Eine Gesamtausgabe der Muttergefühle?
19 Sep 2011 14 Kommentare
in Hühnerhaufen Tags:Bücher
Nachtrag 25.10.:
Ich finde es total interessant, wieviele Aufrufe es auch heute immer noch auf diesen Text gibt, den ich an einem Montag im September total angenervt geschrieben habe. Deshalb möchte ich allen, die durch Links von anderen Blogs hierher umgeleitet wurden, erst einmal ein freundliches WILLKOMMEN zurufen und darauf hinweisen, dass ihr erstmaligen Besucher jetzt ganz viel zu lesen habt. Unter diesem Text gibt es zahlreiche Kommentare.
Richtig interessant werden die Kommentare aber erst im Fortsetzungstext – dort hat sich nämlich die Autorin persönlich geäußert.
Irgendwann habe ich mir generell so meine Gedanken zum Thema (Einhacken auf allen Ebenen und Andere nennen es Kolumne) gemacht, um dann festzustellen, dass ich doch ruhig auch mal anderer Meinung sein darf (was für ein Theater). Letztendlich habe ich mich einmal im Kreis gedreht.
Ich schreibe das deshalb, weil die “ich-bin-zum-ersten-Mal-hier-Besucher-und-muss-jetzt-mal-gucken-ob-das-stimmt-was-behauptet-wurde” kaum bis zum Ende aller Texte durchhalten. Und wer meint, hier eine große Ungerechtigkeit oder gar einen Skandal vorzufinden, den muss ich leider enttäuschen… Wir haben uns nämlich schon längst wieder alle lieb!
So und jetzt geht’s los!
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ACHTUNG! DAS ist KEINE Buchbesprechung!!!! (Buchbesprechungen sind als solche gekennzeichnet).
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“Muttergefühle. Gesamtausgabe” ist der Titel eines Buches (Bertelsmann Verlag) von Rike Drust. Drust ist Jahrgang 75 und hat einen (!) Sohn im Alter von zweieinhalb (!) Jahren.
Wieder einmal meint eine junge Mutter, spektakuläre Erkenntnisse gesammelt zu haben. Wieder einmal spielt sich jemand als Alleswisserin auf. Ich finde es reichlich vermessen als Erstlingsmutter mit einem Kind, das noch nicht einmal den Kindergarten besucht, sein Buch als “Gesamtausgabe” zu bezeichnen. Jetzt setze ich mich auch einmal aufs hohe Ross:
Sehr geehrte Frau Drust, bekommen Sie erst einmal ein zweites oder gar drittes Kind (dann ist Ihnen beim Windeln oder Füttern auch nicht mehr langweilig) und lassen Sie diese auch erst einmal zehn Jahre älter werden. Und wenn Ihr Kind von Daheim auszieht, DANN können wir gerne noch einmal über die Palette der Muttergefühle als Gesamtausgabe sprechen. Du liebe Zeit, Sie stehen doch noch ganz am Anfang…
Doch nun zu den “spektakulären” Erkenntnissen. Laut eines Artikels von Nina Scholz (u.a. heute in der Frankfurter Rundschau) gehören dazu:
- Mütterlicher Konkurrenzkampf auf dem Spielplatz
- keine Gleichberechtigung mehr – weder in der Arbeitswelt, noch im Privatleben
- (Schlaumeier-) Verwandschaft ohne Feingefühl
- der Wunsch nach mehr, als nur Hausfrau und Mutter zu sein
- die große Einsamkeit
- Verständnislosigkeit gegenüber Entscheidungen der Mutter
- Ratlosigkeit und/oder Überforderung bezüglich schreiender Säuglinge
- schlechtes Gewissen wegen negativer Gefühle
Auch an den Überschriften der Kapitel (bei Amazon kann man übrigens einen Blick ins Buch werfen) erkennt man schnell, dass in dem Buch nichts neues steht. Da kann ich nur müde drüber lächeln. Ist alles bekannt. Wissen wir anderen Mamas alle schon. Steht außerdem in allen Facetten in den zahlreichen Elternzeitschriften und in den jetzt den Markt überschwemmenden Mama-Zeitschriften. Ja, sogar Spielfilme nehmen sich der Thematik an.
Nina Scholz indes behauptet ” ‘Muttergefühle’ erscheint genau zum richtigen Zeitpunkt. Mütter können im 21. Jahrhundert eigentlich alles nur noch falsch machen. Gehen sie wieder arbeiten, sind sie Rabenmütter…” Ich behaupte: Es kommt zwanzig Jahre zu spät. Die Diskussion um die Rabenmütter spielte sich in den 90er Jahren ab, oder sogar noch früher. Frauen, die beides wollen, Kind und Beruf (ich schreibe jetzt extra nicht Karriere) gibt es nämlich schon länger.
Hätte hier gerne noch den Link zur Frankfurter Rundschau genannt – Text ist auf fr-online aber nicht zu finden
FORTSETZUNG

Sep 19, 2011 @ 09:12:35
Da kann ich auch nur müde drüber lächeln.. Was die erst für einen “Spaß” kriegt, wenn der arme Spross in die Schule kommt!
Sep 19, 2011 @ 09:58:39
Man kann doch beides gut vereinbaren Job und Arbeit. Leider ist die zahl der Kinderbetreungsstätten seit der Wende stark zurück gegegangen und die Regierung labert nur Müll. Passiert ist nichts das es mehr Einrichtugen gibt zu Betreung. Frauen die beides machen arbeiten und Kinder haben sin viel ausgegelichener. hab ich schon durch meinen Job erlebt
Sep 19, 2011 @ 12:46:05
Ich lächele auch mal müde darüber. Und Rippchen: Ja, aber der Schule wird das Ganze richtig lustig. Aber der große Spaß kommt erst, wenn man drei Kinder hat, die jeweils nur 1 Jahr auseinander sind.
Erst 3 unter 3 im Wickelalter (ich kann in allen möglichen und unmöglichen Lebenssituationen wickeln, auch im Dunkeln
), dann die Suche nach dem richtigen Kindergarten, weil Frau ja auch noch einen Kindergarten möchte, in dem alle drei Kinder nicht in einer Gruppe sind.
Und jetzt die Grundschulzeit (Frau Huhn, nächstes Jahr kann ich dann auch über die weiterführende Schule mitreden). Drei Kinder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, inklusive Aktivitäten an der Schule (von mir) plus privater Termine der Kinder. Ganz zu schweigen von den Arztterminen.
Das ist lustig. Aber darüber kann die gute Frau Drust nicht mitreden. Und wenn sie es bei dem einen Kind belässt, wird sie es auch nie können. Iss so…
Über die Betreuungsmöglichkeiten könnte ich Romane schreiben oder auch Blogbeiträge. Sollte ich vielleicht mal machen und Frau Drust dann zusenden
Sep 19, 2011 @ 14:00:12
Warum müssen Mütter eigentlich dauernd aufeinander einhacken?! Übrigens ist ein Leitspruch des Buches von Frau Drust, das doch alle mal alle in Ruhe lassen sollten. (Wüsste die Artikelschreiberin auch, wenn sie es denn ganz gelesen hätte statt nur bei Amazon das Inhaltsverzeichniszu überfliegen.)
Na klar ist es keine bahnbrechende neue Erkenntnis, das es mit der Gleichberechtigung hapert oder das Mütter in Konkurrenzkampf ausbrechen (Kommentare wie krieg du erst mal noch mehr Kinder oder lass deins erstmal älter werden sind ja mal wieder Paradebeispiele dafür). Aber was dieses Buch von allen anderen unterscheidet ist das es eben nicht mit schlauen Ratschlägen kommt sondern sagt: Du kannst dein Kind und die ganze Situation manchmal scheiße finden und es trotzdem über alles lieben”
Schade das die Leistung einer jungen Mutter ein irre witziges, authentisches und ehrliches Buch zu schreiben (mal wieder) von anderen Müttern nicht gewürdigt wird. Stattdessen geht das übliche “ich habs viel schwerer als du (also bin ich auch besser)”-Gelaber los, weil man mehr als ein Kind hat oder die Kinder schon älter sind.
Sep 19, 2011 @ 14:47:25
hach, endlich mal Leben in der Bude!
@mark – ich habe nie behauptet, dass es eine Buchbesprechung sein soll. Vielmehr beziehe ich mich auf einen Artikel in der Frankfurter Rundschau, der heute im Magazin erschienen ist. Meinst du das mit den Transparenten ernst? wenn ja, dann frage ich mich, wo sind denn die bahnbrechenden Erkenntnisse? /Nachtrag: habe den Kommi von “Mark” gelöscht, weil er keine korrekte Mail-Anschrift angegeben hat.
@claudia – ausführliche Antwort kommt morgen im extra Beitrag. ich lege aber Wert darauf, dass ich nicht auf die Autorin eingehackt habe und bitte dich im Tonfall zu mäßigen.
Vielmehr geht mein Vorwurf an den Titel GESAMTAUSGABE! und da bleibe ich auch dabei – es ist schon ziemlich vermessen nach 2,5 Jahren die Gesamtheit der Muttergefühle beschreiben zu wollen…
Sep 19, 2011 @ 14:57:46
Während Sie hier alle müde über die Autorin lächeln, haben wir (selber auch Eltern) das Buch gelesen und dabei mehr als gelächelt. Tatsächlich ist das Buch unglaublich ehrlich, ohne jede Klugscheisserei und vor allem wirklich gut und witzig geschrieben.
Im Übrigen wird die oben belächelte “Gesamtausgabe” im gesamten Buch immer wieder gerade gerückt und auf die Unvollständigkeit hingewiesen.
Ach ja, am Ende findet sich ein eindeutiger und durchaus glaubwürdiger Ausdruck des Respekts gerade gegenüber (Alleinerziehenden) Müttern mehrerer Kinder.
Aber dazu reicht das bloße Lesen der Inhaltsangabe bei Amazon eben nicht. Daher: erst lesen, dann meckern!
Sep 19, 2011 @ 16:25:02
Ich kann mich Claudia und Dirk nur anschließen! Ich habe das Buch fast durch, habe (Achtung:) 2 Kinder, und ich habe selten so gelacht! Liebe “Frau Huhn”, kommen Sie doch mal kurz von Ihrem “hohen Ross” runter und lesen das Buch. Ich verspreche Ihnen, dass es selbst der humorlosesten Mutter ein Lächeln ins Gesicht zaubert…
Sep 19, 2011 @ 16:42:39
Ich bin nicht humorlos – wie man in diesem Blog nachlesen kann.
Und ich betone gerne noch einmal: Was mich stört, ist allein der Titel…
Sep 20, 2011 @ 09:36:23
Ach, lasst doch jeden schreiben, was er/sie will. Man muss ja nicht alles lesen. Mein “Erziehungsratgeber” bestand aus Werken von Evelyn Sanders, “Mit fünfen ist man kinderreich” etc. Da hab ich auch gelacht.
Aber dazu war das Buch ja auch gedacht. Ansonsten halte ich mich von “Ratgeberbüchern” eher fern, hab das auch immer getan, da jedes Kind anders ist. Nein, ich muss mich korrigieren – hab damals das allseits empfohlene Buch “Jedes Kind kann schlafen” gekauft und wollte anschließend dann die Fortsetzung “Meins aber nicht und schon gar nicht so” auf den Markt bringen.
Sep 20, 2011 @ 09:53:54
DAS wäre ein toller Buchtitel gewesen!!!!!!! KLASSE!
Gute Idee zu jedem theoretischen Ratgebern – den Tatsachenbericht zu liefern.
Sep 21, 2011 @ 09:31:36
Ich habe etwas überlegt ob ich hierzu auch meinen Senf abgeben soll. Aber weil mir das irgendwie keine Ruhe lässt und mich gewisse Dinge einfach immer wieder aufregen, schreibe ich einfach mal.
Zuerst muss ich sagen, ich habe das Buch von Frau Drust nicht gelesen. Ich habe es auch nicht vor. Der erste und einzige “Ratgeber” den ich gelesen habe (das aber mit Begeisterung) war während meiner Schwangerschaft über die Entwicklung des Kindes im Mutterleib und wie dieser darauf reagiert.
Ebenso möchte ich anmerken das ich Jahrgang 1977 bin und einen Sohn (4) habe. Das nur so am Rande, denn meiner Erfahrung nach spielt das für die eine oder andere Mama eine Rolle ob sie mich für voll nimmt.
Und das ist genau das worüber ich hier schreiben möchte, meine Erfahrungen mit anderen Müttern und das mir der eine oder andere Satz, der hier gefallen ist, doch sehr bekannt vorkommt.
Ich weiß, es ist eine Eigenart der Frau andere / anderes gern schlecht zu machen, aus welchen Gründen auch immer. Es ist ebenso eine Eigenart der Frau sich mehr oder weniger als einsame Kämpferin auf dem Schlachtfeld der Kindererziehung darzustellen, ob nun berechtigt oder nicht. Und es gibt durchaus Konkurrenzkämpfe unter Müttern, ob nun bewusst oder nicht.
Aus dem was ich hier von dem Buch gelesen habe sage ich mal, ok, die Erkenntnisse sind wohl nicht bahnbrechend neu. Vieles sagt einem der gesunde Menschenverstand. Doch wehe man wagt es als Ein-Kind-Mutter seine Erfahrungen, Sorgen oder gar Belastungen zu sagen. Dann erntet man eben dieses müde Lächeln und Kommentare wie “Hab du erst mal zwei / drei”, “Komm du mal in mein Alter” “Hab du mal meine Probleme” usw. Alles nach dem Motto “Ich habe es viel schwerer als du, auch wenn du alleinerziehend bist”. Und ich sage es offen, das kommt maßlos überheblich rüber, selbst wenn es nicht so gemeint ist.
Jede Mehr-Kind-Mutter war irgendwann mal Ein-Kind-Mutter, für die alles neu war, die vielleicht auch mal unsicher war und eben nicht so gelassen, weil “kennt man schon”. Aber das scheint man wohl zu vergessen wenn man mehr als ein Kind hat. Ich habe durchaus Respekt davor, wenn eine Mutter von mehreren Kindern alles wuppt, keine Frage. Was mich stört ist das Bild das man von sich zeichnet. Dieses “Ich habe es viel schwerer als du” und dieses Was-weißt-du-schon-Verhalten, statt zu sagen “Ich verstehe dich aber du schaffst das, ich schaffe es ja auch”. Ich weiß nicht ob nur ich den Unterschied zwischen diesen Sätzen sehe aber für mich ist er gravierend. Um es mal ganz drastisch zu sagen, für mich ist es der Unterschied zwischen überheblich und erfahren. Warum müssen manche Frauen in einen Wettkampf des Leidens ausbrechen um zu zeigen wie viel sie leisten, statt einfach zu zeigen was sie leisten? Warum legen es so viele Frauen darauf an dafür Aufmerksamkeit zu bekommen wie schwer sie es doch haben, statt dafür, dass sie es trotzdem wuppen? Fragen über die es sich vielleicht mal lohnt nachzudenken.
Sorry für den langen Text.
Sep 21, 2011 @ 09:35:44
liebe Beatrix, du kannst soviel schreiben, wie du möchtest….
musst dich nicht entschuldigen!
Sep 21, 2011 @ 23:30:27
Das Buch ist doch einfach ein Mamblog in gedruckter Form… Ebenso wie dieser hier. Ich hab das Buch bestellt und freue mich auf gute Unterhaltung. Ich freue mich generell IMMER, wenn es irgendwo ehrliche Müttermeinungen gibt. Jenseits von “Ich liebe mein Kind, weil…”
Sep 24, 2011 @ 18:56:02
ohweh, ich wollte gar kein Mama-Blog sein! Schlimm? Eher ein Blog für Hühner und andere weibliche Zweibeiner – auch ohne Küken und Kinder…