen. Dabei geben die frisch gebackenen Mütter, den nicht mehr so frischen Müttern das Gefühl, dass sie ja wohl alles falsch gemacht hätten. Witzig: Ich habe kürzlich in der BRIGITTE in der Kolumne von Julia Karnick genau darüber gelesen. Auslöser war wohl ein Lammfell und in welcher Position Babys am sichersten schlafen….
      Und die Mütter mit älteren Kindern kommen halt gerne “superschlau” und überheblich daher und machen sich unbeliebt. Dieses “krieg du erst mal dein zweites Kind…” ist ja genau so ein Spruch. Aber diese Überheblichkeit findet man auch in anderen Lebensbereichen und auch bei Männern “komm du erst mal in mein Alter”… ist nichts anderes.

      2. Du kennst doch sicher den Artikel, der gestern in der Rundschau und davor sicher schon in Berlin erschienen ist? Wie kommt er denn für dich ‘rüber?

      Nach der ganzen Diskussion, habe ich ihn mir ganz spät am Abend noch einmal durchgelesen. Ich habe es oben ja schon geschrieben, es wird nicht der Eindruck vermittelt, dass es sich um Unterhaltung – so, wie es die Leserinnen hier geschrieben haben – handelt.

      Kommentar

  3. Rike
    Sep 20, 2011 @ 21:13:41

    Hallo Frau Huhn,
    gern beantworte ich deine Fragen.
    Aus dieser Wissenslücke komme ich immer unterschiedlich raus. Manchmal warte ich ab, bis die Phase vorbei ist, manchmal flippe ich aus, manchmal probiere ich verschiedene Verhaltensweisen, manchmal lese ich was nach und meistens spreche ich mit befreundeten Müttern, die mir allein dadurch helfen, dass sie sagen: “Kenn ich, finde ich auch furchtbar anstrengend.” Und bestenfalls gehen diese Mütter anders mit dem jeweiligen Thema um, und ich kann mir deren Verhaltensweisen abgucken.

    Das Problem mit besserwissenden Müttern/Menschen ist, glaube ich, dass viele von ihnen nicht so richtig an einer Lösung des tatsächlichen Problems interessiert sind, sondern ihre Version von Richtig auf die das Problem der Mutter zwingen. Und dieses Richtig gibt es eben nicht. Jedes Kind ist verschieden. Alle Eltern sind verschieden. Ich finde, Eltern sollten keine Tipps aufgedrückt bekommen, sondern lieber ein gutes Gefühl, das sie darin bestärkt, auf ihre Intuition zu hören und ihren eigenen Entscheidungen zu vertrauen.

    Julia Karnick finde ich übrigens so großartig wie den Artikel in der FR. Ich wäre ja auch sehr blöd, wenn ich das nicht täte, schließlich ist er wirklich nett, er bringt alle Punkte heraus, die mir wichtig waren. Nicht zuletzt regt zum Kauf und mindestens zur Diskussion an. :) Deinen Punkt, dass nicht unbedingt herauskommt, dass das Buch auch unterhaltsam ist, kann ich verstehen, aber der Titel “Muttergefühle. GESAMTAUSGABE” beinhaltet selbstverständlich auch den Spaß :)

    Diese Diskussion freut mich wirklich sehr!
    Ich wünsche dir einen schönen Abend,

    Rike

    Kommentar

  4. Marie
    Feb 05, 2012 @ 21:00:18

    Liebe Frau Drust,
    ich habe mit grosser Freude das Buch “oje ich wachse” gelesen und mich damit auch sehr wohlgefühlt.Einen Tipp aufdrücken lasse ich mir nie, denn man kann sich über die Inhalte der Ratgeberbücher schliesslich vorher informieren,bevor man sie liest.Andere Mütter waren für mich immer eine andere Baustelle weil,
    wie sie richtig festgestellt haben, Kinder und Erziehungsstile sehr unterschiedlich sein können.Die Besserwissermutter hatte wohl eher ein Problem mit ihrer Person oder Sie Frau Drust mit der Art der jeweiligen Mutter.Nun neigen wir oft dazu Menschen zu mögen die uns ähneln .Einen Rat von einer Person anzunehmen die uns nicht liegt erscheint mir immer als schwierig.Wäre ich eine unerfahrene Mutter,
    würde ich keine mir wirklich helfende Erkenntnis aus ihrem Buch ziehen können .Sie scheinen sehr viel davon abhängig davon zu machen was andere über sie denken oder denken könnten.Nicht jeder der als Unbeteiligter einen Wutanfall ihres Kindes mitbekommt urteilt auch über Sie oder das Kind.Es passiert halt etwas in der näheren Umgebung und da schaut man halt.Ich könnte noch mehr schreiben ,aber es ist schon spät.Alles Gute und viel Erfolg mit ihrem Buch,Sie bersten ja auch irgendwie “ohne es zu wollen “…

    Kommentar

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