
Ullstein Taschenbuch
Lange habe ich für dieses Hörbuch gebraucht. Die Schmetterlingsinsel von Corina Bomann ist mit 15 Stunden 45 Minuten aber auch wirklich eine echte Herausforderung (ungekürzte Ausgabe, gibt es nur bei Audible).
Lange habe ich auch gebraucht, um mich in dieses Buch überhaupt erst einmal einzuhören. So hat es eine Stunde gedauert, bis ich mich an die Stimme von Elena Wilms und noch länger, bis ich mich an die Schilderungen/die Schreibweise des Buches gewöhnt hatte.
Um eines klarzustellen, und damit mich hier keiner falsch versteht: Die Stimme von Elena Wilms ist super toll!!!! Ich kannte sie aus der Werbung für WC-Ente-Produkte und habe sie auch als Sprecherin von Reportagen erlebt (jüngst bei “Frühstücksfernsehen” der neuen Sendung von Olli Dittrich). Aber als Hörbuch? Ging erst einmal gar nicht. Es klang so gepresst… (Wer weiß, wie viele gute Hörbücher mir noch durch die Lappen gehen oder schon gegangen sind, nur weil ich mit der Hörprobe nicht zurecht komme?)
Inhalt: Als ihre Ehe zerbricht, steht die junge Berliner Anwältin Diana Wagenbach völlig allein da. Im Nachlass ihrer liebsten Tante findet sie das vergilbte Foto eines verwunschenen Hauses. Davor eine junge Frau. Ist es Dianas Ururgroßmutter, die einst in Ceylon lebte? Hals über Kopf macht Diana sich auf die Suche nach ihren Wurzeln in dem fremden Land am anderen Ende der Welt. Dort stößt sie auf eine geheimnisvolle Prophezeiung, die das Schicksal ihrer Familie für immer veränderte, eine verbotene Liebe, die niemals endete, und auf ihre eigene Bestimmung …
Seit ich die Werke von Kate Morton kenne, stehe ich ja total auf solche geheimnisumwobenen Familientragödien. Doch Corina Bomann ist nicht Kate Morton. Sie schreibt nicht so flüssig und so leicht; es wirkt zeitweise sehr hölzern, beinahe ein bisschen unbeholfen (hätte da nicht eine Lektorin besser “glätten” können?). Eine in manchen Passagen auftretende Detailversessenheit (die Heldin packt das Ladekabel in den Koffer) und übertriebene Dramatik (ein Brief, der erleichtert ist endlich geöffnet zu werden (? ist klar) ) nerven zudem etwas.
Aber – und jetzt kommt das große ABER – die Handlung, die Geschichte “Die Schmetterlingsinsel” ist um Längen besser als das neuste Werk von Kate Morton (Die verlorenen Spuren). Viel, viel besser. Und was Corina Bomann für einen Rechercheaufwand für dieses Buch getrieben haben muss. Wahnsinn! Geschichte, Völkerkunde Sri-Lanka, Tee. Zum Glück erschlägt sie ihre Leserinnen/Hörerinnen nicht mit Fachwissen, es wird eher wie beiläufig erwähnt.
Und zum Schluss habe ich ein – wieder einmal – ein bisschen geweint; anders allerdings als bei “Ein ganzes halbes Jahr”. Es war mehr so ein gerührtes Weinen (max. 5 Tränen), wie bei einem Film. Apropos Film: Die Schmetterlingsinsel ließe sich prima verfilmen, als Mehrteiler.
Vier von fünf Sternen. Und das Beste: Ich kann mir sofort das nächste Werk von Corina Bomann laden. “Der Mondscheingarten” steht schon bei Audible bereit – natürlich auch ungekürzt


